Eltern, seihet gewarnt: Muttersöhnchen sind tickende Zeitbomben! Wer auch immer mit dem Gedanken spielt, sich einen kleinen Liberace oder Heintje heranzuziehen möge bedenken, dass aus dieser Gattung Mensch auch die Ed Geins dieser Erde hervorgegangen sind. Zu viel Nestwärme kocht jeden Brägen gar und die daraus resultierende Geisteserweichung ist schädlich für jedes gesellschaftliche Wohl. Vor allem, wenn Geschwister und Elternteile mit betroffen sind.
Das wusste 1959 bereits Robert Bloch, als er seinen Vorzeige - "Psycho" auf die lesende Welt losließ und als Charles Kaufmann 1980 den "Muttertag" zum Festtag giftiger Matriarchinnen und ihrer konservativ - autoritären Erziehung den Gedanken fortspann wurde die Idee noch um einiges unangenehmer. Der auf einer Halloweenparty in einem Quickie gezeugte Bastard aus "Psycho" und "Beim Sterben ist jeder der Erste", der mit Schmackes durch die Babyklappe in "Das letzte Haus links" gepfeffert wurde ist mit seinem schwarzen Humor und seiner Spannung ein schwer runter zu würgender Brocken von einem Film, der sich im Laufe des Jahres als wahre Niedrigbudget - Wundertüte und Videotheken - und Kinokassenschlager erwies. Nicht zuletzt wegen dem Rumgeheule rechtskonservativer Zensurfanatiker, deren Tränen bekanntermaßen die süßeste Werbung für einen solchen Film ist.
Irgendwo im Umland des verschlafenen Kaffes Deep Baron wohnt eine Mutter mit ihren zwei degenerierten Mördersöhnen und vertreibt sich die viele Freizeit zwischen Fernsehen und Selbsthilfeseminaren mit dem gelegentlichen Abschlachten von armen Seelen, die sich in ihr Jagdrevier verirren: da rollt schon mal der ein oder andere Pappmachékopf und auf dem Autodach von Mutters Vehikel wird auch gerne mal eine Dame geschändet, kurz bevor die Alte selbst tödliche Hand anlegt. Ein typisch amerikanisches Familienidyll, wenn die Mutter Psychopathin ist und sich zur Mission gemacht hat, zwei abgewrackte Vorzeige - Incels aufzuziehen.
In dieses Idyll preschen die drei Schulfreundinnen Jackie, Abbey und Trina hervor, die - wie jedes Jahr seit dem mehr oder minder erfolgreichen Uniabschluss - die sich mit jeder Menge Hasch und Bier in den modischen Rollkoffern per Auto aufmachen, um in Natur und Umland Angst, Schrecken und Abfall zu verbreiten Trotz der Warnung eines wohlgesonnenen Dorfbewohners (eine Rarität im Horrorfilm!) macht frau sich auf den Weg nach Deep Baron, wo Muttis Jungs bereits die Messer wetzen und sich der Drei bemächtigen. Während Jackie der Gewalt der Männer nach einer durchfolterten Nacht mit mehrfacher Vergewaltigung erliegt erweisen sich Trina und Abbey als zähe Gegnerinnen, zumal sie dem Damsel in Distress - Klischee den Mittelfinger zeigen und augenblicklich in den First Blood - Modus wechseln, um Mutter und ihren Jungs mal zu zeigen, wohin sie sich ihre missratene Familienbande mal schieben können.
Bis hierhin hat der Film die gängigen Horrorklischees durch mehr als eine Handbreit Kakao bezogen und bis zum Ende zeigt er dahingehend auch keine Gnade: Abbey und Trina zeigen trotz anfänglicher Schockstarre wahren Kampfgeist im Rachefeldzug gegen ihre Peiniger und taktieren weitaus besser als manche potenzielle Opfer in modernen Horrorfilmen. Dementsprechend wird die Sippe relativ schnell, aber effekttechnisch heftig abgefrühstückt, wobei gegen Ende die alten Streichespielerfähigkeiten der damaligen Schulmissetäterinnen der Mutter zum Verhängnis werden. Gegen Ende gibt es dann noch eine ungesunde, aber ironische Portion Sozialdarwinismus und die Erklärung, warum ausgerechnet Jackie ins Gras beißen musste und der Film endet mit einen Cliffhanger der ärgerlichen Sorte: der die niemals irgendwo hinführen wird.
Nachdem ich vor kurzem das Vergnügen hatte, den Film in einem randvollen Kinosaal voller Mitfreaks zu sehen wurde mir klar, wie unangenehm mich "Muttertag" auch nach Jahren des Filmgenusses mich mit seinen schmierigen Fingern berührt. Und das ist durchaus nichts Negatives für einen Horrorfan. Die Effekte mögen veraltet sein, der Spannungsbogen ist es nicht, zumal Herr Kaufman sehr effektiv im Inszenieren falscher Jumpscares ist und der Schrecken oft unerwartet kommt. Zudem bin ich immer wieder hellauf begeistert, wenn sich Troma mal an eine zumindest etwas ernstere Materie heranwagt statt das Comic - Gaspedal bis zum Straßenbelag durchzutreten. Demnach empfehle ich den Film allen Horrorinteressierten außerhalb konservativer Kreise: die haben ja bekanntlich so ihre Probleme mit starken Frauen.