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Die Schulfreundinnen Abbey, Jackie und Trina unternehmen ihren alljährlichen Camping-Trip in die Wälder New Jerseys... doch dieses Mal verläuft der Wochenend-Spaß anders als gewohnt, denn die Mädels geraten schon bald in die Fänge einer durchgeknallten Alten, die mit ihren debilen Söhnen Ike und Addley in einem abseits vom Schuss gelegenen Haus im Wald lebt. Dort werden die drei Frauen nun gefangen gehalten und Jackie von den Irren sogar vergewaltigt und misshandelt. Zwar schafft man es, mit Müh und Not wieder in den Wald zu fliehen, aber Jackie stirbt schon kurz darauf an ihren Verletzungen, was Abbey und Trina genügend Motivation verschafft, sich wieder auf den Weg zu der besagten Hütte zu machen und mit dem Hinterwäldler-Pack abzurechnen... Charles Kaufmans mittlerweile als kleiner Cult-Classic gehandelter "Muttertag" ist sicherlich neben der wesentlich prestigeträchtigeren und prominent besetzten Hollywood-Produktion "Beim Sterben ist jeder der Erste" einer der wichtigsten Beiträge zum Backwoods-Genre schlechthin und zeichnet sich da vor allem durch zwei Dinge aus: Einerseits der bisweilen recht skurrile Humor, der da immer wieder mal durchscheint und dem Film in den USA zu einem Ruf als tiefschwarze Horror-Komödie verholfen hat, wozu der Vertrieb durch das TROMA-Video-Label des Regisseur-Bruders Lloyd sicherlich auch sein Scherflein beigetragen hat... und zum anderen einige fast schon viehische Gewalt-Exzesse, welche da zwar nicht über Gebühr graphisch ausgemalt werden, den Streifen aber dennoch in die Nähe ähnlich schwer verdaulicher und auf jeden Fall effektiver B-Movies wie "Last House on the Left" oder "Ich spuck auf dein Grab" und damit auch an den Randbereich des Rape-and-Revenge-Sujets rücken. Die psychotische Atmosphäre von Tobe Hoopers Meisterwerk "Blutgericht in Texas" klingt da - nicht nur aufgrund der zugemüllten Wald-Hütte, die da Erinnerungen an die Farm der Sawyer-Family weckt - bisweilen ebenfalls recht heftig an, auch wenn dieser krude Schocker alles in allem betrachtet sich nicht wirklich mit jenem Klassiker des Genres messen kann... alleine schon deshalb, weil hier statt der Kettensäge in einer Szene nur das elektrische Küchenmesser zum Einsatz kommt. Als kleine Low-Budget-Produktion recht schmuddelig gemacht und von seinen Darstellern auch entsprechend "naturalistisch" gespielt kommt "Muttertag" aber doch wirkungsvoller daher, als es ein auf glatte Mainstream-Bedürfnisse gebürsteter Streifen je könnte und landet demnach recht treffsicher 'nen satten Hieb in die Magengrube des Betrachters, dem das Lachen da hin und wieder im Hals stecken bleiben dürfte. Wie bereits bei dem genannten "Ich spuck auf dein Grab" suhlen sich die Macher hier in der zweiten Hälfte in einer derart krassen Selbstjustiz-Mentalität, dass einen das hierzulande ausgesprochene (aber mittlerweile wie auch bei jenem wieder aufgehobene) Verbot des Films nicht wirklich überraschen kann. Inszenatorisch geht Kaufman dabei gar nicht mal so ungeschickt vor und schafft es sogar, die dargestellten Grausamkeiten inenrhalb des filmischen Kontextes gedeckt erscheinen zu lassen und den Zuschauer dahingehend zu manipulieren, dass dieser die Rache-Aktion der beiden Frauen an dem Hinterwäldler-Clan regelrecht gutheißt. So gerät "Muttertag" im Nachgang eventuell etwas hintergründiger, als es zunächst den Anschein hat, auch wenn das Ganze als schlichter Slasher- und Geh'-Wald-Film (inklusive zwei wirklich überraschenden Schock-Effekten, die die Handlung da zu Beginn und am Ende quasi einrahmen) doch bestens funktioniert. Kurzum: In den Annalen des Genres ist "Muttertag" neben anderen Exponaten der früh-80er-Splatter-Welle wie "Tanz der Teufel" oder "Maniac" fest verzeichnet und hat einen Stellenwert, den ihm niemand mehr streitig machen kann.

7/10

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