Da ist doch in Japan endlich mal einer auf die Idee gekommen, dass man ja auch mal fürs heimische Ländle die Mechanismen und Inhalte eines klassischen italienischen Giallos für sich vereinnahmen können.
Sucht man die typischen Elemente, die sexuell motivierten und sexualisierten Verbrechen; der Zeuge, der etwas gesehen hat, an das er sich nicht mehr erinnern kann; die grausam zugerichteten Opfer; die Polizei auf der falschen Fährte, die den Zeugen verdächtigt; das Familiendrama aus ferner Vergangenheit, dann findet man auch zu allem etwas, insofern ist man linientreu gewesen.
Der Rest kann den Vorbildern leider außer der guten Absicht nicht das Wasser reichen, denn Macoto Tezuka hat sein Debut zu einem 130-Minuten-Reißer aufgeblasen, dessen Hintergrundbezüge sich leider immer mehr aufblähen, am Ende aber nur einen Hasenpups produzieren.
Tezuka, auch Drehbuchautor, ist sichtlich bemüht, aber die Auflösung rund um den Killer, der letztendlich so eine Art Auftragskiller für die Familie war, ist weniger als nicht befriedigend und hat eigentlich keinen echten Höhepunkt. Vielmehr bleibt der Mörder unidentifiziert, bzw. nicht richtig enttarnt und hinterlässt eine Menge Fragen dazu, was er tut, wie er es tut und warum!
Darüber hinaus fehlt Tezuka die Erfahrung und das visuelle Sendungsbewusstsein, aus seinen Schauplätzen etwas richtig Stylisches herauszufiltern, möglicherweise ist Chinatown auch nicht so ganz der passende Schauplatz für die eher sterile Isolation wirksamer Gialloszenen.
Natürlich ist nicht alles schlecht, gott bewahre, vor allem die Mordopfer kommen mehr als bizarr daher, vor allem als die Polizeitruppe in ein Haus voller Opfer eindringt, wird’s richtig abartig, ohne das überhaupt viel Blut zu sehen ist, da spielt die Phantasie auf der bösen Klaviatur. Dennoch mutet das Opfergemenge und die Vorgehensweise dann doch eher wie von „Sieben“ inspiriert und das starre, ignorante Polizeigefüge, wieder mal mit der typischen Rangunterwürfigkeit der Japaner kombiniert, spielt dem Eindruck in die Hände.
Am Ende bleiben viele Fragen offen und einige gute Ansätze (die „Geschenk“-Sendung an das Revier ist ein echtes „Bah“-Highlight“) werden aufgegeben, um zu einer Art Fortsetzungsmöglichkeit überzulenken.
Ein dennoch interessanter Film, gute Milieuszenen, wenn auch streckenweise zu zäh erzählt und stets unfokussiert zwischen einer Handvoll Hauptfiguren hin- und herspringend. (5/10)