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"The Fast and the Furious" ließ sich von "No Man´s Land" deutlich inspirieren, erzählt ungefähr die gleiche Geschichte und folgt dem selben Schema, ist aber auch mit deutlich mehr Pepp in Szene gesetzt. Dabei kann man den schwarzen Peter nicht Regisseur Peter Werner (Outlaws, Rufmord) zuschieben, sondern Serienautor Dick Wolf (Law & Order, Miami Vice), der sonst kein Screenplay zu einem Spielfilm verfasste. Jedenfalls verfügt seine Story über einige Längen und hat obendrein Probleme sich richtig zu entfalten. Das können auch die beiden Jungstars Charlie Sheen (Rookie - Der Anfänger, Die Drei Musketiere) und D.B. Sweeney (Blue Heat, Lederjacken) nicht überspielen.

Der junge Polizist Benjy Taylor (D.B. Sweeney) wird aufgrund seiner Autokenntnisse für Lieutenant Vincent Bracey (Randy Quaid) als Spitzel tätig. Er soll den reichen Ted Varrick (Charlie Sheen) observieren, welcher nicht nur der Autoschieberei bezichtigt wird, sondern auch des Mordes an einem Undercover-Agenten. Schnell findet Benji in Verricks Porsche-Werkstatt einen Job und wird dank seines horenten Könnens sogar sein bester Kumpel. Zusammen klauen sie einige Autos, zusätzlich verliebt sich Benjy in Verricks Schwester Ann (Lara Harris). Dabei gerät sein eigentlicher Auftrag immer mehr in den Hintergrund, denn er beginnt sich in der Szene wohl zu fühlen. Doch dank eines Insiders bei der Polizei weiß Verrick bald über Benjy Bescheid.

Man darf "No Man´s Land" schon als zahmen Vorreiter zu "The Fast and the Furious" sehen, wobei das Schema mit der Einschleußung eines Undercover-Agenten schon damals überholt war, aber sich trotzdem großer Beliebtheit erfreute. So ist die Geschichte durchweg simpel gestrickt, eine kleine Überraschung gibt es nur bezüglich des Verräters bei der Polizei. Doch straight erzählt sieht eben anders aus und hier liegt auch das größte Problem des Films. Doch durchleuchtet man vorher die Hauptfiguren, so fallen einem erstmal die positiven Aspekte auf. Mit unserem Helden Benjy haben wir einen KFZ-handwerklich begabten Jungspund, der sich in der Szene schnell wohlfühlt und durchaus kriminelle Energie besitz. Da eine Lovestory nicht fehlen darf, verknallt er sich die hübsche Schwester seines neuen Kumpels Verrick. Dies führt gerade gegen Ende noch zu einigen Komplikationen und man hätte sich nicht so ausgiebig um diese aufkommende Beziehung kümmern müssen. In Ted Verrick sieht der Zuschauer auch zunächst keinen echten Fiesling. Dass er Dreck am Stecken hat wissen wir sofort, aber sein charismatisches Auftreten macht ihn auch zum Sympathieträger. Doch Verrick hat deutlich mehr auf dem Kerbholz als einige Autodiebstähle, er entpuppt sich auch als eiskalter Mörder, somit fällt ein Ende a la "The Fast and the Furious" schon mal flach.

So ist Benjys Eintritt in die Szene nicht gerade aufregend, jedoch muss man nicht lange warten, bis die ersten Diebstähle folgen. Auch hat Verrick mit Frank Martin (R.D. Call) einen gefährlichen Konkurrenten, der ihnen das Leben schwer macht. So kommt es bei den Autoklaus zu Differenzen mit den Wachleuten, oder auch mal zu einer Autoverfolgungsjagd mit Sachschäden. Die wenigen Stunts sind dann auch schick gemacht, aber ansonsten hat "No Man´s Land" nur noch ein paar Morde zu bieten. Gerade actiontechnisch müsste mehr geboten werden, besonders die finale Konfrontation zwischen Verrick und Benjy wird den Zuschauer sehr enttäuschen. Dabei gibt es an der Machart nicht viel zu meckern, denn Werner weiß das typische Flair der 80er Jahre durch schicke Bilder und einen tollen Score gut zur Geltung zu bringen. Aber man muss eben mit einigen Durststrecken Vorlieb nehmen, somit bleibt der Höhepunkt die mittige Verfolgungsjagd mit Martin und seinen Schergen. D.B. Sweeney und Charlie Sheen verkörpern ihre Rollen glaubwürdig, wobei besonders Sheen auch mit seiner fiesen Seite überzeugen kann. Randy Quaid, Bill Duke und M. Emmet Walsh leisten in Nebenrollen gute Arbeit.

"No Man´s Land" gehört zu jenen Filmen, die einfach durch mehr Action eine deutlich höhere Wertung erreicht hätten. Die Story ist zwar altbekannt, taugt aber als Basis und offenbart auch gute Charaktere. Optisch kann man nicht meckern, die Darsteller haben ihre Rollen im Griff, leider ist der Film eine zähe Angelegenheit. Es gibt kaum richtige Actionszenen und genau die hätte der Film nötig gehabt. Ansehbar ist dieses Vehikel trotzdem gut, aber man sollte sich auf einige Hänger einstellen.

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