Review

Irgendwann Mitte der 30er ging es los: Dick und Doof wurden verstärkt in Fantasie-, Mittelalter-, und Musikfilmen eingesetzt. Viele beklagen sich heute noch darüber, denn genau diese Genres seien zu "abstrakt" für das weltberühmte Komiker-Dou. Zweifelsohne kann man wirklich sagen, dass diese Filme lange nicht unbedingt zu dem besten zählen, was unter dem Namen "Laurel & Hardy" erschienen sind. "Rache ist süß" zählt leider auch dazu.

Es sei gesagt, dass der Film relativ selten geworden ist. Kaum noch wird er im deutschen Fernsehen gespielt, einzig auf einem Medium kann man ihn (auch teilweise nur mit Glück!) heutzutage noch erstehen. Nun kann man spekulieren, ob es daran liegt, dass dieses Abenteuer der beiden ulkigen Charaktere etwas sperrig ist und keinen direkten Kontakt zum Zuschauer aufbauen will - die vielen surrealen Gegenstände und Orte sowie die zeitweise dunkle Präsentation passten damals viel mehr zu einem handelsüblichen Horrorfilm als zu einer leicht verdaulichen Komödie.

Wie sperrig der Film ist, merkt man sofort am Anfang. Viele Charakter werden vorgestellt, einige unfreiwillig gruselig - z. B die riesige, von einem Menschen gespielte Katze, die immer mal zu sehen ist mit einer schwer nach Micky Maus aussehenden Maus (Plagiat?). Dazu gesellen sich auch noch die drei kleinen Schweinchen, die ebenfalls etwas abnormal aussehen, was den kantigen Kostümen zu verdanken ist. Und tatsächlich ist der fast komplette Stab der Nicht-menschlichen Charakter beinahe gruselig und schreckenerregend, was man aber wohl nicht wollte, denn eigentlich sollen sie ja freundlichen wirken.

Stan Laurel und Oliver Hardy spielen hier nun die beiden netten Arbeiter einer Spielzeugfabrik, die in einem Schuh wohnen. Ja, in einem Schuh. Auch hier stellen sie wieder die unbeschwerten Kontaktpersonen zum Zuschauer da und haben mit vielen - zum Teil aber ungewöhnlichen - Gags die Lacher auf ihrer Seite. Ihr Gegenspieler im Film bildet der skrupellose Barnaby (Kaum erkennbar - Henry Brandon!), der auch dementsprechend in einem solchen Film dargestellt wird: Buckliger Gang, fiese Augen, stets dunkle Kleidung und generell ein unsympatisches Auftreten. Bei diesen drei Darstellern bleibt es aber auch, wenn man über die guten schauspielerischen Leistungen spricht, denn der Rest könnte kaum schlechter gewählt sein.

Charlotte Henry und Felix Knight spielen hier zwei furchtbare Charaktere. Die Namen der beiden sind unfreiwillige Zungenbrecher: Little Bo-Peep und Tom-Tom Piper. Was die Drehbuchautoren sich auch vor dem schreiben eingepfiffen haben, es war zu viel. Nun wäre alles nicht so schlimm, wenn die beiden ganz normale Nebendarsteller wären und ihren normalen Text runterlabern - nein, sie müssen auch noch singen. Und das über den ganzen Film hinweg. Wenn es denn wenigstens schön klingen würde, aber nein. Es geht schlichtweg irgendwann auf die Nerven. Ich will die Handlung des Films verfolgen und nicht zwei völlig unsympatische Laien singen hören. Warum unsympatisch? Tja, das Drehbuch macht besonders aus Tom-Tom eine selten eklige Arschgeige. In einer Szene will er Bo-Peep (In die er verknallt ist) verführen, die stellt sich aber quer. Der Gentleman würde sie einfach in Ruhe lassen oder subtil weiter mit verführerischen Sätzen weitermachen. Was macht Tom-Tom? Der Schnösel bindet seine "Liebste" mit den Füßen in einen Fuß-Pranger und sagt sowas wie "Ich lass dich nicht raus, bis du mich magst!" Dann verschränken die beide die Arme, sehen beleidigt weg und gucken sich immer mal wieder zufällig zeitgleich an. Schließlich willigt Bo-Peep ein, Tom-Tom freut sich und das ganze Dorf scheint gelauscht zu haben. Na dass nenn ich wahre Liebe!

Wir wollen aber Laurel und Hardy sehen. Nachdem wir uns wieder über sie amüsieren können und einfach nur total entspannt in den Sessel rutschen wollen... gehts wieder mit dem Gesinge los. Es ist ja gut, hört bitte auf! Ihr könnt ja singen!
Ein Glück bewegt sich der Film gegen Ende weg von dieser Schleim-Tropf Handlung Marke 08/15 Romanze. Denn gegen Ende wird das wieder hier beinahe zu einem Horrorfilm! Dieser dreiste Barnabe entführt Bo-Peep in eine dunkle Höhle und kehrt später mit einer Armee von undefinierbaren, ekligen Geschöpfen zurück, mit denen er das Spielzeugland erobern will. Diese Kreaturen sehen teilweise schreckenerregender aus, als alles, was heutzutage in Horrorfilmen sein Unwesen treibt.

Wie es in so einem Film kommen muss, wird diese Armee mit lebensgroßen Spielzeugsoldaten besieht. Alle sind glücklich und tanzen. Nun war der Film nicht das, was man sonst von Dick und Doof gewohnt ist. Die beiden kommen einfach besser weg, wenn sie ganz normale Leute in einer Stadt der 30er, 40er spielen. Sie sind generell natürlich lustig und lockern auch den Film auf, aber sie passen einfach besser in die Stadt. Von den anderen Darstellern will man gar nicht reden. Während Barnabe noch einigermaßen bedrohlich in Szene gesetzt wurde, nervt der singende Rest nach gefühlten zwei Sekunden. Stan Laurel meinte mal, er hätte den Film gerne in Farbe gedreht. Ich glaube dann wäre der Film auch viel lebendiger und liebenswürdiger geworden.

Fazit

Einer der ungewöhnlichsten Filme des Dous. Vieles ist lustig und unterhaltsam, vieles aber auch nicht. Die zahlreichen Lieder, die von schauspielerisch völlig untalentierten Schnulzen-Darstellern gespielt werden, tun einfach weh. Für einen freien Abend geeignet, aber möglichst keinen kleinen Kindern zeigen, denn der Film ist unfreiwillig verstörend und surreal.

6/10

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