Nach dem eben so großen wie unerwarteten Erfolg von "Für eine Handvoll Dollar" fiel der zweite Teil von Sergio Leones Dollar-Trilogie in jeder Hinsicht eine Nummer größer aus: Budget, Besetzung, Drehorte, Handlung - von allem deutlich mehr, lautete die Devise. Lediglich von seinen beiden Hauptdarstellern Clint Eastwood und Gian Maria Volontè wollte sich der neue Erfolgsregisseur aus guten Gründen nicht trennen, schienen sie doch den Erfolg auch der Fortsetzung garantieren zu können.
Tatsächlich sind die Charaktere Monco und Indio bis hin zur Kleidung nahezu identische Kopien des Helden und des Oberschurken aus dem Vorgängerfilm - ein eiskalter und skrupelloser Kopfgeldjäger auf der einen Seite und ein sadistischer und psychopathischer Bandenchef auf der anderen. Neu war jedoch Leones genialer Einfall, Eastwood eine zweite positive Hauptrolle als Partner und Konkurrenten zur Seite zu stellen - die Person des Colonel Douglas Mortimer, unvergleichlich gespielt von dem bis dahin eher unbekannten Lee van Cleef, für dessen Karriere dieser Film eine ähnliche Sternstunde darstellen sollte wie der erste Dollar-Film für Eastwood. Auf den ersten Blick ebenso undurchsichtig und gnadenlos wie Monco unterscheidet er sich von diesem nicht nur durch sein ausgeklügeltes, fast schon an James Bond erinnerndes Waffenarsenal, sondern vor allem durch das Motiv für seine Kopfgeldjägertätigkeit. Mortimer ist ein "Man with a mission", will er sich doch an Indio für den Tod seiner Schwester rächen, die nach ihrer Vergewaltigung durch den Verbrecher Selbstmord begangen hatte (eigenartigerweise verzichtete sie dabei auf die Gelegenheit, vorher auch ihren Peiniger umzubringen). In den Nebenrollen überzeugen Schauspieler wie Mario Brega, Aldo Sambrell und Luigi Pistilli, die teilweise schon in "Für eine Handvoll Dollar" dabeigewesen waren und nun rasch zum dauernden Bestandteil des Italowestern-Genres werden sollten. Nicht unerwähnt bleiben darf auch Klaus Kinski als Wild, hier ungewohnt bucklig, aber mit gewohnt irre flackerndem Blick.
Der Handlungsverlauf ist ebenso geradlinig wie spannungsfördernd - allerdings fragt man sich gegen Ende des Films, warum Indio den beiden schon enttarnten und gefangengenommenen Kopfgeldjägern wider alle Vernunft die Freiheit schenkt, was ihn wenige Minuten später das Leben kostet. Vermutlich konnte Leone nur auf diese Weise seine Vision von einem finalen Duell zu dritt verwirklichen. Wie schon im ersten Dollar-Film wurde dieser Abrechnung von epischem Ausmaß noch ein versuchter Anschlag aus dem Hinterhalt als Epilog hinzugefügt, der aber dank Moncos Rechenkünsten für den Helden glimpflich endet. Auch sonst kommt der Humor nicht zu kurz, wie die Episoden um den eisenbahnhassenden Propheten, den chinesischen Gepäckträger, den Telegraphisten in Santa Cruz und die drei heldenhaften Vigilanten von Agua Caliente beweisen. Und über allem liegt der grandiose Score von Ennio Morricone, der hier auch dazu überging, den Hauptdarstellern bestimmte Töne und Geräusche als Markenzeichen zur Seite zu stellen (kulminierend in den beiden Spieluhren). Alles in allem ein nahezu perfekter Italowestern, der allenfalls noch von Leones Opus magnum "Spiel mir das Lied vom Tod" übertroffen wird.