Längst haben die Koreaner die Nase gestrichen voll, davon, seit Jahrtausenden ein Schlachtfeld zu sein. Verwüstet von streitenden Königreichen und in den Auseinandersetzungen zwischen Chinesen und Japanern, zwischen Christen, Buddhisten und Konfuzianern, zwischen Kommies und Imperialisten. Die letzte offene und unheilbar anmutende Wunde dieser Konflikte klafft entlang des 38. Breitengrades. Koreaner aber legen sich mit ihren Wunden nicht danieder, sie tragen sie auf die Straße. Remember Gwangju. Das gerechte Aufbegehren ist zur Tradition geworden. Nach Sanyo, Daewoo, Kimchi und Produkten ihrer immer noch boomenden Filmindustrie exportieren Koreaner diesen Gestus nun mit stetig wachsendem Selbstbewusstsein. Wenn es irgendwo auf der Welt mal wieder gegen ein Unrecht zu demonstrieren gilt, das auch auf der koreanischen Seele brennt, sind Koreaner dabei. Und Bullen und Veranstaltern klappern gemeinsam die Zähne. Mit dem Actiongenre des koreanischen Kinos verhält es sich nicht unähnlich. Während alle anderen eklatant versagen oder gar Opfer ihrer eigenen Durchtriebenheit werden (USA, Japan), retten zu donnerndem Rabatz unverschämt patriotische Helden nicht lediglich Korea – sie retten die Welt. Weil sie Koreaner sind. An für sich dürfen die das natürlich, man kann da nicht viel mehr gegen sagen, als gegen James Bond oder Ethan Hunt. Aber wo wenigstens bei Bond die selbstbewusste Karikatur der überzogenen Geltung des postkolonialen Empires immer inhärent ist, spricht aus dem Untergangspathos, dem steingesichtig artikulierten Willen, das Leben zu geben, für Volk und geliebtes koreanisches Vaterland, ein unangenehmer Minderwertigkeitskomplex, gar aufdringlicher noch als der der Chinesen.
TYPHOON von Kwak Kyung-Taek ist ganz sicher eine der scheußlichsten Ausgeburten dieser Tendenz. Kwak – der bis dato eigentlich nur hervorragende Filme abgeliefert hatte, u.a. „Mutt Boy“, „Friend“ und „Champion“, Filme, die ihre Protagonisten und deren Entwicklung nie aus dem Fokus verlieren - gibt seinen Stil völlig preis, in dieser Produktion, die größer und erheblich schwachsinniger ist als alles, was er bisher angefasst hat. Wäre TYPHOON dennoch ein ansehnlicher Film geworden, man hätte dies noch hinnehmen mögen. Aber selbst die um die erbärmlich konstruierte Geschichte gehäuften Actionsequenzen bleiben einfach nur lächerlich – das Wassertank-Finale, in dem ein südkoreanisches Himmelfahrtskommando im tobenden Taifun ein Frachtschiff mit kleinen Schlauchboten entert, setzt den meschuggen Einfällen dann die Krone auf.
Wahrlich es bleibt kaum Zeit nachzudenken, bei der Hatz des dekorierten Soldaten Se-jong (Lee Jung-Jae) auf den Piraten Sin (Jang Dong-Kun). Über hohe See, durch Thailand und Russland führt Se-Jong diese Jagd, durch zum Teil klischeebehaftetste Postkartenszenerien – immer um dem Zuschauer zu vergewissern, wo er eigentlich ist, denn im Grunde ist das alles nur narrativ irrelevantes Beiwerk. Einzig das Selbstbewusstsein Südkoreas als international player soll hier gestreichelt werde. Für Se-Jong ist die Begehung dieses fremden und durch seine Nemesis kreuzgefährlich gemachten Terrains kein Problem, u.a. – empfehlen ihn seine Vorgesetzten – spräche er fließend Englisch (was in Südkorea zwar immer noch durchaus außergewöhnlich ist, sicher aber aus dem Munde von Lee Jung-Jae dennoch eklatant gebrochen anhört). Immer wieder geht ihm Sin durch die Lappen. Als einziger, so glaubt Sin, hat er die Flucht seiner Familie aus Nordkorea nach China überlebt. Dafür, dass die Chinesen – wenige Monate bevor für die nordkoreanischen Flüchtlinge eine Lösung mit Seoul gefunden worden war – zurück in den Norden verfrachtet hatten, macht er die Südkoreaner verantwortlich und hat ihnen unversöhnliche Rache geschworen. Das tragische Schicksal seines Antagonisten lässt Se-Jong mehr Sympathien für ihn entwickeln, als es für die Ausführung seiner klaren Befehle gut sein kann. Doch der Pirat, der sich nicht nur geheimer US-Kriegsmaschinerie bemächtigt hat, sondern auch heftig strahlender Nuklearabfälle aus sibirischen Bunkern, bemüht sich redlich um die Eskalation der Entwicklung.
So wird der Zuschauer um seinen Showdown nicht betrogen – es ist ja Reißbrett-Kino, dem wir hier beiwohnen – vorausgesetzt, natürlich, er hat diesen hanebüchenen Müll bis dahin durchgehalten, bzw. wenigstens seine diesbezüglichen Erwartungen nach unten korrigiert.*