Review

Um das Triumvirat der großen Monementalfilme nun zu vervollständigen hier nach Ben Hur und Spartacus das Review zu Quo Vadis:
Quo Vadis ist der älteste dieser drei Filme und das sieht man ihm in jeder Szene auch an. Quo Vadis ist weitaus der intoleranteste, verbohrteste, bornierteste und in gewissem Maße undifferenzierteste Film von diesem dreien.
Er ist auf eine derartige Weise christlich-fanatisch, dass wenn er noch ein Tickerl fanatischer wäre, man fast geneigt wäre, ihn als Vatikanistischen Propaganda-Film anzusehen.

Worum geht es in Quo Vadis?
Ein Elite-Römer (Robert Taylor) konvertiert zum Christentum, der verrückte Römerkaiser Nero (Peter Ustinov) zündet Rom an und schiebt es den friedliebenden Christen in die Schuhe...
Im Prinzip ist Quo Vadis lediglich eine Literaturverfilmung auf Hollywoodniveau herunterreduziert, das meiste an etwas Ineressantem weggelassen und sehr vieles der noch aus den Vierzigern des letzten Jahrhunderts geschuldeten Dramaturgie untergeordnet.
Es gibt eine weitaus vielschichtigere TV-Serien-Neuverfilmung mit Klaus-Maria-Brandauer in der Rolle des Nero, wo man sehen kann, wieviel Stoff tatsächlich in Quo Vadis drin steckte, jedoch sieht man in jener TV-Version auch, wieviel man alles falsch machen kann: Selten war eine Geschichtsstunde langweiliger und trockener.

Quo Vadis mit Ustinov ist da ein völlig anderes Kaliber, er ist spannend, kurzweilig, trotz der enormen Länge, und dank der extrem souveränen Performance von Peter Ustinov auch noch Schauspielkino von allererster Güte.
Es ist ein absoluter Augenschmaus Peter Ustinov zuzuschauen, sein Wahnsinn ist absolut atemberaubend und betörend, man möchte mit der Zunge schnalzen.
Da kann sich jeder gestandene Schauspieler heutzutage eine dicke Scheibe von abschneiden. Nur zu, Ustinov hat genug Fleisch an den Hüften.

Zugegebenermaßen, Quo Vadis ist auch recht einfach und infantil gehalten, aber die weiter oben erwähnten Eigenschaften sind weniger aus Boshaftigkeit heraus gedreht worden als aus Altmodischheit (gibt es dieses Wort überhaupt?), je einfacher die Geschichte, desto bereitwilliger das Publikum, diesen Film zu akzeptieren und sich wohl unterhalten zu fühlen.
Heutzutage gilt dieser Leitsatz (leidergottes) zwar auch noch, aber irgendwie wirkt es im Zuge dessen, was für Filme es mittlerweile gegeben hat, vor allem in den kritischen 60ern und 70ern, ansatzweise auch noch in den 80ern, irgendwie weniger altmodisch als auf eine zynische Art und Weise berechnend und volksverdummend. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zu Quo Vadis.

Da Quo Vadis jetzt also ein netter altmodischer kleiner Christenfilm ist, der auch noch vielen Monumentalfilmen mit Sicherheit das Tor überhaupt erst zur Produktion geöffnet hat, bekommt er also einen gewissen Stellenwert in der Monumentalfilm-Hierarchie.

An die beiden absoluten Spitzenreiter Ben Hur und Spartacus kommt er nicht ansatzweise ran, aber mit gehörigem Abstand sowohl nach oben als auch nach unten ist er ein absolut souveräner dritter Platz in der ewigen Sandalen-Monumentalfilm-Historie.
Noch lange vor dem richtig pathetischen und übertriebn erz-christlich-konservativen Die Zehn Gebote und erst recht vor dem zwar formal perfekt inszenierten, aber inhaltlich nichts neues bietenden Gladiator.

Als Film verdient er vielleicht 4 Punkte, betrachtet man den Zeitpunkt seiner Produktion bekommt er vielleicht noch einen kelinen Bonus, aber den Ausschlag gibt der überragende Peter Ustinov: Dieser lustige kleine wahnsinnige Fettwanst verdelt diesen Film auf 7 Punkte

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