Man würde dem italienischen Endzeitkino Unrecht tun, wenn man es einfach nur auf einen Haufen von „Mad Max“-Plagiaten reduzierte. Nein, es gibt dort auch Plagiate anderer Erfolgsfilme, so wie das „Die Klapperschlange“-Rip-Off „Fireflash“.
Wobei – ganz ohne „Mad Max“-Anleihen geht es auch hier nicht. Nicht nur erinnert der Held Flash (Michael Sopkiw) vom Styling an Max Rockastansky, auch seine ersten Auftritte als Endzeitgladiator in einem Destruction Derby haben „Mad Max“-Anmutung. Dort gewinnt er eine Sklavenfrau und das Recht darauf drei Menschen zu töten. Den weiblichen Preis lässt er laufen, damit der Zuschauer weiß, dass er gut und moralisch integer ist, was wohl auch sein Einsatz der drei Tötungsmünzen beweisen soll, mit denen er drei Sterbende in der Wüste von ihren Qualen erlöst. Nach der Logik fragt man besser nicht, denn wer will in der rauen Endzeit kontrollieren, ob da irgendwer sachlich korrekt umgelegt wurde? Und zählt ein solcher Akt der Gnade überhaupt? Zumal sich die Leute andrerorts in diesem Film genehmigungsfrei gegenseitig meucheln.
Andrerorts bedeutet in diesem der zerstörte Big Apple – der US-Verleihtitel ist schließlich auch „2019: After the Fall of New York“. Dort hat sich die despotische eurasische Fraktion breit gemacht, deren Mannen in Legionärsoutfits durch die Straßen marodieren, Menschen versklaven und Jagd auf arme marodierte Tröpfe machen. Deren Gegner, die panamerikanische Konföderation, will die verwüstete Erde verlassen und im Weltall neu anfangen. Dummerweise hat die Strahlung fast alle Frauen unfurchtbar gemacht – nur in New York sollen die Schurken eine gebärfähige Dame gefangen halten, womit dann auch die Fronten ge- und die Welt dieses Endzeitfilms erklärt wäre.
Flash wird ein Platz auf dem Schiff angeboten, sofern er das Mädel aus New York befreien kann. Zusammen mit Bronx (Paolo Maria Scalondro) und Ratchet (Romano Puppo) begibt er sich auf das Himmelfahrtskommando in den von eurasischen Häschern und marodierenden Banden bevölkerten Moloch…
Wo Enzo G. Castellari für „Bronx Warriors“ noch (teilweise) in New York drehte, da bleibt Sergio Martino bei „Fireflash“ noch ganz auf dem europäischen Festland und erweckt sein postapokalyptisches New York mit durchschaubaren, aber irgendwie sehr charmanten Modellbautricks zum Leben. Einen vergleichbaren Charme des kostengünstig Handgemachten verströmen auch Raumschiffsettings, Cyborgtricks sowie ein paar saftige Gore-Einlagen, wenn es den einen oder anderen armen Tropf auf Helden- oder Schurkenseite erwischt. „Fireflash“ fährt die ruppige Gangart des Italo-Genrekinos jener Jahre, das sich einerseits gut und gerne bei bekannten Vorbildern (meist aus Hollywood bediente), deren Bestandteile aber neu arrangierte und/oder mit derben Schauwerten aufmischte.
So ist auch dieser Film ein „Die Klapperschlange“-Rip-Off mit Anleihen bei „Mad Max 2“ und gelegentlich „Blade Runner“, in dem fast immer irgendetwas los ist, weshalb diverse Logiklücken (wie die erwähnte Münzszene oder das Handeln einiger Figuren im Finale), schwache Dialoge und mäßige Schauspielleistungen gar nicht so schwer ins Gewicht fallen. Wenn George Eastman als Affenmenschenanführer Big Ape herumspringt, immer mal wieder gesplattert wird und es alle paar Minuten auf die Glocke gibt, dann ist gute (Bier)Laune beim Freund des billigen Actionfilmchens garantiert. Michael Sopkiw macht sich als Held der Chose ganz gut, Eastman sorgt für Leben in der Bude, während der Rest der Darsteller kaum der Rede wert ist – hier geht es in erster Linie um die Schauwerte.
„Fireflash“ ist knallvoll von mal mehr, mal weniger guten Ideen, von einer skurrilen Rattenjagd über ein Vehikel-Gladiatorenspiel in der Sandgrube bis hin zu einem wahrhaft theatralischen Hinterhalt. Der Action sieht man ihre kostengünstigen Italowurzeln an, jedoch ist das Ganze bei „Fireflash“ etwas spektakulärer und sauberer inszeniert als bei manch anderem Billigheimer aus Bella Italia. Es gibt vor allem Hauen und Stechen, gelegentlich auch mal Schusswaffeneinsatz und gegen Ende sogar eine Autojagd. Beteiligt diverse kreative ausgestattete und erdachte Parteien, sodass auch schnell das Endzeitflair einer archaischen Welt mit dem Recht des Stärkeren aufkommt, in der allenfalls ein Held wie Flash noch einen Rest an Ehrenkodex hat, aber auch keine Lichtgestalt ist. Dementsprechend fies ist auch die Implikation des Endes. *SPOILER* Die gesuchte Frau ist zwar gerettet, aber von Big Ape vergewaltigt worden, was bedeutet, dass die menschliche Nachzucht im Weltraum im wahrsten Sinne des Wortes haarig werden könnte. *SPOILER ENDE*
In der ersten Hälfte spielt „Fireflash“ manchmal auch mit den Erwartungen des Zuschauers, etwa wenn sich das potentielle Love Interest des Helden nicht auch noch als die Gesuchte erweist, sondern einfach nur eine von vielen ist, die ums Überleben kämpfen und keine besondere Rolle für den Fortbestand der Menschheit spielen. Im klassischen Sinne spannend ist „Fireflash“ nicht, auch die Figurenzeichnung ist bestenfalls rudimentär vorhanden, aber als Spektakel hat das Ganze schon Drive. Gegen Ende ermüdet die trashige Action freilich etwas, zumal man wohl auf eine Fortsetzung schielte (schließlich hat eine Fieslingsuschi ja noch Rache geschworen), aber so weit kam es dann nicht.
Dabei wäre ein Sequel sicherlich eine nette Sache für Freunde des Genrekinos jener Jahre gewesen, hätte sie das Niveau des Vorgängers gehalten. „Fireflash“ hat sicher seine Schwächen, darunter das nicht immer gut durchdachte, aus diversen Vorbildern zusammengeklaute Script und durchwachsene Darstellerleistungen, ist aber dank seines hohen Tempos, seiner kunterbunten Schauwertideen und seines Billigcharmes jedenfalls vergnüglicher Italo-Endzeit-Actiontrash