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Disneyfilme sind bekannt für ihre Niedlichkeit, für sprechende Tiere, für Harmlosigkeit und für ihren seichten Witz, mit dem nicht jeder (erwachsene) Filmfreak etwas anfangen kann. Doch das Disney auch anders kann, haben sie schon des öfteren bewiesen. U.a. mit dem Slapstick-Abenteuer "Ein Königreich für ein Lama", welches nur so sprühte von bissigem (wenn auch natürlich familiengerechten) Slapstick und selbst den härtesten Disney-Verweigerer zum brüllenden Gelächter brachte. Lange hat es gedauert, doch nun wird auch dieser große Disney-Hit in einem Sequel verwurstet. Gott sei Dank kommt dieses Sequel aber erstaunlich nahe, an die Qualitäten des Vorgängers ran.

"Kronks neues Abenteuer" steht dem Original eigentlich kaum in etwas nach. Höchstens die Story ist vielleicht nicht mehr ganz so dicht und knackig ausgefallen, wie bei seinem Vorgänger. Denn dieses mal geht es nicht um den selbstverliebten König Kuzco, sondern um Kronk, den ehemaligen "Butler" von Yzma, der bösen, wirklich unglaublich hässlichen, alten Fregatte aus dem Vorgänger. Kronk hat sich mittlerweile eine kleine Existenz aufgebaut, in Form eines Restaurants. Doch eines Tages kündigt sich sein Vater zu Besuch an, dem Kronk stehts erzählt hat, er würde Frau, Kinder und ein Haus auf einem Hügel besitzen. Nun heißt es also eine Lösung für das Problem finden, was natürlich nur im Chaos enden kann. Im Grunde passt die Geschichte eigentlich genau auf Kronks breiten Leib. Die Innovationen und gewisse Tiefgänge des Vorgängers sind hier zwar verschunden, doch von verrückten Ideen sprüht es auch in "Empires New Grove II" nur so. Dazu natürlich allerhand schräge Situationen und eine Hauptfigur in bester "Spiellaune", auch wenn sie in diesem Fall nur gezeichnet ist. Fürs große Kino würde es zwar sicher nicht ganz reichen, doch für einen Direkt-to-DVD-Film allemal.

Worauf es nämlich auch bei Kronks großem Abenteuer hauptsächlich ankommt, sind natürlich die Jokes und diese stehen seinem Vorgänger wirklich in kaum etwas nach. Auch wenn dieses mal kein sprechendes Lama gibt, das von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, so kann man sich doch über allerhand gute Witze freuen, die wirklich jeden zum Brüllen bringen. Angefangen bei Kronks Aufmöbelung einer Seniorenresidenz, mit einem angeblichen Verjüngerungs-Serum, natürlich gestiftet von Yzma, über Kronks wunderbare Versuche einer Frau zu imponieren, bis hin zum großen, vor schrägen und absurden Witz nur so sprühendem, Finale. Hier bleibt wirklich absolut kein Auge trocken, egal wie alt man ist. Familienfreundlichkeit bleibt zwar auch hier durchgängig bewahrt, doch an knackigen Jokes kann man sich dennoch, über die ganze Laufzeit hinweg, erfreuen.

Etwas schade ist allerdings die Tatsache, das die Hauptfigur aus Teil eins, Kuzco, hier leider kaum Screen-Time bekommt. Er ist in diesem Film nämlich nicht mehr als Zuschauer, der aber immer wieder einmal den Ablauf des Streifens unterbricht, um dem wirklichen Zuschauer (sprich uns) seine Gedanken zum Geschehen zu übermitteln. Diese Szenen wirken zwar ganz nett, vor allem als Kuzco den Zuschauern etwas so gar Grauenhaftes vor Augen führt, dass man so scheußlich wohl in noch keinem Disney-Film zu Gesicht bekommen hat;) (ich sage nur Yzma), doch unterm Strich hätte man ihm ruhig noch ein zwei Szenen mehr gönnen können. Aber nun gut, es ist ja schließlich Kronks großer Auftritt und nicht Kuzcos.

Und Kronks Tapsigkeit ist wirklich zum schießen. Viele der Brüller gehen auf sein Konto. Dazu wurden auch einige der wirklich guten Jokes aus Teil eins in den zweiten Teil gerettet, so das man auch hier noch einmal über sie lachen kann. So gibt es wieder den ominösen Hebel zu Yzmas Labor zu betrachten, Engel und Teufel Kronk geben ihrem Schützling nicht nur einmal "nützliche" Tipps und die herrlich abgewrackte, gleichgültige Bedienung des Restaurants ist auch hier wieder mit von der Partie. Dazu alle möglichen Stürze, Verwüstungen und Dialoge alla "quicker, die quick, quicken". Kurzum, wer schon bei Teil eins nicht mehr aus dem Lachen rauskam, der dürfte es auch hier wieder nicht schaffen.

Was die Animationen angeht, so kommen diese löblicherweise auch sehr nah an das Original heran. Die bewusst kantigen Figuren bewegen sich alle schön flüssig, die Hintergründe passen prima und alles sieht wieder so prächtig schräg und durchgeknallt aus, wie schon im Vorgänger. Wirkliche Unterschiede zwischen den beiden einzelnen Filmen sind jedenfalls nicht auszumachen.

Wohl aber bei der Synchro, zumindest was zwei Figuren anbelangt. Denn leider hat es Disney dieses mal nicht geschafft, wirklich allen Figuren wieder die gleiche Stimme zu verleihen, zumindest im Deutschen. Michael Herbig und Elke Sommer, die im Vorgänger wirklich einen wunderbaren Einklang, in Form von König/Lama Kuzco und Yzma, gaben, hatten bei der Entstehung des Sequels wohl keine Zeit, keine Lust, oder zu hohe Gagenforderungen gestellt, so das sie dieses mal nicht mitwirkten. Zwar sind die Ersatzstimmen merklich gut gewählt, aber an Herbig und Sommer kommen sie zu keinem Zeitpunkt heran. Aber Gott sei Dank wird Hauptfigur Kronk auch hier wieder von einem exzellenten Tony Amper gesprochen und auch die restlichen Figuren (Pacha, ChiCha, Bedienung etc.) haben all wieder ihre bekannten Stimmen. Und im Original sind auch John Goodman und David Spade wieder mit von der Partie, genauso wie Tracey Ullman als Ms. Birdwell. Somit ist es unterm Strich zwar schade, dass die beiden großen deutschen Namen des ersten Teils dieses mal nicht mit an Bord sind, aber auch schön, dass es Disney dennoch geschafft hat, wieder eine exzellente Synchro-Arbeit abzuliefern.

Fazit: Herrlich abgefahrenes Direct-to-DVD-Sequel, des wohl schrägsten und durchgeknalltesten Disney-Hits aller Zeiten. "Kronks grosses Abenteuer" besticht, genauso wie sein Vorgänger, durch sprühenden und bissigem Witz, Slapstick, schrägen Situationen, skurrilen Handlungen und einer liebevollen Inszenierung, in Form von wunderbaren Animationen und einer fast perfekten Synchro. Das Fehlen von Herbig und Sommer am Synchro-Mikro schmerzt zwar ein wenig und die Geschichte selbst ist, im Vergleich zum Original, sicher auch nicht so ganz das Wahre, doch wenn man ehrlich ist, stört einen das, bei dem ständigen Gefeixe und Gekicher, dem man sich hier kaum entziehen kann, wirklich herzlich wenig. Auf jedenfall ein DVD-Film, der sich mal wirklich nicht weit hinter dem Original zu verstecken braucht.

Wertung: 7,5+/10 Punkte

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