1982 war der Kalte Krieg noch im Gange, da sollte ein Eastwood-Vehikel wie „Firefox“ den Geist der Zeit treffen, doch die Frage nach der Halbwertszeit des Ganzen darf man stellen.
Doch auf ideologischer Ebene ist „Firefox“ im grünen Bereich, denn der Film zeichnet ein durchaus ausgeglichenes Bild der Russen, zeigt sowohl Ehrenhafte wie auch Schurken, gegen die Mitchell Grant (Clint Eastwood) ins Feld zieht. Der Elitepilot leidet unter einem Trauma seit seiner Gefangenschaft in Vietnam, doch auch hier ist Eastwoods Films um Ausgewogenheit bemüht: Auch das Sterben von Zivilisten durch amerikanische Angriffe und Grants Befreiung unter Beschuss haben zu dem Trauma beigetragen, nicht nur die vietnamesische Gefangenschaft allein. Ideologisch ist „Firefox“ aber nicht ganz einfach einzuordnen, da zum Teil üble Russenklischees aufgefahren und mehr oder minder Parallelen zwischen Sowjetregierung und NS-Regime gezogen werden, andrerseits scheint Grant für die eigene Regierung ja nur geringfügig mehr übrig zu haben als für die russische.
Grant wird rekrutiert, da die Russen den Firefox entwickelt haben, einen Kampfflieger, der angeblich nicht mit dem Radar aufzuspüren ist und dessen Waffensystem auf Impulse aus dem Hirn des Piloten reagiert, was ihm Lufthoheit verschafft. Es folgen die obligatorischen Trainingsszenen, die den alten Recken wieder auf den Einsatz vorbereiten, gleichzeitig bereitet man seine Undercovermission vor.
Mit Hilfe russischer Widerständler wird Grant eingeschleust, wobei Grant die mörderischen Methoden seiner amerikanischen Auftraggeber und ihrer Verbündeten gar nicht schätzt. Doch er macht weiter, will sich in den Stützpunkt einschleichen und den Prototypen stehlen…
Eastwoods Kalter-Krieg-Abenteuer mag zwar nicht der Patriotendreck sein als der er gerne abgestempelt wird, aber ein etwas uneinheitlicher Film ist die Romanverfilmung schon, die in zwei Hälften zerfällt, von denen die erste die deutlich bessere ist. Als spannende Spionagegeschichte wird Grants Reise durch Russland gezeigt, man spielt Katz-und-Maus mit Sowjetagenten, kämpft in der Toilette einer U-Bahn-Station, muss sich verstecken und auch sonst alles tun, was zu einem spannungsgeladenen Versteckspiel hinter feindlichen Linien gehört. Vor allem die russischen Widerständler werden ausgesprochen gelungen charakterisiert, trotz ihrer Methoden sympathisiert man bald mit ihnen und empfindet jeden Verlust als Schock.
Doch mit Grants Ankunft in der Basis lässt „Firefox“ nach. Zum einen, weil die interessanten Nebenfiguren wegfallen, zum anderen, weil am Ausgang der Geschichte zu wenig Zweifel bestehen, weil man Grant nicht genug adäquate Hindernisse gibt. Gerade eine ellenlange Flucht mit dem Firefox zieht sich ganz schön, erst ein finaler Dogfight zwischen Grant und einem zweiten Prototypen des Superflieger holt da noch die Kohlen aus dem Feuer, sorgt für ein würdiges Finish, das ein wenig für die schwache zweite Hälfte entschädigt.
Obwohl „Firefox“ nicht so tendenziös wie manch vergleichbarer Film ist, drehte man doch in den USA, da es wohl kaum eine Drehgenehmigung in der UdSSR gegeben hätte – allerdings ließ Eastwood es sich nicht nehmen eine Szene am Roten Platz einzubauen, die jedoch ganz easy als Rückprojektion erkennen lässt. Ansonsten ist „Firefox“ solide inszeniert, von Eastwood-Glanzleistungen noch ein Stück entfernt, aber doch gelungen.
Auch schauspielerisch ist Eastwood hier nicht in Hochform, verkörpert den müden Krieger aber doch mit Charisma und Verve und kann den Film tragen, was er auch muss, denn die Nebendarsteller sind wirklich nur Unterstützung für den Hauptdarsteller, auch seine Gegenspieler ragen nie groß heraus, wobei am ehesten noch Klaus Löwitsch als russischer General noch ein paar Schnitte machen kann.
Wer sich eine Eastwood-Actiongranate erhofft, der wird enttäuscht sein, als Spionagefilm funktioniert die erste Hälfte wunderbar, während sich die zweite ziemlich zieht. Dennoch ein okayer Film und besser als vieles andere von Eastwoods 80er-Output.