"Die Werwölfe" von Regisseur Werner Klett aus dem Jahr 1973 ist ein skurriler Abenteuerfilm, der durchaus interessant ist und deutlich besser als sein Ruf daher kommt. Die Independent-Produktion passt in keine Schablone und überrascht weniger mit einer oft behaupteten "abstoßenden Härte", als viel mehr mit der völlig unkritischen Behandlung des Themas jugendlicher Widerstandskämpfer des Dritten Reiches nach der Kapitulation.
Kletts Film erzählt reißerisch die Geschichte einer Gruppe von fanatischen Hitlerjungen, die jeden Erwachsenen, der mit den Alliierten kollaboriert, erbarmungslos jagt und hinrichtet. Ein Versuch durch einen US-Offizier, die Jungs pädagogisch wertvoll zu belabern, scheitert kläglich. Als der sie anleitende SS-Bannführer ihnen wegen ihrer Tapferkeit Eiserne Kreuze verleihen, sie aber im gleichen Atemzuge nach Hause schicken will, wenden sie sich auch gegen ihn und mähen ihn mit ihren MPs um. Sie wollen trotz Hitlers Tod und aussichtsloser militärischer Lage nicht aufgeben, halten an ihrem Ehrenkodex in Treue fest und sterben letztlich gemeinschaftlich, beim Versuch die anrückenden Russen aufzuhalten, im Kugelhagel, was von heroischer Musik untermalt wird, ohne dies ansatzweise zu relativieren, in einen ironischen oder sonst wie kritischen Kontext zu setzen.
Der Film erzählt die Geschichte ungewöhnlich radikal aus der subjektiven Perspektive der Jugendlichen im Stile eines aufregenden Jugendabenteuers und kann, oder muss vielleicht sogar, als unverschleierte NS-Propaganda verstanden werden. Dass dieses Werk wieder legal auf dem Markt erscheint, überrascht auf ganzer Linie, da hat die FSK (zum Glück) total gepennt.
Die Werwölfe hat viele Schwächen, allen voran die offensichtliche Tatsache, dass einige der Darsteller sich nicht für die Dreharbeiten von ihren 70er Jahre-Frisuren trennen wollten und auch die mangelnde Detailtreue bei der Ausstattung fällt mitunter negativ auf. Trotzdem hat der Film einige Eyecatcher, wie den bekannten Darsteller Günter Meisner, eine stimmungsvolle Industrieruine, einen schönen Oldtimer und hübsche, junge, nackte Frauen, die im ästhetischen Kontrast zu einer alten, fetten Nutte stehen, die aber zügig von den Werwölfen niedergemacht wird, so dass sie des Zuschauers Auge nicht lange belästigt.
Der Film ist von der ersten bis zur letzten Sekunde komplett gegen jedes gängige Muster gefertigt, politisch unkorrekt und offensichtlich von einer Crew produziert, die permanent in einer Euphorie der Selbsthypnose schwebend, alle Widerstände der Realität und der Produktionsumstände niederwalzt, wie mit einem SS-Tiger-Panzer und so tatsächlich den Endsieg der Fertigstellung eines komplett wahnsinnigen Filmprojekts feiert. Werner Kletts Film steht damit direkt in einer Linie mit ähnlich herrlich absurden Klassikern des deutschen Independent-Films von Regisseuren wie Oliver Krekel oder Marc Vorlander.
Ein bizarres Juwel des abseitigen deutschen Films.