"Wo ist mein Bild? Wo ist dieses tote Baby?"
Mit diesen Worten wird die Hauptfigur eingeführt, der abgehalfterte Star-Reporter des schmierigen Sensationsblatts "Inside View", Richard Dees, verkörpert vom viel zu früh verstorbenen Miguel Ferrer, dessen großartigem Spiel es zu verdanken ist, dass man mit seiner widerlichen Figur irgendwie mitfiebert. Denn Dees ist, man kann es nicht anders sagen, ein zynisches Arschloch. Ein zynisches Arschloch von der Sorte, der, als er an einer Unfallstelle mit mehreren Toten vorbeikommt, meint: "Ist wohl mein Glückstag." Insofern ist er auch nicht erfreut, dass der Redakteur sein Bild vom "verfluchten Baby" rausgekürzt hat. Keine Fotos von minderjährigen Leichen, da kennt er nix, der Chef.
Nach anfänglichem Zögern steckt Dees dann seine auf Blut & Tod trainierte Spürnase in eine vielversprechende neue Story. Da ist ein irrer Killer, der sich Dwight Renfield (Michael H. Moss) nennt & mit seiner Cessna durch die Nacht fliegt, auf abgelegenen kleinen Flugplätzen landet, die Menschen dort tötet & ihre blutleeren Körper zurücklässt. Mit der jungen, aufstrebenden & ehrgeizigen Reporterin Katherine Blair (Julie Entwisle, Typ Phoebe Cates, die sonst leider nur in einem anderen Film mitgespielt hat) hat er jedoch ernstzunehmende Konkurrenz im eigenen Haus.
"Glaub nie, was du veröffentlichst. Und veröffentliche nie, was du glaubst." (Dees Philosophie)
Mark Pavias meiner Meinung nach sehr gelungene Stephen-King-Verfilmung im kühlen 90er-Look hält sich grundsätzlich eng an die Vorlage, einer in der Sammlung Alpträume veröffentlichten Kurzgeschichte (die ich bei dieser Gelegenheit auch mal wieder gelesen habe); neu sind lediglich die Figur Katherine & ein paar nette Ausschmückungen, sowie das Ende (mit Trockeneisnebel-Overkill in stylischem Schwarzweiß), das von der Vorlage abweicht. Renfield ist den Film über mehr zu ahnen, als zu sehen, eine klassische Erscheinung mit flatterndem Umhang, welcher innen rot wie Blut & außen schwarz wie die Nacht ist.
Erst im Zuge des Showdowns zwischen ihm & Dees wird er in seiner ganzen monströsen Pracht enthüllt, ein hässliches Kerlchen mit je einem gewaltigen Reißzahn oben & unten, die er seinen Opfern in die Schlag- & Drosseladern rammt. Die Löcher im Hals sind dementsprechend groß & kein Vergleich zu Draculas dagegen zärtlich wirkende Liebesbisse. Die Szene, als Dees im Spiegel beobachtet, wie der (unsichtbare) Renfield uriniert & sein blutiger Strahl sichtbar wird, sobald er auf das Porzellan des Pissoirs trifft, ist 1 : 1 aus Kings Geschichte umgesetzt & ein geniales Bild, das sich ins Gedächtnis frisst. Zur Abwechslung mal eine King-Verfilmung, die ich besser finde als die Vorlage.