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Der Don ist tot, und sein Erbe scheint nicht leicht: Die Stadt muss neu aufgeteilt werden. Eine Hälfte des bisherigen Regalbuto-Bezirks geht an Don Angelo, die andere Hälfte an Don Luigi. Sohn Frankie Regalbuto, dem die Führung einer eigenen Familie noch nicht zugetraut wird, kommt als Ziehsohn zu Don Angelo, und da die beiden schon immer eng befreundet waren, ist dies ein Arrangement, mit dem alle zufrieden sein können. Die besten Freunde Frankies, die Brüder Vince und Tony Fargo, machen sich im gleichen Augenblick selbständig und sind quasi für alle da. Die Welt könnte schön und übersichtlich sein, aber ein Mann ist mit dieser Aufteilung nicht einverstanden. Ein Mann will alles - Die ganze Stadt und die ganze Macht. Zwischen Don Angelo und Frankie passt kein Blatt Papier, so sollte man meinen. Irrtum, mit dem richtigen Plan ist es ganz einfach die beiden zu erbitterten Feinden zu machen. Und damit einen blutigen Gangsterkrieg zu entfachen, an dessen Ende genau ein einziger Sieger stehen wird. Bloß, ob das derjenige ist, der diesen Plan ersonnen hat, das sei mal dahingestellt …

Beim ersten Hinsehen wirkt DER DON IST TOT wie eine billige(!) DER PATE-Kopie, im Fahrwasser des Coppola-Klassikers als Schnellschuss realisiert, um aus der Mafiawelle, die Anfang der 70er-Jahre durch die Kinos raste, ein paar schnelle Dollars herauszuschlagen. Eine einfache Geschichte ohne große Haken und Ösen, billigste Studiokulissen, einiges an Action, aber unter bewusstem Aussparen von Sex und Gewalt – Ganz ehrlich, DER DON IST TOT wirkt wie eine Fernsehproduktion die versucht, das große Kino im kleinen Format abzubilden. Der dazu passende Aufhänger, nämlich den Tod Marlon Brandos im Vorbild gleich im Titel zu nennen, um die Assoziationen zu den darauffolgenden Ereignissen in DER PATE ebenfalls heraufzubeschwören, ist schon fast genial zu nennendes Marketing für so eine kleine Produktion.

Aber wenn man genauer hinschaut stellt man fest, dass Routinier Dick Fleischer, der immerhin mit genau dieser Art Film viele Jahre früher begonnen hatte, aus dem sichtlich kaum vorhandenen Budget doch sehr viel herausgeholt hat: Viel Geld dürfte für namhafte Schauspieler draufgegangen sein. Darsteller, die Gefühle transportieren können und einfach in keinem Augenblick billig oder peinlich wirken. Ein Umstand, der die einfach gestalteten Szenerien dann schnell wieder austariert. Die Musik von Jerry Goldsmith hat keinen irgendwie gearteten Wiedererkennungswert, aber sie unterstützt die Stimmung des Films ungemein, und baut vor allem zu Beginn eine dunkle und bedrohliche Atmosphäre auf. Was dann in Summe letzten Endes zum stärksten Pluspunkt des Films führt: Er zieht den Zuschauer in hohem Maße mit. Der Plan des Verräters ist so einfach und doch so effizient. Er hätte auch problemlos schief gehen können, zum Beispiel durch schlichtes Miteinanderreden, und das wirklich perfide daran ist, dass auf den Verräter dann trotzdem kein Verdacht gefallen wäre. Aber so, wie sich die Sache ausgeht, inszeniert dieser eine Mann ein gigantisches Blutbad, aus dem eigentlich nur er als Sieger herauskommen kann. Eigentlich, da neben dem schwachen und unerfahrenen Frankie noch sein Freund Tony steht, der inmitten der Blutlachen nicht den Überblick verliert, sondern sein Hirn benutzt, im Gegensatz zu den meisten anderen Akteuren. Und so wird das Duell zwischen Frankie Regalbuto auf der einen Seite, Don Angelo auf der anderen Seite, dem Drahtzieher im Hintergrund und Tony Fargo als dem Mann der tatsächlich agiert schnell sehr spannend und mitreißend, auch wenn die verwendeten Kulissen oft einmal stimmungstötend wirken. 

Mir ist klar, dass die Story zum Teil Sprünge macht wie ein Stuntman bei Demofilo Fidani, und dass Dinge wie Realismus oder Logik hier schnell auf der Strecke bleiben ist offensichtlich. Ereignisse werden, anders als in den meisten anderen Mafiafilmen, oft nicht gezeigt, sondern erzählt. Menschen reden, doch wir hören sie nicht. Die dadurch erzeugte Stimmung ist eine ganz besondere, eine andere als in so vielen anderen Filmen, auch wenn die Handlung episodenhaft ist und alles andere als stringent. Fleischer verlässt sich nicht allein auf die Überzeugungskraft der Maschinengewehre, sondern er inszeniert einen richtigen Film, analog zu seinen frühen Arbeiten wie ARMORED CAR ROBBERY. Dazu kommt, dass die Hauptfigur im Laufe des Films wechselt, und der einzige sympathische Charakter, Don Antonio, durch sein Handeln nicht nur das Wohlwollen des Zuschauers verliert, sondern auch seine Macht und seine Gesundheit. Helden schauen definitiv anders aus als in DER DON IST TOT, und sie sterben auch anders. Heldenhafter, oder schmutzig-grausam. Aber nicht so erbärmlich wie hier. Was dem Film dann ebenfalls wieder eine ganz eigene Stimmung gibt.
Somit ist DER DON IST TOT grundsolides und gut anzuschauendes Handwerk für Fans von Gangster- und Mafia-Filmen, der sicher keinen Höhepunkt des Genres darstellt, aber viele andere DER PATE-Epigonen schnell hinter sich lässt, trotz seiner formalen und zu vernachlässigenden Schwächen.

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