"Hier seid ihr weder gut noch schlecht. Ihr seid hier weder klug noch dumm. Ihr seid auch keine Künstler. Ihr seid niemand hier, nicht mal menschliche Wesen. Hier seid ihr nur ein Haufen Scheiße."
"Die neunte Kompanie" ist mit einem Budget von ca. 9 Millionen Dollar eine der teuersten russischen Produktion. Und dies sieht man ihr, zumindest visuell, auch an.
Im Jahre 1989 tobt zwischen Russland und Afghanistan bereits seit 10 Jahren ein Krieg. Die Sowjetunion sieht den Konflikt als verloren und ist dabei ihre Truppen zurück zu ziehen.
Stas (Artyom Mikhalkov), Lyutyi (Artur Smolyaninov), Vorobey (Aleksei Chadov) und einige weitere junge Männer wurden zur Armee eingezogen. Sie sind dafür vorgesehen eine strategische Anhöhe gegen afghanische Mudschaheddin zu halten, um den Rückzug der eigenen Truppen zu garantieren. Aber bevor sie Feindesland betreten müssen die Rekruten eine harte Ausbildung unter dem Veteran Dygalo (Mikhail Porechenkov) über sich ergehen lassen.
Am besten vergleichen kann man "Die neunte Kompanie" mit "Full Metal Jacket", sowohl von der Aufmachung wie auch von der Erzählstruktur. Die erste Stunde des (Anti-) Kriegsfilmes befasst sich ausschließlich mit den Charakteren, deren Ausbildung im Trainingslager und der Kameradschaft untereinander.
In der zweiten Hälfte wechselt der Schauplatz dann zum Konfliktherd in Afghanistan. Besonders actionreich geht es hierbei nicht zu. Die Kämpfe sind an einer Hand abzählbar. Erst gegen Ende entbrennt ein großer Kampf zwischen der sowjetischen Besatzung auf der Anhöhe gegen zahlreiche Mudschaheddin.
Für die Verhältnisse ist die visuelle Darstellung erstaunlich. Russland spielt hier in einer Liga mit den großen Hollywoodfilmen mit. Die Schauplätze sind aufwendig gestaltet, die spärlichen Effekte realistisch und die Ausstattung üppig geraten. Egal ob es sich um eine Explosion eines Transportflugzeuges, die Umgebung einer nur leicht beleuchteten Kammer, wo sich die Rekruten an einem Tisch den Karten widmen oder den mit Staub beschmutzten Panzern handelt, alles wirkt soweit stimmig und realistisch.
Der orchestrale Soundtrack unterstützt die Atmosphäre passend mit meist militanten Tönen.
Schade ist die lieblose Gestaltung der Story. Während sich die erste Stunde recht abwechslungsreich durch ein gelungenes Charakterdesign und immer wieder neuen Ereignissen offenbart, zieht sich die zweite Hälfte in die Länge. Nachdem die Rekruten die Anhöhe besetzt haben bleibt die Handlung stehen, und ausgerechnet im Bereich der Actionszenen tut sich "Die neunte Kompanie" sehr schwer, kopiert hin und wieder dreist von seinen Hollywood Vorbildern und bietet genau genommen nichts Neues.
Einige Passagen gegen Ende wirken überdramatisiert, wobei die tragenden Figuren sehr schnell und belanglos in der Masse verpulvert werden. Und auch das Drehbuch zeigt im Finale schwächen, wenn die plötzlichen Wechsel von einer Gruppe zur anderen zu wenig Übersicht führen.
Die Darsteller sind hierzulande unbekannt, wer aber die "Wächter-" Reihe kennt darf sich über Aleksei Chadov freuen, der den charismatischen Vampir Kostya verkörperte. Allgemein sind die Schauspieler gut gewählt, wirken aber etwas zu professionell und "erwachsen" während ihres Aufenthaltes im Trainingscamp.
Die sehr triste und bereits mehrfach durchgekaute Handlung siedelt "Die neunte Kompanie" nur im mittleren Bereich an, obwohl der Anschauungswert in der oberen Liga mitspielt. Es fehlt der eigene Anstrich dem der Kriegsfilm eine individuelle Note gibt, viel zu viel ist von großen Hollywood-Produktionen kopiert und bereits gesehen. Daran können auch die sehenswerte Kulisse und die guten Darsteller nichts ändern.
5 / 10