Review

Eastwoods vielseitiges musikalisches Interesse führt ihn in diesem Roadmovie nach Nashville, ins Mekka des Country & Western, wo er am Ende an TBC stirbt, nachdem er seine letzten Aufnahmen in einem Tonstudio irgendwie bewältigt hat. Soweit die Kurzfassung des Inhalts. Kommen wir zu der Frage, was an diesem Film sehenswert ist:
Letztlich kaum mehr als ein buntgemischtes Bildermedley, das selbst in Eastwoods Frühwerk so nicht zu sehen ist: es gibt Szenen vom harten, kargen Leben auf dem Land, das ständig von Stürmen bedroht zu sein scheint - damit beginnt der Film, und die Sequenz ist so raffiniert geschnitten, dass der Zuschauer kaum bemerkt, dass er kaum was von dem "Sturm" zu sehen bekommt - vielmehr scheint es der betrunkene Onkel Red (den Eastwood spielt) zu sein, der mit seinem Auto den größten Schaden auf dem Hof anrichtet.
Dann kommt Onkel Red wieder zu sich und die Stimmung des Films wechselt in kaum nachvollziehbarer Weise: Wir sehen Red zusammen mit seinem jungen Neffen (gespielt von Kyle Eastwood) bei einem nächtlichen Hühnerklau, dessen Sinn letztlich niemandem einleuchtet, daraufhin wird der Onkel von dem Jungen in Wildwest - Manier aus dem Knast befreit, in dem die Knackis gerade singen ("Ich wird ganz blass im Knast - so viele Jahre..."); nun beginnt die Reise nach Nashville, auf der sich einige merkwürdige Geschehnisse ereignen, weil sich in Roadmovies immer Merkwürdiges ereignen muss (Angriff eines Stiers auf den badenden Red, ein Besuch im Puff und in einer Spielhölle, ein völlig missglückter Raubüberfall, Bekanntschaft mit einem nervigen Mädchen, Polizeikontrolle auf der Straße, Stress in der Autowerkstatt usw...). Ärgerlich an all dem ist nur, dass diese Aneinanderreihung von Motiven der inneren Logik eines Roadmovies widerspricht, denn so, wie jede Reise letztlich der Inbegriff eines "roten Fadens" ist, müssen Roadmovies in ihrem Gestaltungskonzept eben diesen Faden erkennen lassen, damit ihre angestrebten Ziele - die Ankunft im gelobten Land und die allmähliche Selbstfindung des Helden - vom Zuschauer gefühlt werden können. Davon jedoch ist dieser Film leider so meilenweit entfernt wie Nashville vom Ausgangspunkt der Handlung, was sich sogar in einzelnen Szenenüberleitungen erkennen lässt: kurz nach der Sturmsequenz z.B. sieht man die ganze Familie in Onkel Reds Auto sitzen; da Red ein grauenhafter Fahrer ist, übernimmt sein junger Neffe das Steuer, und die Einführung dieses Motivs ist der einzige Zweck der ganzen Sequenz: wir erfahren nämlich nicht recht, wieso die Familie überhaupt im Auto unterwegs ist, denn nach einem harten Schnitt sitzen alle wieder zu Hause. Ein weiteres Beispiel: der Junge wird von seinem Onkel in dessen Schlafzimmer angeschnauzt und läuft beleidigt nach draußen auf die Veranda; schon kommt seine Mutter angelaufen und tröstet ihn, versucht auch noch, Onkel Reds Verhalten zu entschuldigen, aber es ist keine Einstellung zu sehen, die dem Zuschauer erklären könnte, wie sie von dem Streit überhaupt etwas mitbekommen konnte. Später auf der Reise sehen wir plötzlich Onkel Red mit der nervigen jungen Frau im Bett, die auch noch behauptet, jetzt plötzlich schwanger von ihm zu sein, aber es ist nicht zu kapieren, wie sie mit ihm überhaupt dort gelandet ist, denn vor dieser Szene hatte Onkel Red das Mädchen immer nur angegiftet.
Dann wimmelt die Geschichte von Einfällen, die einfach nur zum vermeintlich erheiternden Selbstzweck in die Story gestreut werden (siehe Beispiele oben), weil sie scheinbar nicht fehlen dürfen, aber sie leisten letztlich nichts anderes als den inneren Fluss der Geschichte zu hemmen und zum Ärger des Zuschauers zu unterbrechen - der Puffbesuch ist so ein Beispiel: nur weil es offenbar zu einem Roadmovie gehört, dass der Jüngste seine ersten Erfahrungen machen muss, wird hier der viel interessantere Handlungsstrang (wie Onkel Red an sein Geld kommt) ohne einleuchtende Notwendigkeit unterbrochen.
Fazit: Zwar finde ich selbst diesen Film als Station in Eastwoods faszinierendem Werdegang durchaus interessant, aber nur, weil ich Filme fast immer auf ihre jeweilige Art interessant finde. Weiterempfehlen kann ich ihn aber beim besten Willen nicht, nicht einmal für Countryfans, denn soo viel Musik gibt's hier auch nicht zu hören...

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