Ein guter Tag zu sterben
Schon "Nekromantik" hatte eine ganz besondere Wirkung auf mich (& tausende Andere), was "Der Todesking" nur nochmal verstärken konnte. Der Episodenfilm, der jedem Tag der Woche einen (Selbst-)Mord-Fall zuordnet, verbunden durch einen pessimistischen Kettenbrief, vielleicht vom Tod selbst geschrieben, ist dabei noch nichtmal wirklich eine Weiterentwicklung des Nekrophilie-Underground-Klassiker. Vielleicht minimal thematisch & stilistisch, aber "Der Todesking" ist wesentlich epischer, poetischer & bedrückender. Wem emotional der indirekte Vorgänger schon zugesetzt hat, bei dem tun sich hier sicher ungeahnte Abgründe auf. Selten war der deutsche Film so depressiv, selbstbestimmt & eigen - kurz: diese Zusammenkunft der lebensmüden Menschen & Gedanken, ist mit nichts Fiktionalem vergleichbar. Völlig zu recht eine kleine Kultperle! Selten wurde die Faszination des Todes, so minderbemittelt (wortwörtlich) eingefangen, so magisch untergründig transportiert.
In einer Welt voller Hass, Gewalt & Tod, wirkt diese abgründige, irgendwie faszinierende Collage, aktueller denn je. Sicherlich mit dem Höhepunkt der Episode, in der eine Amokläuferin mit selbstmontierter Schulterkamera ihre Tat & letzten Minuten filmt. Wahnsinnig intensiv & seiner Zeit erschreckend voraus. Und trotz all der Maden, der traurigen Weltanschauung & dem Käfig voller unglücklicher Versager, vermittelt dieser König des Todes eine seltsam aufbauende, fast lebensbejahende Message. Unterbewusst, sich gegen den Tod stellend, den Betrachter enorm zum Nachdenken & Reflektieren bringend. Kantig, unangenehm, unschön - und ganz sicher unvergesslich. Eine Sternstunde des deutschen Untergrund-Films, an der es immer wieder Neues zu entdecken gibt & auf die man durchaus stolz sein kann, der man wirklich hinterher trauern darf. Damals wie heute einzigartig.
Die Laiendarsteller vermitteln die pure Verzweiflung, den Selbst- & Lebenshass ihrer verlorenen Seelen erstaunlich unmittelbar, ohne großen Puffer zum Zuschauer. Eigentlich ist fast jede Episode für sich genommen eindringlich & besonders, meine weiteren Highlights (oder hier besser Lowlights) sind definitiv die atmosphärische Brücke der Selbstmörder & der VHS-Fan, der beeinflusst durch eine lustig-kranken Naziploitation-Flick seine Freundin erschließt. Ersterer ließ es mir eiskalt den Rücken hinunterlaufen, Letzterer brachte mich zum Schmunzeln, obwohl seine Metaebenen nur angedeutet werden. Psychisch kranken oder schwachen Menschen, sollte man dieses Machwerk vielleicht nicht zeigen. Sehenswert bleibt er aber für den Rest umso mehr! Die überschaubare Länge des Films verhindert aufkommende Langeweile, was eine Kunst ist, auf Grund etlicher langer, ungewöhnlicher Passagen & Kameraeinstellungen. Eine bittersüße Qual, fast wie der Tod selbst.
Fazit: morbide, abgründig, traurig, verzweifelt & angsteinflössend zutreffend auf diese (heutige) Welt - die logische Weiterentwicklung des Nekromantiker Buttgereit, vor dessen Leistung aus den 80ern - Arthouse mit Untergrund-Horror mit dunkler Poesie zu mixen - man seinen Hut ziehen muss!