Eigentlich sollte der Film im April 2006 in unseren Kinos laufen, doch man hat sich aufgrund schwacher Einspielergebnisse in den USA dazu entschlossen, ihn nur auf DVD herauszubringen.
So schwach, obgleich hochkarätige Leute wie Samuel L. Jackson und Julianne Moore mit an Board sind?
Gute Darsteller können eben auch nicht immer ein schwaches Drehbuch aufmöbeln, schon dann nicht, wenn sie selbst nicht auf der Höhe ihrer Normalleistung sind.
Die Story verspricht viel, doch hält am Ende wenig.
Richtig spannend ist nur der Einstieg, wenn die fast apathische Brenda (Moore) mit blutverschmierten Händen im Krankenhaus ankommt und anschließend vom Cop Lorenzo Council (Jackson) befragt wird. Sie gibt an, ein Schwarzer habe ihr Auto entführt, - mit ihrem vierjährigen Sohn darin.
Council kennt den besagten Tatort bestens, ein sozialer Brennpunkt, wo hauptsächlich dunkelhäutige Leute leben. Cop Danny, Brendas Bruder, veranlasst jedoch, dass das Gebiet von der Polizei abgeriegelt wird, woraufhin es zu Rassenunruhen kommt.
Doch mit der Zeit zweifelt Council am Wahrheitsgehalt Brendas Aussage.
Und mit der Zeit zweifelt der Zuschauer, einen gelungenen Entführungsthriller vor sich zu haben.
Es ist ja löblich, schwierige Themen wie Rassendiskriminierung aufzugreifen und sich ihnen zu widmen, aber dann bitte nicht so gehaltlos, konstruiert und oberflächlich wie hier.
Da bleibt kein Klischee aus, Jackson steht als „Big Daddy“ relativ hilflos zwischen den Fronten, unter den Afroamerikanern gibt es den jungen Rebellen, der sich trotz beruhigender Worte gegen die weißen Cops auflehnt und die wiederum handeln ohne jegliche Logik, - erstmal die Typen einschüchtern, anstatt das vermisste Kind zu suchen.
Überhaupt gerät die Geschichte teilweise vollkommen aus dem Focus, es werden unnötige Sub-Plots eingestreut, wie die Beziehung zwischen Jackson und seinem Sohn, der hinter Gittern sitzt, insgesamt aber nur zweimal kurz zu sehen ist.
Dazu eine Farbige, die Angst hat, von ihrem Mann geschlagen zu werden. Das wird ein, zwei Mal erwähnt, gerät später aber völlig in Vergessenheit.
Dabei ist ein Mitfiebern zunächst gegeben. Moore spielt die verzweifelte Mutter ausgezeichnet, wenn auch stellenweise mit etwas zu heftigem Wehklagen. Jackson spielt cool, zeigt aber auch menschliche Schwächen, wirkt jedoch passagenweise etwas gelangweilt und zu wenig gefordert.
Dennoch sieht man den beiden gerne zu und letztlich will man ja auch wissen, wo sich Brendas Kind aufhält, wer es entführt oder gar getötet hat.
Später kommt noch die Aktivistin Karen (Edie Falco, spielt auch überzeugend) hinzu, deren eigenes Kind vor Jahren spurlos verschwand und der Suche einen sozialpsychologischen Touch verleiht.
Aber so richtig in die Tiefe geht der Stoff nicht, er kratzt an der Oberfläche, wechselt unentschlossen zwischen Rassismusdrama und Entführungsfall und kommt nie so recht zur Sache.
Jedoch, die Suche nach dem verschwundenen Kind ist bereits nach etwa einer Stunde Laufzeit erledigt und von da an geht es rapide bergab.
Nach der Auflösung, die den Zuschauer nicht allzu sehr fordert, verkommt der Streifen zu Belanglosigkeit, aufgedrücktem Kitsch und Dialoglast.
Da noch weiter nachzubohren, bringt leicht unglaubwürdige Erkenntnisse, das Gesicht der Wahrheit ist in der letzten halben Stunde nur noch bleich und ausdruckslos.
Anstatt sich mit tiefenpsychologischen Motiven der Betroffenen auseinanderzusetzen, wird gekitscht, ausgerastet und Rassenhass geschürt, ohne dabei plausible Erklärungen oder Hintergründe zu liefern.
Zudem wirken nicht nur viele Nebenhandlungsstränge deplaziert, sondern einige Szenen bremsen ständig das Geschehen aus, etwa wenn Brenda im Kindergarten von ihren farbigen Schützlingen empfangen wird, oder die Suche im originaltitelgebenden „Freedomland“, einer Ruine, die früher mal ein Waisenhaus war.
Es entstehen unnötige Längen, die weder durch die markanten Darsteller, noch durch die teilweise deplaziert wirkende Musik von James Newton Howard kaschiert werden können.
In diesem Zusammenhang fällt besonders negativ die Szene auf, in der freiwillige Helfer im Wald nach dem vermissten Kind suchen und die Melodie so hoffnungsvoll klingt, als würden alle auf einem Maisfeld stehen und eine Superernte einfahren.
Unpassend, wie vieles in diesem Film.
Wenn man statt Jackson und Moore unbekannte Gesichter eingesetzt hätte, wäre es eine noch größere Enttäuschung, - so hat man wenigstens zwei Sympathiefiguren, die einem nicht egal sind.
Aber trotz handwerklich solider Inszenierung mangelt es der Geschichte an Entschlossenheit und Konsequenz. Während der Beginn anspricht, der Mittelteil bereits einige Längen aufweist, ist nach der frühen und schwachen Auflösung nur noch Gefühlsduselei ohne Inhalt angesagt.
Schade, die hochkarätigen Darsteller und der Umriss der Story versprachen weitaus mehr.
4 von 10