1824: Ludwig van Beethoven, gespielt von Ed Harris, ist ein kränkelnder alter Mann, der isoliert lebt. Da die pünktliche Fertigstellung seiner neunten Symphonie zu einem immer ernsteren Problem wird, stellt sein Verleger eine junge Musik-Studentin, gespielt von Diane Kruger, ein, die den Exzentriker nun bei seiner Arbeit unterstützen soll.
Immerhin ist "Klang der Stille" keine zähe, langatmige Biografie eines genialen Musikers geworden, der, auch aufgrund seiner Taubheit, zum Ende seines Lebens hin immer exzentrischer sowie überheblicher wurde und irgendwo zwischen Wahnsinn, Hybris und Genie schwankte. Stattdessen konzentriert sich Regisseurin Agnieszka Holland, die seit drei Dekaden im Gewerbe tätig ist, lediglich auf die letzten Jahre im Leben des Komponisten.
Das Portrait der Komponisten-Legende ist vor allem deshalb recht unterhaltsam und interessant geworden, weil die Charakterstudie Beethovens durchaus gelungen ist. Er wird als schwieriger Charakter gezeigt, der auch deshalb isoliert lebt, weil seine Stimmungsumschwünge, seine Arroganz und sein Zynismus mittlerweile alle Grenzen sprengen. Aber er ist auch ein Genie und in seinem tiefsten Innern ein Menschenfreund, eigentlich gar nicht mal so unsympathisch, trotz seines Narzismusses. Außerdem stellt Ed Harris den Charakter hervorragend dar, strahlt eine enorme Präsenz aus, auch wenn er in der Rolle kaum zu erkennen ist, und wird allen Facetten der Figur durchaus gerecht, egal, ob er gerade auf Knien um Verzeihung fleht, oder sich selbst zu einer Gottheit emporhebt.
Dabei kommt auch die Musik des Komponisten nicht zu kurz, besonders gut ist die Aufführung der neunten Symphonie gelungen, die Holland geschickt steigert und schließlich im Einsatz des Chores gipfeln lässt. Ansonsten ist der Film sicherlich nicht so opulent inszeniert, wie er es gern wäre, ist aber sicherlich solide in Szene gesetzt und darüber hinaus auch erzählerisch, verzeiht man denn ein paar kleinere Längen, ganz gut gelungen.
Hinderlich ist letztlich die von Diane Kruger verkörperte Nebenfigur. Holland konfrontiert die junge, angehende Komponistin, die Beethovens Meinung zu ihrer ersten größeren Arbeit hören will, in behüteten Verhältnissen aufgewachsen ist und passenderweise im Kloster lebt mit dem aufbrausenden Narzissten. Und auch wenn die Figur unnötigerweise noch einen Nebenschauplatz um den Feminismus Anfang des 19. Jahrhunderts eröffnet, hätte sie vermutlich den Nährboden für eine spannende Konfrontation, vielleicht ein Kammerspiel, geboten, doch hier scheitert Holland leider. Zum einen ist die Studentin etwas unglaubwürdig, mitunter auch klischeehaft konstruiert und dann ist da auch noch Diane Kruger, die neben Harris schlicht und einfach untergeht. Zwar zeigt sie die vielleicht beste Darstellung ihrer Karriere, aber richtig glaubhaft und lebendig wird ihre Figur letztlich nicht und erscheint damit durchweg überflüssig.
Fazit:
Die Charakterstudie Beethovens ist durchaus gelungen, was letztlich auch Ed Harris zu verdanken ist, während zumindest eine enorm opulente Inszenierung der neunten Symphonie vorhanden ist, die den Höhepunkt des Films darstellt. Allerdings hätte sich Holland die von Diane Kruger verkörperte Nebenfigur sparen können, da sie fehl am Platz wirkt und weder glaubwürdig konstruiert, noch gespielt ist. Es gelingt eben nicht jedem ein "Amadeus".
58%