Erinnert ihr euch noch? Es war 1995, als sich ein kleines, bis dato recht unbekanntes, Filmstudio mit einem Riesen der Familienunterhaltung zusammenschloss und seinen ersten abendfüllenden Film herausbrachte, der gleich einschlug wie eine Bombe. Warum? Nun weil dieser Streifen von Anfang bis Ende computeranimiert war und es so etwas davor noch nicht gebeben hat, zumindest nicht in Spielfilmlänge. Die Rede ist natürlich von Pixar und seinem "Toy Story", vertrieben von Disney dem Familienunterhaltungsprofi Nr. 1. Einige weitere große Pixar-Streifen sollten noch unter Disney-Vertrieb folgen, bis man sich bei Disney, unter der Leitung des dillethantischen Chef-Idioten Michael Eisner, dazu entschloss den Vertrag mit Pixar zu kündigen und selber nur noch Computeranimiertes in die Kinos zu bringen. Ein doppelter Schlag in das Gesicht eines jeden Disney/Pixar-Freaks. Nun gut, mittlerweile ist Eisner von den Disney-Aktionären zum Teufel gejagt worden und mit Pixar gibt es schon wieder Verhandlungs-Gespräche. Doch Disney-eigene Animationsfilme werden wohl dennoch den Vorrang haben. Hier haben wir nun, nach "Dinosaurier", den zweiten reinen Disney-Animationsstreifen: "Chicken Little". Ein typischer Disney-Streifen, der aber nicht ganz an die großen Brüder heranzukommen vermag.
"Himmel und Huhn" ist eigentlich ein durch und durch typischer Disney-Streifen geworden, so wie ihn Kinder lieben und Disney-Fans mögen werden. Die Geschichte ist dabei auf vollkommenen typischen Disney-Niveau und erzählt die Geschichte des kleinen Hühnchens "Hühnchen Junior", das einmal großes leisten will. Doch nachdem es der ganzen Welt erzählt hat, es wäre ihm ein Stück des Himmels auf den Kopf gefallen, ist das Gespött groß. Doch seine Chance, der Bevölkerung doch noch zu beweisen was in ihm steckt, soll kommen, als tatsächlich etwas vom Himmel fällt und Aliens damit drohen, die Welt zu zerstören. Nun ist die Zeit für den (kleinen) Helden gekommen. Ja, das ist typisch Disney. Wie in fast allen Geschichten aus dem großen Studio, geht es auch hier um niedliche Figuren, die in eine große Sache hineingezogen werden. Dabei achtet man peinlich genau darauf, von vorne bis hinten familienfreundliche Unterhaltung zu bieten, allerdings gewürzt mit jeder Menge Action und knackigen Jokes, die vor allem auf ein junges Publikum zielen. Kurzum, genau das Richtige für Kids von 6-10 Jahren und natürlich für alle Disney-Freaks.
Dabei sind es vor allem wieder einmal die Charaktere, die die Musik angeben. Hühnchen Junior wächst dem Publikum nämlich schon nach nur wenigen Sekunden ans Herz. Der kleine sympathische Anti-Held, mit viel zu großem Kopf, hat alles was identifizierbare Figuren in einem Kinderfilm so brauchen. Er ist nett, clever, gewitzt und mit allerlei Tatendrang ausgerüstet. Man kann über ihn lachen, mit ihm mitfiebern und auch mitfühlen, wenn er seinem großen Ziel wieder ein Stück näher gekommen ist. Dazu seine wunderbar schrägen Freunde, bestehend aus dem dicken, Schlagerverliebten Schwein ED und dem (extrem) hässlichen Entlein Susie. Und natürlich auch einige Bösewichter, hier in Form der Füchsin Elfie und einigen gar abscheulichen Aliens. Alle Figuren sind mit Liebe zum Detail erstellt worden und machen auf ihre ganz eigene Art und Weise Spaß.
Dabi wurde "Chicken Little" eigentlich in zwei eigentlich recht unterschiedliche Teile zerlegt. Im kürzeren ersten Part der Geschichte erfahren wir von Chicken Littles Versuchen ein Held zu werden und wie es zu dem großen Skandal um ihn kommen konnte. Die Figureneinführung klappt gut und die Überspitzung des ganz alltäglichen Schul-Alltages wird gekonnt durchgeführt. Erste Heldenerlebnisse erfährt das Hühnchen dann bei einem Baseball-Game, bei dem sich die Zuschauer nur so biegen dürften, vor lachen. Bis hierhin dürfte allerdings so Manchem die Unterhaltung fast schon etwas zu seicht sein.
Doch nach gut 30 Minuten kommt Action auf und aus "Chicken Little" wird eine rasante Mischung aus Action, Comedy und Scince-Fiction. Aliens besuchen die Welt von Hühnchen Junior und richten rege Verwüstungen an. Junior, Susie und Ed müssen nun schnellstmöglich herausfinden was der Grund dafür ist, bevor es zu spät ist. Während sich manch ein Zuschauer bis jetzt vielleicht noch etwas gelangweilt haben dürfte, müsste nun auch der Letzte auf den "Chicken Little"-Zug aufgesprungen sein und mit dem Huhn mitfiebern. An so manch einer Stelle fühlt man sich sogar leicht an Pixars "The Incredibles" erinnert, wenn das Hühnchen plötzlich in einem riesigen Raumschiff gefangen ist und die Welt in Schutt und Asche gelegt wird. Das dabei am Ende zwar nicht wirklich etwas Schlimmes passiert dürfte klar sein. (Es ist schließlich ein Disney!) Mitunter recht spannend und knackig unterhaltsam ist das Ganze aber dennoch.
Und auch der Spaß kommt nicht zu kurz, auch wenn hier drin vielleicht der einzig große Kritikpunkt am Hühner-Spaß zu finden ist. Denn auf anarchistische Gags alla "Shrek" oder einen Dauerbeschuss in Sachen Lachsalven wie z. Bsp. "Die Monster AG", darf man hier leider nicht ganz hoffen. Die Gag-Rate ist zwar immer noch auf akzeptablen Niveau, doch ein paar Lacher mehr hätten nicht geschadet. Zudem bleibt alles auf Familienniveau und die Gags sind eigentlich kaum, ja eigentlich niemals, anarchistisch. Zwar gibt es während der zweiten Filmhälfte schon einige etwas deftigere Jokes, so versuchen z. Bsp. einige, die sich vor der drohenden Invasion schützen möchten, von einer Parkbank(!) in den Tod zu springen, doch im Großen und Ganzen gibt es wirklich kaum etwas, bei dem man seinen Kindern eventuell die Ohren zu halten sollte. Und das mag so manchen sicher doch etwas missfallen.
Dafür entschädigen kann allerdings die Technik des ganzen Spektakels, die wirklich vollkommen gelungen ist. Angefangen bei den Animationen, die absolut prächtig geraten sind. Wie schon bei "Dinosaurier", so sind die Animationen auch hier ein absolutes Glanzstücks des Films geworden. Prachtvoll, farbenfroh und Detailverliebt bis in den letzten Pixel, kann man die Technik einfach nur bewundern. Wüsste man es nicht besser könnte man fast meinen, dass auch "Chicken Little" aus den Pixar-Studios gekommen sein müsste. Jedenfalls beweisen die Disney-Leute hier, dass auch sie es verstehen grandiose Animationen zu schaffen, die unglaublichen Spaß am Zuschauen erwecken.
Dazu eine Sounduntermahlung par excellence! Egal ob es die vielen tollen Soundeffekte sind, die aus allen Ecken des Kinos das Ohr verwöhnen, oder die wunderbare Musikauswahl. Genauso wie auf visueller Basis, so schafft es der Film auch auf akustischem Wege, seine Zuschauer zu überzeugen.
Und das liegt nicht zuletzt auch an der großartigen Synchronisation, die wieder einmal beweist, dass Filme auch im Deutschen durchaus Spaß machen können. Da haben wir "Echt"-Sänger Kim Frank, der zwar alles andere als Singen kann, aber dafür dem Hühnchen, auf wirklich wunderbare Art und Weise, das Leben einhaucht. Dazu TV-Dummchen Verona Pooth als Susie, die ebenfalls überzeugen mag. Des weiteren auch Incredibles-Star Markus Maria Profitlich als Hühnchen-Vater und einige bekannte Stimmen mehr. Allesamt legen sie wirklich eine wunderbare Synchronisationsarbeit ab, die einmal mehr beweist, dass es die Disney-Synchronstudios einfach drauf haben, Filme perfekt ins Deutsche zu übersetzen. Und so muss das schließlich auch sein!
Fazit: Gekonnte Familienunterhaltung aus dem Hause Disney, die einmal mehr beweist, dass das Studio noch lange nicht am Ende ist und auch ohne Pixar gute Animationsfilme produzieren kann. "Chicken Little" ist ein absolut unterhaltsames Filmerlebnis geworden, das sowohl mit seiner Story, als auch den wunderbaren Charakteren eindeutig punkten kann und auch in Sachen Animation genauso viel kann, wie ihr (früheres?) Steckenpferd Pixar. Auch wenn es unterm Strich nur für Kinder und Disney-Freaks zum richtigen Jubel reicht und die Witzdichte nicht wirklich an die großen Filme wie "Monster AG" (in der Witze-Menge) oder "Shrek" (in Sachen Anarchie) heranzukommen vermag, so kann sich dennoch jeder Freund von guter Familienunterhaltung mal an dieses Hühnchen wagen. Wer typische Disney-Unterhaltung erwartet und dabei nicht auf den ganz großen Wurf hofft, der wird sicher nicht enttäuscht werden!
Wertung: 7/10 Punkte