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Das Erste, an was man sich bei „Die Rotkäppchen-Verschwörung“ gewöhnen muß, ist der ungewöhnliche Animationsstil, der jeden Pixar-Süchtigen vor Verzweiflung die nächste Palme hochtreiben muß.
Vergröberte Figuren, wenig Wirklichkeitstreue, leicht statische Bewegungen – einfach nicht der perfekte Realismus, den man von Nemo, Shrek und Co gewöhnt ist.
Aber Disney war auch nicht gleich Bakshi und schon gar nicht Ghibli und letztendlich ist Animation zum Unterhalten da – und abgehackte Animation ist noch lange keine Bankrotterklärung.

Denn moralinsaure Süppchen werden bei „Hoodwinked“ nicht gereicht, sondern die an den Klassiker „Rashomon“ gemahnende Story dient einzig und allein als Referenzkörbchen für Filmfans und Anhänger schrägen Humors, die auch mal was anderes sehen möchten, als nur die perfekte gewohnte Kost.

Hier wird denn nun endlich enthüllt, was wirklich geschah, als Großmutter, Wolf, Holzfäller und Rotkäppchen in der guten Stube zusammentrafen und alles ist ein bisschen (ganz) anders, als es auf den ersten Blick scheint. Der Wolf ist ein Sensationsreporter, Oma eine Extremsportlerin, der Holzfäller ein tumber Möchtegernschauspieler und hinter der ganzen Verschwörung steckt ein knuddeliges Pelztier, mit nur die rechnen, die mitrechnen.

Natürlich: genauso wenig perfekt, wie die Animation wirkt, ist auch die Story, denn zumindest gewisse Teile der Handlung können nicht beständig überzeugen. Die Holzfällerepisode ist kaum dazu angetan, befreit aufzulachen, aber dafür ist sie auch die Kürzeste. Und Omis Homestory entpuppt sich als vielgesehene Hommage an „Triple X“ und „Matrix“ – aber dafür holen die Nebenfiguren der anderen Episoden einiges wieder raus.

Das hyperaktive Foto-Eichhörnchen etwa, dem man unterstellen möchte, bei Hammy aus „Ab durch die Hecke“ geklaut zu sein, bis man feststellt, dass „Hoodwinked“ in den USA wesentlich früher im Kino war.
Ein wahres Fest jedoch der Bergziegenbock Japeth, der sich nur singend und jodelnd verständlich machen kann und bei dessen Auftritten man sich zwischen lachen und Luftholen entscheiden muß, was die Sache atemberaubend macht.

Dabei sei auch die deutsche Synchronisation erwähnt, die mehr als ungewöhnlich ist. Sänger Jan Delay bietet z.B. bei Japeth eine Tour de Force, die das gesamte Eintrittsgeld wert ist, während man Max Raabes Casting als detektivischer Frosch nur als eleganten Geniestreich bezeichnen kann. Hans-Werner Olm liefert als Omi auch solide Leistungen ab, während Smudo (als Hase) und Sarah Kuttner (als Rotkäppchen) sich leider unter Wert verkaufen.

Überflüssig sicherlich die zwei, drei Lieder, die im Kontext nicht gerade tempofördernd wirken und auch so manche Dialogszene hätte ein wenig pfiffiger ausfallen könne, insgesamt bürgt der Film aber für zwanglose 90 Minuten frisches Ablachen ohne Reue.
Langeweile bleibt jedenfalls draußen: 7,5/10.

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