"The Uninvited" ist momentan noch einer der alten "Meister", auf deren offizielle Veröffentlichung abseits findiger Satellitensender im Ausland die meisten Gruselfreunde hoffen, wobei den Film zumeist gar nicht so viele Horrorfans überhaupt kennen, da die letzten Ausstrahlungen im deutschen TV auch schon ein paar Jahrzehnte her sind.
Da Lücken aber nun mal manchmal mit Gewalt gefüllt werden müssen, muß mal das Häppchenportal herhalten, um sich einen Eindruck zu gewinnen, was so viele Leute damals mit wohligem Grusel erfüllt hat, daß sie sich noch heute gern daran zurückerinnern.
Als ausgemachter Geisterfilmfan war Widerstand zwecklos, um so größer dann die Ernüchterung, als sich der komplette Film dann dem geneigten Auge präsentiert hatte: zwar ein patent umgesetztes, aber schrecklich unspektakuläres Drama mit sporadischen Gruselelementen - und was noch schlimmer ist, streckenweise als leichte Komödie angesetzt.
Im Kern steht, wie bei so vielen Geistergeschichten, ein Haus an einer Steilküste Englands, wo es eines zusammen lebenden Geschwisterpaar auffällt. Die Vorgeschichte dieses "haunted house", in dessen Räumen es seufzt und klagt, nach Mimosen duftet und in dem nebelhafte Erscheinungen die neuen Besitzer bald verstören, ist das Zentrum der Aufklärungsarbeit. Dreh- und Angelpunkt dabei ist die Enkelin des bisherigen Besitzers, die nicht eben erfreut ist, daß sich das Paar im Haus ihrer Eltern breitmacht und die fürderhin die Nähe der neuen Nachbarn sucht.
Natürlich gibt es dabei ein Geheimnis, rund um die Mutter, eine Zigeunerin, Ehebruch und eine nicht ganz koschere Krankenschwester, die inzwischen in der Nähe Klinikleiterin ist. Was jedoch Zutaten für ein spannendes und ggf. bedrückendes Drama wären, wurde hier so bedächtig angeordnet, daß man fast die Hälfte des Films denkt, in eine leichte Gruselkomödie geraten zu sein, wenn sich der stets lustig-lockere Schreiberling Ray Milland in die wesentlich jüngere Gail Russell verguckt.
Mit effektiven Spukeffekten wird deutlich gespart, das gequälte körperlose Greinen wirkt heute kaum mehr mäßig und eine echte Geistererscheinung wird erst gegen Ende mal präsentiert. Stattdessen herrschen viele Dialoge, melodramatische Familienszenen und leichtes Füllmaterial vor.
Auch die übliche Vorgehensweise, im Studio zu drehen (was im Krieg die einzige Möglichkeit für eine kleine Produktion war) und das Meiste der Sets mit deutlich erkennbaren Rückprojektionen zu erledigen, fördert nicht gerade die Atmosphäre, die für die Wirksamkeit nötig gewesen wäre.
Zwei Drittel sind bereits rum, als es endlich zu einer Seance kommt, die andeutet, daß der zugrunde liegende Familienplot nicht ganz so simpel ist, wie es den Anschein hat, aber da es nie zu einer echten Bedrohung oder Beklemmung bei den Geistererscheinungen kommt, bleiben nur die kerzenbeschienenen Wanderungen durch das Studiohaus in Erinnerung.
Praktisch erst auf die letzten 10 Minuten kippt der Plot in einer nicht eben überzeugend präsentierte Erklärung, was wirklich in diesem Haus, bzw. in der Familie Meredith geschah und lediglich eine (für die Zeit) latent lesbische Tönung der Figuren, sorgt beim interessierten Zuschauer für ein leichtes Aha-Erlebnis. Daß auch die Auflösung oder Lösung des Spuks dann deutlich unspektakulär ausfallen, hinterläßt ein Gefühl der Beliebigkeit, das man zu Zeiten der Grimmigkeit des "film noir" so nicht unbedingt erwarten durfte, angesichts des guten Rufs schon gar nicht.
Als spukhaftes Melodrama ist der "unheimliche Gast" zwar durchaus zu genießen, aber es ist mehr als vorstellbar, daß nur die Radiofassung des Geschehens wirkliche Gruselgefühle hervorrufen könnte. Ansonsten muß man wirklich sehr leicht zu beeindrucken sein, um die Spukerscheinungen als mitreißend zu bezeichnen, wenn auch technisch sauber umgesetzt.
Wem eine paranormale Familientragödie mit starker Dialogausprägung also genügt, der darf sich hier keimfrei ein wenig gruseln, im Wesentlichen ist die dramatische Gewichtung aber sehr unausgewogen und viele Möglichkeiten des Unheimlichen bleiben doch eher ungenutzt liegen. Da wurde schon 10 Jahre zuvor deutlich erinnerungswerterer Stoff produziert und nur die hollywoodeske Spielfreude macht die nostalgische Langlebigkeit aus. (6/10)