Bei seinen Forschungen nach der Ursache und dem Ort der Furcht entdeckt der Arzt Dr. Chapin eines Tages etwas Unglaubliches, nämlich eine Kreatur, die den obduzierten Menschen auf seinem Seziertisch an der Wirbelsäule haftet. Es gehört nicht viel dazu, dieses viel zu große, nach einem überdimensionierten Tausendfüßer aussehende Wesen als völlig abstrus zu empfinden, gleiches gilt für die Umsetzung von William Castle, der als Produzent und Regisseur in Erscheinung tritt. Bekannt geworden unter anderem durch seine Gimmicks, die er in einigen Filmen einbaute, präsentiert er zu Anfang eine Ansprache, die den Zuschauer zu lautem Schreien bei den kommenden furchtbaren Szenen auffordert, das einzige Mittel übrigens, womit man den Tingler, wie das Scheusal heißt, bekämpfen kann. An selbstreflexiven Ideen fehlt es diesem Streifen gewiss nicht, u.a. hatte der ideenreiche B-Filmer damals einige Kinosessel für die Vorführungen verdrahten lassen, um im richtigen Moment dem Schockerlebnis per Strom etwas nachzuhelfen, passend dazu präsentiert sich das Finale eben in einem Kino. Das zeugt schon von dem schelmischen Humor, besonders des schwarzen, der den Film durchzieht, die beiläufige Behandlung der Leichen etwa ist selbst für einen Vincent Price in der Hauptrolle bemerkenswert pietätlos und beiläufig. Amüsant ist das allemal, wie der bei einem Selbstversuch mit LSD25, um die eigene Furcht zu verstärken, umhertaumelt und etwas von den Wänden des Raumes faselt wie ein bekiffter kleiner Junge, spannend hingegen weniger. Wer hinter die Fassade blickt, bekommt mit "Schrei, Wenn Der Tingler Kommt" einen etwas schrägen, außergewöhnlichen Film geboten, der darauf abzielt, das Publikum solcher Horrorfilme mit der eigenen Furcht zu konfrontieren. Dies geschieht kaum über die miesen, für die 50er Jahre typischen Monstereffekte, doch durch so manchen doppelbödigen Kniff des oberflächlich betrachtet arg dusseligen Plots. Die Kombination von Drehbuchautor Robb White, William Castle und Vincent Price sollte im gleichen Jahr noch den ähnlich trickreichen, doch aus heutiger Sicht unterhaltsameren, weil spannenderen "Das Haus Auf Dem Hügel" abdrehen, gegen den "Der Tingler" doch um einiges gemächlicher vor sich her plätschert. Schockerlebnis ist das weniger, dafür aber absurdes Low-Budget-Kino mit dem entsprechenden Augenzwinkern.
Fazit: Für fortgeschrittene Fans von Castle und Price ein kleines, fast vergessenes Schmankerl. 5/10 Punkten