Review

Nervenkitzel wortwörtlich genommen


„The Tingler“ ist DER William Castle-Gimmick-Flick überhaupt. Denn es geht um ein insektenartiges Wesen, das in jedem von uns steckt und das sich nur paralysieren/bekämpfen lässt, wenn man schreit. Umso lauter desto besser. Und passend dazu gab es damals im Kino eine Erfindung namens „Percepto“, die der Legende nach einigen Zuschauern in besonders gruseligen, schockierenden Momenten einen leichten Stromstoß (!) verpasst hat, der zu regelrechten Schrei- und Kreischattacken geführt hat. Und natürlich enorm viel Spaß und Gruppendynamik, erst recht unterstützt durch einige Metamomente, die für damalige Verhältnisses (und eigentlich auch noch heutige) absolut revolutionär waren. Zwar auch nur Spielereien und Tricks, aber immerhin welche, die den „Tingler“ unter Horrorfans bekannt, fast unsterblich gemacht haben... 

Im Grunde kennen diesen „Schocker“ die Leute nur auf Grund dieser genialen Marketingidee bzw. fast kann man es Marketinggag nennen, der selbst in den darauffolgenden Jahrzehnten nicht mehr nachgemacht werden konnte, komischerweise nichtmal mehr versucht wurde. Deswegen ist „Schrei, wenn der Tingler kommt“ noch immer ein Unikum mit Seltenheitswert, das Castles Masche und Genialität wohl besser abbildet als jedes andere seiner Werke. Nur was kann die Mischung aus Meta- und Body Horror ohne diese leinwandsprengenden Idee? Immerhin haben wir nun daheim nicht mehr diese wortwörtlich schockierenden Sitze und wir fangen auch nicht mehr unbändig an zu schreien. Und da muss man sagen, dass „The Tingler“ für sich genommen nicht mehr allzu viel auf der Habenseite hat. Ein wie fast immer toll aufgelegter Vincent Price wäre da zu nennen, eine feine Sequenz mit roten Farbtupfern ebenso und das „Tingler“-Monster an sich hat was, sicher auch etwas Einfluss auf Cronenberg und die Zukunft des Genres gehabt. Außerdem werden Aussagen zum Gefühlszustand „Angst“ getroffen, die zum Denken und Diskutieren einladen. Doch im Endeffekt bleibt das für mich ein lustiges Experiment, bei dem mir einmal sehen und schmunzeln locker reicht. Echte Spannung Fehlanzeige. Und wenn man mit ähnlichen Filmen wie „Les Diaboliques“ oder „Psycho“, dann sieht Castles Geschäftsgimmick noch weniger Sonne. 

Fazit: auch ohne das Kino-Gimmick ein besondererer kleiner Gruselschmankerl über die Angst selbst? Naja... Seiner Zeit durch den enormen Meta-Aspekt mehr als nur voraus. Zwar ein One-Trick-Pony - aber was für eins! Heute eher süß und interessant, nicht wirklich toll. Vor allem fehlt es den Figuren und der Geschichte massiv an Qualität, Drive, Inhalt. 

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