Review

„Puppet on a Chain“ ist eine der vier MacLean-Verfilmungen, zu denen der gute Alistair selbst das Drehbuch schrieb, Geoffrey Reeve verfilmte später noch „Caravan to Vaccares“ und „Way to Dusty Death“, Second Unit Regisseur und Co-Autor Don Sharp „Bear Island“.
Es geht ausnahmsweise mal nicht um Spionage, sondern um simplen Drogenschmuggel, dessen Herz Amsterdam ist. Hierhin reist der Interpol-Agent Paul Sherman (Sven-Bertil Taube), nachdem ein Killer mit hässlichem Prollobart drei Leute erschossen hat – ebenfalls wohl Agenten, wie später mal in einem halben Nebensatz erwähnt wird. Vor Ort knallt man direkt noch seinen (vorher ebenfalls unerwähnten) Kontaktmann über den Haufen, alles unvermittelt, aber Hauptsache ein paar Morde für einen reißerischen Auftakt.
Die einheimische Polizei ist irgendwo zwischen unfähig und unwillig einzuordnen, wenn es um die Bekämpfung der Drogenhändler geht, aber weil das exportierte Heroin so große Schäden in den großen US of A anrichtet, sieht sich Paul natürlich gezwungen einzuschreiten (soll Europa ruhig im Morast versinken).

Zusammen mit einer verdeckt ermittelnden Kollegin, von der die einheimische Polizei nichts weiß, folgt Paul den Spuren der Verbrecher, die ihn auf die Fährte eines Transportunternehmens bringen…
Kaum zu glauben, dass Alistair MacLean hier der Hauptverantwortliche in Sachen Drehbuch gewesen sein soll, denn die Vorlage sollte er ja eigentlich ganz gut kennen und damit auch die Zusammenhänge der Geschichte. Aber vielleicht war ja auch der Roman schon so konfus wie sein filmische Äquivalent, in dem sich die beiden Agenten wichtige Fahndungsergebnisse nicht mitteilen, die Fieslinge durch ihr dümmliches Verhalten andauernd Informationen preisgeben und Plotholes an der Tagesordnung sind. Nicht zu vergessen das aus Bondfilmen bekannte Klischee, dass der Verbrecherchef den Helden lieber langsam zu Tode foltern will anstatt ihn direkt zu erschießen, ihm vorher Teile seines Plans verrät und dann noch abhaut, bevor der gute Mann tot ist, damit dieser sich noch rechtzeitig befreien kann.
Leider macht „Puppet on a Chain“ dann selbst bei ausgeschalteter Denke wenig Spaß, denn wenn das Hirn schon nicht bedient wird, dann sollte wenigstens genug fürs Auge da sein. Doch leider konzentriert sich der Film auf die nicht unbedingt logisch aufgebauten Ermittlungen des mehr oder minder dynamischen Duos und überzeugt über weite Strecken dann eher durch die Schauplatzwahl, da Amsterdam ein noch unverbrauchtes filmisches Pflaster darstellt und eine Abwechslung zu den amerikanischen, französischen oder italienischen Großstädten darstellt, die man sonst aus derartigen Reißern gewohnt ist.

Im Gegensatz zu dem katastrophalen „Caravan to Vaccares“, den Geoffrey Reeve anschließend verbrach, nimmt „Puppet on a Chain“ dann gegen Ende noch vernünftig Fahrt auf – was aber nicht an Reeve, sondern an Don Sharp liegt, der verantwortlich für die furiose Bootverfolgungsjagd ist, die auch Dick Maas’ „Verfluchtes Amsterdam“ inspiriert haben dürfte. Unschön sind zwar die im Hintergrund deutlich sichtbaren Schaulustigen (vom Absperren des Drehortes hielt man wohl nicht viel), doch die Stunts und die Fahrmanöver sind richtig, richtig feine Action. Ansonsten hat der Film in der Hinsicht nicht soviel zu vermelden, ein paar halbgare Prügeleien und kurze, unspektakuläre Schusswechsel locken niemanden hinter dem Ofen vor.
Sven-Bertil Taube als tougher Typ erweist sich als okaye Besetzung für die Hauptrolle – zu einer Ikone fehlt ihm einiges, doch es nicht so, als würde man ihm die Rolle nicht abkaufen. Ebenso solide wie unscheinbar ist der Supportcast, allenfalls Vladek Sheybal als zwielichtiger Priester kann noch ein paar Akzente setzen.

Geoffrey Reeve ist alles andere als ein talentierter Regisseur, das immerhin von MacLean selbst geschriebene Drehbuch ist auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, sodass es vor allem die Second Unit Arbeit Don Sharps ist, die den Film noch in den unteren Durchschnittsbereich rettet. Die von ihm gefilmte Bootjagd ist nämlich erste Sahne – was man vom Rest des Films nicht behaupten kann.

Details
Ähnliche Filme