Der jüdische Restaurantbesitzer Laszlo Szabo (Joachim Krol) ist seit vier Jahren glücklich mit seiner Ilona Varnai (Erika Marozsan) - eine schöne wie ebenso kluge Frau. Nicht nur Glück in der Liebe ist ihm zuteil, auch sein Restaurant, allem voran sein berühmtes Kesselfleisch, läuft von Tag zu Tag besser. Als der Pianist Andras Aradi (Stefano Dionisi) sich dazugesellt und Abend für Abend mit seinem "Lied vom traurigen Sonntag" mehr und mehr Gäste anlockt, scheint das Glück vollkommen - bis Laszlo feststellen muß, daß Erfolg im Beruf den Erfolg in der Liebe schwinden lässt: Ilona und Andras beginnen eine Affäre, Laszlo ist gezwungen Ilona zu teilen: "Eine geteilte Ilona ist mir immer noch lieber als keine Ilona."
Der grandiose Film ist ein Aushängeschild des großen Deutschen Films. Er vereint eine ebenso rührende wie melancholische Geschichte mit grandiosen Schauspielern, untermalt von hinreissender Filmmusik. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit: Tatsächlich komponierte Reszö Seress im Budapest der 30er Jahre das berühmte "Lied vom traurigen Sonntag" in einem Restaurant. Aus diesem Stoff verfilmte Rolf Schübel eine wunderbar ans Herz gehende Geschichte zwischen Liebe, Verlust derselben und Kriegsangst. Die Zeit scheint wie geschaffen für diesen Film, es ist die Zeit als Ungarn Hitler zuliebe aus dem Völkerbund austritt und die Deportation der Juden auch in Ungarn beginnt.
Die ungewöhnliche Dreiecksbeziehung spitzt sich allerdings zu, erst recht als Hans Wieck, ein Deutscher (Ben Becker) sich einmischt und ebenfalls um die Liebe Ilonas buhlt, aber barsch zurückgewiesen wird. Drei Männer sind auch Ilona zuviel, so will sich Hans aus Gram in die Donau stürzen, doch Laszlo rettet ihn. Die aufkeimende Freundschaft ist Laslo eine Weile zuträglich, denn Hans taucht später als Reichsstandartenführer wieder auf und nur seinem Protektorat ist es zu verdanken, daß Laszlo nicht das gleiche Schicksal wie all die anderen Juden erleidet.
Doch "Gloomy Sunday" handelt nicht nur von der Liebe und vom Krieg, auch Zukunftsträume und Ängste spielen eine starke Rolle und prägen den Verlauf. So ist Laszlos größter Wunsch, daß der Mensch frei ist und selbstbestimmt, auch in der Liebe - welch geradezu prädestiniertes Bild für die Zeit der Judenverfolgung und damit seiner eigenen Zukunftsangst. Ilona träumt von einer Karriere als Sängerin, Andras als Komponist - und Hans Wieck träumt von seiner großen Zeit nach dem Krieg als Deutschlands größter Im- und Exporteur.
Kein Film für schwache Gemüter, dazu geht er sehr ans Herz und verbreitet mit seiner fast schon depressiven Grundstimmung Nährboden für eine auch nach dem Film verbleibende düstere Grundstimmung. Ein Film mit einer überraschenden Wendung zum Schluß - und ein Film, dessen Sinn sich für manchen in einem Satz erschließt: "Das Lied war sehr schön, vielen Dank, ich muß jetzt gehn". (10/10)