Robert Rodriguez und Quentin Tarantino spendieren "From Dusk till Dawn" noch ein zweites Sequel und komplettieren die Trilogie. Eigentlich ist "The Hangman´s Daughter" eher als Prequel zu betiteln und spielt circa hundert Jahre vor den unglaublichen Erlebnissen der Gebrüder Gecko. Álavaro Rodriguez, Cousin von Robert, komponierte damals den Score zu "El Mariachi" und als Drehbuchautor macht er seine Sache auch gut. Nach dem zu durchschnittlichen "Texas Blood Money" ist hier eine deutliche Steigerung ersichtlich, obwohl er mit dem selben Budget gedreht wurde, um die 10 Millionen Dollar. Es dürfte wohl auch an Regisseur P.J. Pesce (Sniper 3, Lost Boys 2 - The Tribe) liegen, der endlich mal wieder einige spannenden Momente aus einer schalen Story herauskitzelt.
Johnny Madrid (Marco Leonardi) entrinnt nur knapp dem Henker (Tamuera Morrison), der ihn lynchen wollte. Mit der Tochter des Henkers, Esmeralda (Ara Celi) kann er entkommen. Kurze Zeit später überfällt er mit seiner Bande eine Postkutsche, weil er bei Passagier Ambrose Bierce (Michael Parks) Gold vermutet. Doch dies entpuppt sich als Finte. Bierce und seine Mitreisenden (Rebecca Gayheart, Lennie Loftin) setzen ihre Reise zu Fuss fort und landen in einer heruntergekommenen Bar. Dort trifft auch Johnny ein, nebst dem Henker. Doch anstatt sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, müssen sie sich plötzlich gegen blutdurstige Vampire wehren.
Die Entstehung des "Titty Twister" wird uns zwar vorenthalten, aber wir bekommen immerhin zu sehen, wie die Tänzerin Santanico Pandemonium erschaffen wird. Im Original wurde sie von Salma Hayek verkörpert, doch Ara Celi ist ein brauchbarer Ersatz. Storytechnisch hat auch "The Hangman´s Daughter" nicht viel zu bieten, aber Pesce arbeitet seine Charaktere schnell ab und davon gibt es nicht wenige. Da wäre Ambrose Bierce, geplagt von Alpträumen, der sich Pancho Villa anschließen will. Dann der Outlaw Johnny Madrid, der gehängt werden soll, aber dem Tod von der Schippe springt. Warum der Henker schon anfangs so einen Hass auf Johnny hat, wird nicht erläutert, auf jeden Fall wird er noch wütender als Johnny mit seiner hübschen Tochter Esmeralda fliehen kann. Wäre da noch das gläubige Ehepaar Newlie, welches mit Bierce in der Postkutsche reist. Diese ganzen Charaktere treffen im Titty Twister aufeinander und müssen gemeinsam gegen eine Schar Vampire antreten.
Doch bis dorthin vergeht eine knappe Stunde, aber Pesce hält den Zuschauer mit kleineren Kloppereien und Shootouts bei Laune. "The Hangman´s Daughter" ist zu keiner Zeit langweilig, wenn auch arg vorhersehbar. Auch vermisse ich etwas diesen schwarzen Humor, obwohl es an Onlinern nicht mangelt. Wirklich amüsant fand ich den Bürstenvertreter, der Barmann Razor Charlie (Danny Trejo) eine Bürste andrehen will. Gelungen ist auch die Westernkulisse, nebst dem "Titty Twister" welches hier mitten in der Wüste liegt. Für das geringe Budget kann sich die Ausstattung sehen lassen, Waffen, Klamotten und Masken sind authentisch. Nur die kleine Wüstenstadt sieht etwas ärmlich aus und um einige CGI-Effekte kommen wir auch nicht herum. Die Qualität ist schwankend, richtig schlecht sehen die Vampirverbrennungen aus und auch bei den Fledermäusen hätte man nachbessern können.
Aber man ließ es sich immerhin nicht nehmen, ein paar bekannte Gesichter mit einzubinden. Danny Trejo und Michael Parks sind der Reihe treu geblieben, sie sind in allen drei Teilen präsent, Parks in verschiedenen Rollen, Trejo immer als Barmann Razor. Nur mit Marco Leonardi und Rebecca Gayheart konnte ich nicht sonderlich viel anfangen. Beide agieren sehr blass und wirken nicht unbedingt sympathisch. Aber Orlando Jones als Bürstenvertreter, Temuera Morrison als Henker, oder Sonia Braga als Obervampirin Quixtla machen ihre Sache sehr gut.
Die ganze zweite Halbzeit spielt sich dann im "Titty Twister" ab und erinnert stark an den Erstling. Die Bar ist gefüllt und die Vampire pfeifen zum Angriff. Da werden Messer in Schädel getrieben, Menschen oder Vampire aufgespießt, kräftig Blut gesaugt und einige graphische Einschüsse gibt es auch zu sehen. Man schafft es sich in den großen Gewölbekeller zu retten, doch die Vampire sind überall. Die Zeremonie für Santanico ist dann etwas zuviel des Guten, auch die seltsame Tanzeinlage zuvor mit Orlando Jones passt da nicht rein. Doch ansonsten macht die Schlacht Mensch gegen Vampir wirklich Laune, man sollte sie bloß nicht am Original messen. Auch ist es wirklich schwer vorher zu sehen, wer als Überlebender daraus hervorgeht.
Wesentlich besser als der Vorgänger, vor allem temporeicher. Die Spannung bleibt größtenteils auf der Strecke, storytechnisch gibt es kaum Neues und einige CGI-Effekte fallen negativ ins Gewicht. Aber dieser actionstarke B-Horror macht unheimlich Laune, auch dank des Humors und ein wenig splattern darf es auch wieder. Trotzdem bleibt "From Dusk till Dawn" völlig unerreicht.