Zum zweiten Mal arbeitet Steven Seagal nach dem faden „Today You Die“ mit Regisseur Don E. FauntLeRoy zusammen und tatsächlich ist eine Steigerung zu erkennen.
Schon der Beginn macht Laune, wenn Söldner John Seeger (Steven Seagal) und seine Truppe in einem fiktiven afrikanischen Staat für Krawall sorgen, wobei Seeger Seagal-typisch die härteste aller Kampfsäue inklusive nebulöser Vergangenheit mit Spezialausbildung ist. Allerdings hat man Seeger und seine Truppe im Stich gelassen und so wird der Kampf mit harten Bandagen ausgetragen: Angreifende französische Truppen, während Seeger und seine Jungs mit der Entführung des französischen Botschafters ein Verzweiflungsmanöver wagen.
Allerdings geht der Botschafter nebst Familie bei den Kampfhandlungen über den Jordan, ebenso Leute von Seeger (auch dessen bester Kumpel) und man entkommt nur mit knapper Not. Doch Seegers Leid ist der Zuschauers Freud, denn im derartig gearteten Auftakt rummst es in „Black Hawk Down“-Marnier; zwar kostengünstiger und weniger packend, aber mit ziemlich derben Einschüssen, massig Munitionsverbrauch und diversen Explosionen.
Seeger schwört Rache am Verantwortlichen bei der CIA, der sie im Stich ließ, Dresham (Luke Goss), nimmt aber einen neuen Auftrag, die Befreiung eines wichtigen Gefangenen aus einem Superknast, an. Doch Dresham hat bereits Killer auf Seeger angesetzt, weil er dessen Rache fürchtet…
In den 90ern waren B-Actionfilme nicht komplexer als „Mercenary for Justice“, meist sogar simpler, aber dafür spannender. So wirkt „Mercenary for Justice“ bisweilen etwas konfus, vor allem in der Anfangszeit, da Seeger kein Ziel zu haben scheint (mal scheint der neue Auftrag, mal Rache wichtiger zu sein), sich diverse Leute als Doppel- und Dreifachagenten versuchen usw. Erst 20 Minuten vor Schluss laufen die ganzen Handlungsfitzel zusammen, das Ganze entpuppt sich als großartiger Plan Seegers und ergibt sogar Sinn, nur bei der konfusen Erzählweise kommt bis dahin eher Verwirrung als Spannung auf. Zudem wechseln sich Passagen mit ernormen Tempo immer wieder mit Hängern ab, auch wenn die Chose insgesamt deutlich fetziger als „Today You Die“ daherkommt.
Schön ist dabei, dass Don E. FauntLeRoy seit „Today You Die“ etwas dazugelernt hat und „Mercenary for Justice“ direkt ein bis zwei Schippen dynamischer inszeniert. Ein Könner ist er trotzdem nicht, eher solider B-Handwerker, doch gerade der bereits erwähnte Auftakt ist inszenatorisch wirklich gelungen. Das hilft auch über Scriptschwächen hinwegzusehen, z.B. dass Seeger als eiskalter Söldner auch Leute abknallt, die ihn nur beschatten, aber dafür einen der Oberfieslinge nach einem Fight am Leben lässt, um ihn eine Gefängnisstrafe anzuhängen (in „Hard to Kill“ machte es damals ja noch Sinn, den Oberschurken nicht zu exekutieren, da der Held rechtschaffener Cop war und kein kalter Killer).
Im Gegensatz zu den meisten anderen Seagalfilmen der letzten Jahren kann „Mercenary for Justice“ immerhin auf der Actionseite überzeugen: Kein Stock Footage, Seagal wird weder synchronisiert noch in den Fights gedoubelt. Zwar haut er altersbedingt nicht mehr so spektakulär auf die Mütze wie früher, aber die Fights sind ganz nett und recht hart (einige Genickbrüche). Häufiger wird allerdings zur Knarre gegriffen, wenn Seeger und seine Truppe die Gegnerhorden niederflinten: Gut gemacht, nicht überragend, aber mit der nötigen Härte und kleine Schmankerl wie eine Amokfahrt mit einem Panzerfahrzeug halten den Zuschauer bei Laune. Stellenweise kopiert Don E. FauntLeRoy dabei arg andere Filme (beim Auftakt „Black Hawk Down“ oder im Gefängnis erinnert eine Szene sehr an das Duschraummassaker in „The Rock“), doch nur selten.
Steven Seagal verzichtet auf Doubles, wie gesagt, bekommt einige coole Oneliner spendiert, doch spielt die Heldenrolle bestenfalls routiniert – von der extrem charismatisch Ausstrahlung in früheren Filmen ist leider nichts zu merken. Die Nebendarstellerriege (u.a. eine junge Geliebte für Seeger) ist auf passablem B-Niveau, empfiehlt sich aber nicht für höhere Aufgaben.
Somit ist „Mercenary for Justice“ ordentliche B-Unterhaltung mit schick rabiater Action und ohne größere Längen, aber konfuser Story und zum sehr guten Genrefilm fehlt der Action noch der letzte Schliff. Doch besser als viele andere direct to video Filme Seagals ist der trotzdem geworden.