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 Hatte die erste Zusammenarbeit von Videotheken-Fließbandritter Steven Seagal und Regisseur Don E.Faunt LeRoy, „Today You Die", zwar per se höchst brauchbare Unterhaltung geboten, sich durch seinen Stock Footage - Overkill aber gehörig selbst deklassiert, so gelang dem Duo 2006 mit „Mercenary for Justice" nicht nur die beste ihrer 2007 mit dem ebenalls überzeugenden „Urban Justice" fortgeführten Kollaborationen, sondern gleichzeitig der wohl beste Post-„Exit Wounds"-Seagal-Streifen hinter Ching Siu-Tungs „The Belly of the Beast" generell, der selbst die zeitnah entstandenen relativen Highlights „Submerged" und „Into the Sun" mühelos überflügelt.

Seagal mimt den Söldner John Seeger, der sein Versprechen, für die Familie eines bei einem Einsatz in Afrika zu Tode gekommenen Freundes und Kollegen zu sorgen, alsbald auf ungeahnte Weise erfüllen muss: Ein mächtiger Waffenhändler hat Ehefrau und Sohn gekidnappt und erpresst Seeger, im Tausch für das Leben der beiden seinen eigenen inhaftierten Sprössling aus einem südafrikanischen Hochsicherheitstrakt zu befreien...

Was sich wie eine straighte Schema-F-Story aus dem Genrebaukasten liest, mühte man sich von Autorenseite zum wannabekomplexen Verwirrspiel zu stilisieren, in dem jeder hinter dem Rücken des anderen sein eigenes Süppchen kocht und fröhlich verraten und hereingelegt wird - wirklich neu ist das auch nicht, wirkt zudem oftmals reichlich hölzern konstruiert, im Gegensatz zu wirren Plotungetümen á la „The Foreigner" macht es sich aber nicht negativ bemerkbar und lässt sich im Verlauf durchaus nachvollziehen. Auf Storyebene ist „Mercenary for Justice" für Seagal-Verhältnisse somit keinerlei Vorwurf zu machen, tatsächlich vereint die Handlung konventionell-klassische Straightness des Erpressungsszenarios und narrativen Twistgehalts-Anspruch aller konfusen Gewolltheit dessen zum Trotz recht charmant, die wahren Stärken des Films sind aber ohnehin in anderen Kategorien zu verorten:

Der Streifen glänzt mit exotischen, ansehnlichen Locations, die Seagal anstatt im tristen Ostblock in der Sonne Miamis und Afrikas wüten lassen und damit gleich eine ganz andere Atmosphäre kreieren. So hochwertig die Schauplätze, so auch Optik und Inszenierung Don E.Faunt LeRoys: Visuell spielt „Mercenary for Justice" in einer absoluten Topliga und kann dabei auf das bauen, was den meisten Seagal-Filmen der DTV-Ära ganz offensichtlich abgeht: Ein brauchbares Budget.In der ersten Viertelstunde wähnt man sich im falschen Film: In Afrika tobt ein ausgewachsener Krieg und in dem wird geschossen, explodiert und zerstört, dass man das Ausmaß der Materialschlacht eher einer Kinoproduktion zuordnen würde. Wo der Dicke sonst nur prügeln, treten und gelegentlich um sich schießen darf, trumpft „Mercenary for Justice" mit einer Actionpalette auf, die die Mittel für fetten Pyrozauber und spektakuläre Autostunts hat und den seit Seagals Leinwand-Abschied von derartigem nicht mehr wirklich verwöhnten Zuschauer mit Eyecandy ungeahnten Ausmaßes überrascht - alles freilich in den relativen Verhältnissen einer Direct-to-DVD-Produktion gesehen, für Seagal-Verhältnisse jedoch fraglos beeindruckend.

So feuert „Mercenary for Justice" ein Actionfeuerwerk ab, das jeden Genrefan glücklich machen sollte: Auf die irre aufwendige, durch den Kriegskontext jedoch nur bedingt als Entertainment-Fun brauchbare Anfangsviertelstunde folgen im Lauf des Films zahlreiche blutige Schießereien, knackige Fights und chice Autostunts, von Don E.Faunt LeRoy stets edel und stylish inszeniert und kulminierend in einem klassischen, mehretappigen Showdown, in dem der Dicke in bester Tradition mit stoischer Coolness und dem einen oder anderen Oneliner auf den Lippen die bösen Buben zerlegt. Das macht aller Leibesfülle des Aikido-Schlachtrosses zum Trotz noch immer genauso viel Spaß wie vor 15 Jahren und sammelt durch den fleißigen Eigeneinsatz des ungedoubelten Seagal noch mehr an Qualitätspunkten. In Jacqueline Lord hat der Dicke zudem eine ausnehmend hübsche Codarstellerin zur Seite, die den Eyecandy-Faktor des Streifens zusätzlich bereichert.

Fazit: „Mercenary for Justice" stellt nicht nur die beste Zusammenarbeit zwischen Seagal und Regisseur Don E.Faunt LeRoy, sondern einen der besten Post-„Exit Wounds"-Streifen des Dicken generell dar: Neben der brauchbaren Story und der chicen Optik und Inszenierung trumpft der Film vor allem mit einem offensichtlich höcht amtlichen Budget auf, das Actionschauwerte im Seagal-Universum länger nicht mehr gekannten Ausmaßes erlaubt und den Aikido-Helden durch entsprechend spektakulären und sehr souverän gemachten Krawall schickt. Für Seagal- und Genrefans kann man wohl kaum einen Streifen der DTV-Ära wärmer empfehlen.

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