ABSOLUTE GIGANTEN erzählt die Geschichte der drei besten Kumpels Ricco (Florian Lukas), Walter (Antoine Monot Jr.) und Floyd (Frank Giering) und ihrer letzten gemeinsamen Nacht. Der Nacht bevor Floyd Hamburg, der Stadt in der er aufgewachsen ist, den Rücken kehrt und auf einem Containerschiff in die große, weite Welt anheuert. In dieser letzten Nacht ist noch einmal alles möglich und es liegt dieses gewisse Knistern in der Luft. Ein letztes Mal ziehen die drei Freunde durch Strassen und Clubs der Großstadt…
ABSOLUTE GIGANTEN ist ein Film der leisen Töne. Ein Film, der so unspektakulär und ohne Mords-Tamtam daherkommt und dennoch große Gefühle vermittelt. Fernweh, Freundschaft, Vergänglichkeit, die Einzigartigkeit gewisser Momente, die Großartigkeit von kleinen, die Nichtigkeit von großen Dingen… – dies nur Beispiele der Themen, die man hier zwischen den Zeilen geschrieben vorfinden kann. Was diesen Film so großartig und einzigartig macht, sind u.a. seine bedeutungsschwangeren, hochtrabenden Dialoge („Pommes sind wie Frauen. […]“) und seine verzaubernde Großstadt-Melancholie, die dem Motto „Gestrandet auf dem Planeten Erde“ folgt. Gleichzeitig ist ABSOLUTE GIGANTEN eine Ode an Hamburg. An die Stadt, in die Robert Redfords Zitat „Ich bin so allein in dieser großen Stadt“ passt, wie in keine andere.
So feinfühlig dies nun klingen mag, handelt es sich hierbei um alles andere als um einen Film, der auf die Tränendrüse drückt. Die Interpretation und Auswertung des Gezeigten bleibt dem Zuschauer selbst überlassen. Der Streifen an sich hält sich dabei diskret im Hintergrund.
ABSOLUTE GIGANTEN ist ebenso traurig wie witzig, siehe z.B. der Tanzeinlage zu „20th Century Boy“. Ferner dürfte der Film wie kein zweiter die Dramatik und den Nervenkitzel des Tischfussballspielens bzw. des Kickerns darstellen, was ihn auch in dieser Hinsicht einzigartig macht.
Großes Lob gebührt auch den Schauspielern, allen voran dem leider viel zu früh von uns gegangenen Frank Giering („Funny Games“, „Schwarze Schafe“, „Baader“), der den wortkargen Großstadt-Melancholiker mimt als wäre ihm die Rolle auf den Leib geschrieben. Unvergessen und legendär sein folgendes Zitat:
„Weiß du, was ich manchmal denke. Es müsste immer Musik da sein. Bei allem, was du machst. Und wenn’s so richtig Scheiße ist, dann ist wenigstens noch Musik da. Und an der Stelle wo's am allerschönsten ist, müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.“
Der Film lebt allerdings auch ganz stark von seinem Soundtrack. Dieser ist mitunter das Beste am ganzen Film und wird größtenteils von den wunderbaren The Notwist („Shrink“, „Neon Golden“) geliefert. Unvergessen bleibt aber auch Sophias „If Only“ im Finale.
„Wer ist gefährlicher: Godzilla oder Hitler?“
Fazit:
Was „Berlin Calling“ heute ist, war dieser Streifen vor zehn Jahren.
Ein Film wie Abschiednehmen mit Kloß im Hals. Deutsches Kino at its very best.