Es soll die letzte, gemeinsame Nacht werden. Die erste und die letzte gemeinsame Nacht in Freiheit. War das Leben von Floyd (Frank Giering) zuvor durch Bewährungsauflagen eingeschränkt, will er in der ersten Nacht seines neuen, freien Lebens noch einmal alles mit seinen beiden Kumpels Ricco (Florian Lukas) und Walter (Antoine Monot Jr.) erleben, was möglich ist, um am darauf folgenden Morgen, um 10 Uhr auf einem Überseedampfer anzuheuern, und das Leben in Hamburg für immer zu verlassen. Floyd will den Ort finden, an den er wirklich passt, und konfrontiert seine Freunde erst 24 Stunden vor dieser Entscheidung. Traurig, aber auch entschlossen, eine letzte, infernalische Zeit loszutreten, stürzen sich die Drei in die irrste Nacht ihres Lebens.
"Absolute Giganten" lebt 75 Minuten lang von diesem Gefühl, das ein letztes Mal wirklich alles geht; das man ein letztes Mal alles machen darf, was man will, bis nach wenigen Stunden der Abschiedsschmerz kommt. 75 Minuten begleitet man die hervorragenden Schauspieler durch die Ups und Downs dieser Nacht, lacht und leidet mit. Der Film wird dabei leicht episodenhaft, und nicht immer storyorientiert. Doch dank der richtig stimmigen Grundatmosphäre von "Absolute Giganten" und dem grandiosen Soundtrack von The Notwist tuen die Schwankungen in Sachen Storydichte und Erzählweise dem durchaus positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.
Lediglich an der arg klein gehaltenen Charakterisierung der Charaktere kann man Kritik üben. Regiedebütant Sebastian Schipper scheint kein Wort allzu vieler Worte zu sein, und so bleiben die wenigen Momente, in denen die Hauptdarsteller Einblick in ihr Leben oder in ihre Psyche gewähren, rar und verklausuliert. Doch selbst wenn Frank Giering sehnsüchtig von seiner allerersten Kindheitserinnerung aus dem Off erzählt, ohne wirklich dem Film dadurch einen dynamischen Kick zu bereiten, sondern nur um Stimmung aufzubauen und zu erhalten, werden jene Monologe nie peinlich, sondern aufgrund des starken Schauspiels immer eindrucksvoll und berührend.
Die Nacht ist spannend und abwechslungsreich. Zunächst mischen die Drei eine Gruppe Elvis-Impressarios, die eine Auto-Stunt-Show betreiben auf, dann wird sich mal eben beim Fast-Food-Restaurant um die Ecke "alles" bestellt. Auf dem Parkplatz legen die Jungs dann einen auschoreographierten Tanz zu "20th Century Boy" von T.Rex hin. Der Höhepunkt der Nacht ist das wohl beste Tischfussball-Match der Filmgeschichte. In aufwändigen Effectshots wirft uns Regisseur Schipper direkt ins Geschehen auf den Tisch mit den Holzfigürchen. Nach der Entdeckung jener ach so unfilmischen "Sportart" geht es jedoch bergab. Floyd entdeckt die junge Telsa, eine Nachbarin, die in der örtlichen Disco eindeutig zu viel Alkohol in sich 'reinfließen ließ. Das Abenteuer mit Telsa endet in der Notaufnahme.
Der Film endet schön und poetisch. Obwohl nur sehr kurz, hat er uns auf eine Reise mitgenommen, die in einem ungewöhnlichen Abschied enden muss. Nach 75 Minuten ist diese Geschichte über Freundschaft zu Ende, und man weiß, man hat einen tollen Film gesehen. Schwächen hat er, ja. Doch vieles an "Absolute Giganten" ist so sympathisch, dass jene kleinen Fauxpas gerne verziehen werden.