"Mercury Rising" ist nicht mehr als eine Fußnote im Schaffen von Bruce Willis wert, ein Standard-Thriller der Marke "Einer gegen das Imperium". Getreu dem Hollywood-Grundsatz: Spiele nie mit Tieren und Kindern fallen bei diesem Film natürlich die Parallelen zu "The Sixth Sense" auf, bei dem Willis wiederum mit einem seltsamen Kind zu hantieren hatte.
Hier wird die Sache noch dicker, denn wir haben nicht nur einen Jungen, sondern damit auch gleich noch einen genialen Autisten, der den größten und teuersten Code mal einfach so durchschaut. Anstatt das Ereignis aber fröhlich unter den Teppich zu kehren, macht Alec Baldwin, der inzwischen ein Arschlochrollen-Abo besitzt, auf die große Ausradiere und läßt Mom und Dad wegpusten (anstatt den Jungen solo zu erledigen, z.B. wenn er aus der Schule kommt).
Es gibt nichts wirklich Herausragendes am "Mercury Puzzle" und das ist in beinahe jeder Szene zu spüren. Willis Trauma, ein paar jugendliche Bankräuber nicht gerettet zu haben (wir brauchen ja einen Prolog), ist ebenso weit hergeholt (er war gar nicht schuld), wie unwichtig für den Film. Während die Zuschauer nun aber nach dem Mord an den Eltern den Plot bereits kennen (da die Story uns auch über die Gegenseite in aller Breite aufklärt), puzzelt Willis noch ein Eckchen daran herum. Das führt im Mittelteil zu ein paar spannenden Actionsequenzen im Krankenhaus und auf der Straße, doch später müssen dann schon Gewissensnöte der Mitverschwörer der Auslöser sein, um ihn entscheidend weiterzubringen.
Baldwin geht dann auch später noch weiter unlogisch vor, bis er in einem sinn- und seelenlosen Showdown (wozu sich noch weiterwehren, wenn ich zu zwei gegen zwanzig Bewaffnete auf einem Hochhausdach stehe), über die Planke geht.
Willis wirkt wahnsinnig überzeugend als McClane in FBI-Diensten, der ständig nur im T-Shirt und offenen Hemd rumläuft und reißt die Chose so schnell wie möglich runter. Chemie zwischen den Hauptdarstellern kommt leider nicht zustande, denn Miko Hughes, der hier als Autist eine beachtenswert weggetretene Leistung bringt, ist zu sehr fern der Heimat, um die Handlung mehr als nur zu komplizieren, indem er sich wehrt, wegläuft oder sich eben nicht artikulieren kann. Vielleicht wollte Willis auf dem Weg zum Charakterdarsteller ja mal den Actionfilm mit einem angekratzten Helden würzen, aber weder das, noch der Kontakt zu einer netten jungen Frau bringen die Handlung irgendwie weiter.
Auf der Heftigkeitsskala schlägt hier ebenfalls alles nur bis Standard aus und deswegen ist dieses "Puzzle" (das bei der Entschlüsselung nicht einen einzigen brauchbaren optischen Trick vorweisen kann) auch nur Mainstreamware, falls gerade nichts anderes läuft. Gesehen, ganz nett gewesen, vergessen. (5,5/10)