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Es gibt Filme, die sind wie Katastrophen – grausam und schmerzvoll, doch irgendwie kann man den Blick einfach nicht abwenden … „Out in Fifty“ (a.k.a. „Stigma“) ist solch ein Fall, denn was die beiden Regisseure (und Hauptdarsteller) Scott Leet und Bojesse Christopher da abgeliefert haben, spottet fast jeder seriösen Beschreibung:

Eines Abends findet sich der junge Raymond Frye (Scott Leet) betrunken in einer Bar in L.A. wieder, wo ihn eine ebenfalls ziemlich weggetreten wirkende Frau abschleppt – was folgt, ist Sex der aggressivsten Sorte, an dessen Ende die Frau aufgespießt am Bettpfosten den Tod findet. Unglücklicherweise war sie mit einem Polizisten (Mickey Rourke) verheiratet, der ihre Untreue einfach nicht wahrhaben will und statt dessen auf Rache sinnt…

Jahre später: Ray wird auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen und versucht im Rahmen der Bewährungsauflagen in der Stadt der Engel Fuß zu fassen, doch der inzwischen vollkommen heruntergekommene Cop will das in Anbetracht des Todes seiner Frau nicht zulassen, was seinem Partner (Peter Greene, „Z“ aus „Pulp Fiction“) zunehmend Sorge bereitet.

Irgendwann hat Ray jedoch Glück: Er hilft dem Autowachser (!) Steve (Bojesse Christopher) aus der Klemme, worauf der ihm zum Dank einen Job anbietet und ihn bei sich und seiner Freundin Gloria (Nina Ofenböck) wohnen lässt.
Für eine Weile scheint alles gut zu laufen, doch es stellt sich heraus, dass Steve eine Affäre mit Glorias Schwester hat, und als dann auch noch einige Leute um sie herum sterben (u.a. von einem geheimnisvollen Killer dahingerafft), werden die Cops wieder auf Ray und dessen Vergangenheit aufmerksam, obwohl er sich geändert hat und mit Gloria ein neues Leben beginnen möchte … doch scheinbar kann er seinem Schicksal einfach nicht entfliehen.

Soviel zur „Handlung“, die natürlich vollkommen unsinnig daherkommt. In manchen Szenen hat man so krampfhaft versucht, Tiefsinnigkeit heraufzubeschwören, dass man laut auflachen muss (was die Langeweile wenigstens zeitweise etwas unterdrückt). Selbiges gilt auch für die Nebenhandlung mit dem „Cupid“-Killer, welcher auf Rollschuhen als Sensenmann verkleidet seine Opfer mit Pfeilen aus einer Betäubungspistole tötet (!!!) … warum und weshalb, das erfährt der Zuschauer (ich will nicht sagen „leider“) nie…

Die Auflösung des Films ist total abstrus und widersinnig, passt sich aber so dem Gesamtbild nahtlos an, denn das gesamte Machwerk zeichnet sich höchstens durch grauenhaft schlechte Sequenzen (z.B. Traumgespräche zwischen Rourke und seiner toten Frau) und unterirdische Dialoge („Where are you from?“ – „Prison…“) aus.
Ach, ja: Die Regie „amateurhaft“ zu nennen wäre eine Beleidigung für den Großteil der Amateurfilmer da draußen, das Budget scheint sich so um die 100 Doller bewegt zu haben (…wovon das meiste wohl für Rourkes Alkohol draufging…), und die „Darsteller“ müssten sich allesamt schämen (es gibt aber tatsächlich „Cameos“ von Alexis Arquette, Balthazar Getty und Christina Applegate)!!!

Gibt es positive Punkte zu erwähnen? Ja und nein – beides vereint in Mickey Rourke, der sich hier am absoluten Tiefpunkt seiner Karriere befand.
Zwar hat er schon viele kaputte und ausgebrannte Typen gespielt, doch hier ist es extrem: Den Cop nimmt ihn keiner ab, vor allem weil er sich entweder wie ein Straßengangster (wie schon in „Bullet“) oder Großstadtcowboy kleidet, und so verflucht grausame Sonnenbrillen trägt. Parallelen zwischen der Art, wie er die Rolle angelegt hat, und seinem damaligen Privatleben scheinen offensichtlich zu sein…

Es ist die Art, wie Rourke durch diesen Film wandelt, die mich weitergucken ließ, denn man fragt sich immerzu, wie das aus einem großen Schauspieler der 80er („Im Jahr des Drachen“ / „Angel Heart“) werden konnte … zum Glück hat er sich in den letzten Jahren wieder gefangen und macht sich nun mit starken Nebenrollen in guten Filmen („the Pledge“ / „Spun“) wieder einen Namen.
Trotzdem: Hier ist er völlig am Boden, und das implizieren auch die besten 2 Szenen des Films – einmal prügelt er (völlig auf Drogen) auf eine Wand mit Rays Foto drauf ein, und dann wischt er sich die blutigen Knöchel an der hellen Wand eines Büros ab, nachdem er Rays Bewährungshelfer geschlagen hat … man muss diese Einstellungen gesehen haben, um zu verstehen, was ich damit meine…

Ich gebe diesem Film insgesamt knappe 2 von 10, da ich ihn mir ganz angesehen habe (ich „musste“ es einfach irgendwie), und da es noch viele, viele schlechtere Machwerke da draußen gibt (ich sage da nur „Albert Pyun“…).

Fazit: Kaputter, grotesker und lächerlicher B-Film-Trash voller unsympathischen Charakteren – ach Mickey, wie tief konntest Du nur sinken…

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