Ganz in der Tradition klassischer Katastrophenfilme wie „Flammendes Inferno“ oder „Airport“ geben sich die Regisseure Dick Lowry („Alf – Der Film“) und David Jackson („Miami Vice“) die Ehre und springen gewissermaßen auf einen Zug auf, der mit sagenhaften 168 Minuten Laufzeit eine deutlich zu lange Strecke zurücklegt.
Gerade wollte Zugsicherheitsexperte John (Rob Lowe) eine Annäherung zu seinem Stiefsohn wagen, als er zu einem Notfall beordert wird: Ein Güterzug rast ungebremst in Richtung Denver und hat nicht nur eine Menge Chemikalien geladen. Auch eine geschmuggelte, sowjetische Atombombe ist an Bord…
Dem Streifen ist kaum anzusehen, dass es sich lediglich um eine TV-Produktion handelt, denn man befindet sich weit über dem Niveau üblicher Ergüsse von SyFy und Asylum. Allein der Einstieg macht Lust auf eine kleine Zerstörungsorgie und wenn sich jemand per Strickleiter vom Heli aufs Dach eines fahrenden Zuges befördert, sieht das ohne Zuhilfenahme irgendwelcher Tricks recht akrobatisch aus. So dauert es nach Einführung der wesentlichen Figuren nicht allzu lange, bis die Handlung buchstäblich an Fahrt aufnimmt.
Zunächst konzentriert sich fast alles auf die Bemühungen den Zug zu stoppen, was mit allerlei Kletteraktionen, Hangeln und dem raschen Herstellen von Sandbarrieren verbunden ist, während diverse Luftaufnahmen einordnen lassen, wie schnell der Zug unterwegs ist und eine Intervention von außen nahezu unmöglich scheint. Parallel ablaufende Handlungsstränge umfassen das Taktieren eines Krisenstabes, die Bemühungen eines TV-Teams und die zerstreute Familie, die ab einem bestimmten Zeitpunkt die Flucht aus Denver antritt.
Die erste Hälfte erfüllt durchaus die Kriterien eines abgerundeten Genrestreifens, doch nach einem eher unerwarteten Ereignis verlässt man die Lokalität rund um den Zug und fokussiert sich auf noch mehr Handlungsstränge, was einige deutliche Längen ins Spiel bringt. Wenn an einigen Stellen Massenpanik herrscht, Tumulte ausbrechen, Plünderungen stattfinden und Chaos auf den Straßen zu Staus und Raserei führen, ist dies zumeist aufwendig in Szene gesetzt und im Verlauf spielt Feuer eine nicht ganz unwesentliche Rolle, was wiederum in einer kleinen Materialschlacht im letzten Drittel mündet, die für kleinere Durchhänger entschädigt.
Die Mimen sind zwar überwiegend dem B-Bereich zuzuordnen, doch die meisten performen immerhin brauchbar. Rob Lowe, Mena Suvari und Kristin Davis liefern recht ordentlich, während die erstklassige Synchro selbst bei Randfiguren mit Namen wie Christian Rode, Dietmar Wunder, Detlef Bierstedt, Till Hagen und Jürgen Kluckert glänzen kann.
Demgegenüber weiß der Score kaum Akzente zu setzen, er treibt allerdings latent ordentlich an.
Eingefleischte Genrefans mögen das Problem mit Überlänge bereits kennen und auch hier muss man einige Zeit einplanen (mancherorts ist der Streifen als Zweiteiler deutlich besser konzipiert). Die erste Phase gestaltet sich spannend und actionreich, doch nach einem Break geht es dramaturgisch etwas bergab und die Handlung erscheint streckenweise deutlich zu überladen. Die soliden Schauwerte und die gelungene Ausstattung gleichen diese Schwachstellen ein wenig aus, doch unterm Strich hätte es eine halbe Stunde weniger auch getan.
6,5 von 10