Review

Drive ist noch gutes altes Hau drauf-Entertainment in bester 80er Jahre-Manier. Sowohl Logik als auch Inhalt ist hier für die Katz', und man könnte demnach meinen, dass der Film zur untersten Schublade der B-Actioner gehört. Glücklicherweise ist hier aber das Gegenteil der Fall, da Drive jenes, was ihm an Logik und Story fehlt, mit astrein inszinierter Martial Arts-Action, Humor und abgedrehten Charakteren sowie Einfällen enorm aufwerten kann. Dies hat er nicht zuletzt seinem Hauptdarsteller zu verdanken, der trotz mäßiger Schauspielqualitäten ein gewisses Charisma besitzt.

San Francisco 2008: An Bord eines Frachters schmuggelt sich Toby Wong (Mark Dacascos) als blinder Passagier in die USA. Doch eine Killerhorde ist ihm dicht auf den Fersen. Auftraggeber sind seine Ex-Bosse von der Leung-Corporation. Der Grund: Wong trägt einen implantierten Bio-Chip in der Brust, der ihm übermenschliche Stärke und Schnelligkeit verleiht und den die Gesellschaft wieder haben will. Auf seiner Flucht nimmt Wong kurzerhand den Pechvogel Malik Brody (Kadeem Hardison) als Geisel. Nach anfänglichen Schwierigkeiten raufen sich die beiden Männer zusammen und nehmen gemeinsam den Kampf gegen die Killer und Wongs Nachfolgemodell, ein fast übermächtiger Gegner, auf...

Schauspielerisch dürfte Mark Dacascos (Sabotage) hier keinen Blumentopf gewinnen. Dafür kloppt er sich aber dermaßen top choreografiert und wendig durch die Gegnerhorden, dass er kurz vorm Herzkasper steht, den ein Seagal bei diesem Tempo schon längst bekommen hätte. Zudem hat Dacascos eine gute Portion Charisma, weshalb er nicht bloß eine herumspringende 08/15-Ninjapuppe bleibt. Als Buddy fungiert hier Kadeem Hardison (Showtime), der den (ausnahmsweise) sympatischen Quoten-Schwarzen mit vorlauter Fresse abgeben darf. Eine recht brauchbare Leistung des B-Mimen. Ein prominenteres Gesicht bekommt man hingegen mit Brittany Murphy (Sin City) vorgesetzt, die hier noch in ihrer Prä-VIP-Phase als quirliges Girlie, das Papis Motel hütet, zeitweise zwar etwas nervig ist, aber ansonsten in Ordnung geht. Als Schurken laufen einem dann John Pyper-Ferguson (Pearl Harbor) als Killer-Cowboy und Ron Yuan (Art of War) als eiskalter TurboDrive-Hitman über den Weg, die allesamt eine passable Performance bieten können.

Hauptaugenmerk liegt bei Drive eindeutig auf der Action, die einfach erste Sahne ist. Actionsequenzen gibt es zwar nicht allzu viele, dafür haben sie aber eine enorme Länge, die schon zweistellige Zahlen annimmt. Meistens gibt es wunderbar choreografiertes Fratzengeballer im Sekundentakt und vereinzelte, blutige Shoot-Outs. Wirklich in Gefahr scheint Wong in den Fights nie zu sein. Lediglich in der finalen Konfrontation mit seinem knallharten Nachfolgemodell wird es dann mal etwas brenzlig. Da wird dann auch mal was Blut gekotzt und Knochen zerbröselt. Insgesamt besitzt die Action einen guten Härtegrad, wo einem Gegner dann auch mal per Kettensäge die Hand inklusive MP entfernt wird. Ergänzt werden die harten Kloppereien und Shoot-Outs dann noch mit ein paar netten Explosionen und einem reichhaltigen Waffenarsenal (von der Beretta über die MP bishin zur Bazooka ist da einiges drin). Stunts gibt es natürlich auch jede Menge, wobei vor allem die Motorradeinlagen im Showdown gefallen. Wie schon erwähnt kann man die Handlung gleich in die Tonne kloppen, denn der Biochip-Plot ist eher nur Mittel zum Zweck und dient mehr als Plattform für einen wahren Action-Marathon, bei dem sämtliche Logik stiften geht. Dafür besitzt Drive aber nicht nur jede Menge Action, sondern auch viel Situationskomik und witzige Dialoge. Den Bärenanteil trägt hier freilich Hardison, aber auch Dacascos nimmt seinen Charakter nicht allzu ernst, weshalb es sogar auch eine kleine Gesangseinlage seinerseits gibt. Hinzu kommt noch ein ganzer Haufen an durchgeknallten Charakteren, wobei vor allem der Killer-Cowboy und -Penner sowie Murphys Figur hervorstechen können. Dann gibt es noch ein paar mäßig komische Einfälle wie der öfters auftachende Einstein-Frosch im TV und das Apollo 14-Restaurant. Hätte mich nicht gewundert, wenn bei der finalen Explosion dessen Rakete gen Himmel geflogen wäre. Der Score geht auch in Ordnung und beinhaltet ein paar temporeiche Rock- und Technonummern, die durchaus Laune machen.

Bester Tipp, um Drive in voller Pracht genießen zu können, ist sich, erstens, die ungekürzte Fassung reinzupfeifen und, zweitens, den Denk & gehobenes Filmniveau-Modus vorübergehenden zu deaktivieren. Dann kann man mit dem Film jede Menge Spaß haben. Einer von Dacascos besten Beiträgen ist er auf jeden Fall.   

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