„Drive“ ist eine extrem unterhaltsame B-Actionkomödie, die sich mit denen der A-Klasse messen kann, ohne dabei schlecht abzuschneiden.
Toby Wong (Mark Dacascos), einem ehemaligen chinesischen Agenten aus Hongkong, wurde ein Biomotor eingesetzt, welcher seine Kampfkraft stark steigert. Doch er will den Motor an eine Firma aus L.A. verkaufen, um dafür 5 Millionen Dollar einzukassieren. Der Film beginnt auf einem Containerschiff, mit dem Toby von Hongkong in die USA übersetzte. Dort wird er von den feindlichen Agenten entdeckt, welche ihn zum Erhalt des Biomotors zwar nicht töten dürfen, ihn aber kampfunfähig zu machen versuchen. Toby macht den größten Teil von ihnen platt und verschwindet. Die Kampfsequenz, in der dies geschieht ist temporeich wie kostengünstig in Szene gesetzt worden. Ohne große Spezialeffekte, sondern auf die atemberaubende Kampfkunst fokussiert bietet Regisseur Steve Wang einiges für den Actionfan.
Toby kommt auf seiner Flucht in eine Bar, in der auch gerade Malik Brody (Kadeem Hardison) sitzt. Der von seiner Frau verlassene Songschreiber plant dort immer noch seinen großen Durchbruch. Als dort wieder die Verfolger von Toby auftauchen, schweißt das Schicksal die beiden zusammen, denn Toby nutzt Malik als Geisel um mit ihm (und seinem Wagen) zu entkommen...
Nun folgte eine wahre Offenbarung unter den B-Filmen. Mit seinen 112 Minuten hat „Drive“ klare Überlänge für diese Güteklasse, aber trotzdem schaffte er es in dieser Zeit nie zu langweilen.
Die Story ist, wie man schon absehen kann, ziemlich dünn, aber wie bei jedem B-Movie geht es hier um die Umsetzung der nichtigen Geschichte. Doch Steve Wang hält einiges parat um zu unterhalten, auch wenn die Spannung nicht über den Durchschnitt geht. So gibt es immer wieder durchgeknallte Figuren und Situationen, die nichts weiter als purer Fun sind. Hierbei wäre vor allem Brittany Murphy („Sag kein Wort“) in einer ihrer ersten Rollen zu nennen: Sie spielt eine pubertierende Teenagerin, die das Motel ihrer Eltern hütet und dabei wirklich die Sau rauslassen will (wozu ihr Toby und Malik gerade recht kommen).
Die Action besteht fast nur aus Martial Arts; der wenige Schusswaffengebrauch entsteht eher ‚aus dem Kontext heraus’ und dürfte Shoot-Out Fetischisten kaum begeistern. Die Kämpfe hingegen sind fantastisch gemacht und sind dermaßen schnell, dass man teilweise seinen Augen kaum trauen mag. Dabei sind die Fights sehr dem asiatischen Kino angelehnt – so nutzen die Kontrahenten die Zeit zwischen schnellen Schlag- und Trittkombinationen und halten kurz inne, um sich die Brille gerade zu rücken, einen markigen Spruch abzulassen, zu bluten etc. Die Zahl der Actionszenen ist die nicht so groß, aber die Länge derselbigen ist beeindruckend (Im Showdown und der Motelszene erreicht die Action sogar eine zweistellige Minutenlänge).
Die schrägen Ideen hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck: Während einige Einfälle (z.B. die „Vom Winde verweht“-Hommage in der Werkstatt oder Mark Dacascos’ Karaokeeinlage) einfach hinreißend sind, gehen einem andere (z.B. der trashige Einsteinfrosch) einfach nur auf die Nerven.
Die Darsteller spielen kaum und erfüllen einfach nur die durchgeknallten Charaktere ihre Rollen. Besonders abgefahren ist der Bösewicht mit der Sonnebrille und dem Cowboyhut, vor dessen Langhaarmähne sogar Wolle Petry Ehrfurcht hätte. Lediglich Kadeem Hardison zeigt ein wenig mehr Talent als die anderen (obwohl einige von ihnen wie z.B. Mark Dacascos ihres in andern Filmen unter Beweis gestellt haben).
Für einen B-Film ist auch die Musik ausfallend gut. Die bunte Mischung enthält neben ‚vorantreibender’ Untermalung für die Kampfszenen und diversen Musikstücken verschiedener Stile auch ein Instrumentalstück, welches an „The Rock“ erinnert.
Ich habe den Film zwar bisher nur auf deutsch gesehen und kann nicht sagen, ob der O-Ton genauso ist, aber die Dialoge sind zum Schreien und passen genau zu dieser Art von B-Actionkomödie. Denn wenn oben erwähnter Bösewicht verkündet: „Jetzt prügel’ ich euch die Erbsen aus der Stirnfalte“ oder Malik in Anbetracht eines Killers sagt: „Wir verbiegen ihm den Kolben und klauen ihm seinen Mantel. Und ohne Nase braucht er auch keine Brille mehr.“ dann gibt es kein Halten mehr.
Eine total abgedrehte, aber absolut furiose B-Actionkomödie mit dummen, aber witzigen Sprüchen im Akkord und grandioser Martial Arts Action – für einen lustigen Abend uneingeschränkt zu empfehlen.