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Martial Arts Filme haben unterdessen in Amerika eine lange Tradition, auch wenn die Qualität der meisten Karate-Klopper unterirdisch mies ist. Man denke nur an Möchtegern-Kämpfer wie Michael Duddikoff oder Steven Seagal, die sich jahrelang durch billige Direct-to-Video Produktionen wursteten. Doch auch in der Traumfabrik gibt es von Zeit zu Zeit Ausnahmen und es wird ein Actionfilm produziert, der den hohen Standards des Hongkong-Kinos das Wasser reichen kann.

„Drive“ gehört ohne Frage zu dieser Kategorie Film und legt wie der Name erahnen lässt ein ordentliches Tempo an den Tag. Regisseur Steve Wang versteht sich sowohl auf den amerikanischen Film wie auch auf das asiatische Kino, was er hier äußerst eindrucksvoll unter Beweis stellt. Besonders die rasante Machart der Actionszenen ist klar von Hongkong inspiriert und eine der großen Stärken dieses Martial Arts Krachers. Dazu gesellt sich der typische Charme eines amerikanischen Buddy-Movies, mit einer Fülle an witzigen Wortgefechten zwischen Mark Dacascos und Co-Star Kadeem Hardison. Ein Teil der Pointen geht zwar in der deutschen Fassung etwas verloren, dem Spaß tut das aber keinen Abbruch. Besonders gelungen sind dabei die zahlreichen versteckten Gags über asiatische Kampfkunst und das Easterngenre allgemein, die nicht nur für Liebhaber eine echte Freude sind. Diese Erfolgsformel ging nicht zum letzten Mal auf, was vor allem Jackie Chans Karriere in Übersee sehr zu gute kam.

Mit Mark Dacascos (Born 2 Die, Pakt der Wölfe) wurde der wohl talentierteste US-Schauspieler in Sachen Martial Arts besetzt. Dacascos Fähigkeiten sind in der Tat beachtlich, was wohl auch damit zu tun hat das er eher zufällig zur Schauspielerei kam und eigentlich im Kampfsport zu Hause ist. Sein Vater war ein bekannter Kampfkünstler und obendrein Begründer des hawaiianisch/chinesischen Mix-Stils Wun Hop Kuen Do. Dacascos lernte früh kämpfen und konnte sein Talent auch später in den Film einbringen. Seinen ersten aufsehenerregenden Erfolg feiert er schließlich in Christophe Gans' „Crying Freeman“.

Dacascos gehört ohne Frage zu den wenigen US-amerikanischen Darstellern die ihren Körper genauso beherrschen und einsetzen können wie ihre Kollegen aus Asien. Dacascos bewegt sich grazil und elegant, schlägt aber im richtigen Moment kraftvoll zu. Die zahlreichen Actionszenen sind ihm geradezu auf den Bauch geschrieben und glänzen teilweise mit originellen Einfällen: Beispielsweise erinnert der Kampf zwischen Tobey und einen mit Elektrostäben bewaffneten Schlägertrupp akustisch an die Lichtschwertduelle aus „Star Wars“.

Andererseits merkt man auch das Dacascos kein wirklich guter Schauspieler ist, wenn es um Mimik und Ausstrahlung geht. Wirklich überzeugen kann er eigentlich nur wenn er die Fäuste sprechen lässt, bei den Dialogen hapert es dann doch etwas. Die kleine Gesangseinlage bzw. das Playback bringt er dafür ganz ordentlich über die Bühne. Sein Partner mit dem losen Mundwerk Kadeem Hardison kann zwar auch nur einschlägige B-Movie Erfahrung vorweisen, agiert an Dacascos Seite aber recht souverän und trägt gut zur lockeren Atmosphäre bei. Die junge Brittany Murphy (Sin City) ist in einer Nebenrolle als flippige Motelangestellte zu sehen, deren Auftritt sagen wir mal ziemlich crazy ist.

Trotz einer Menge positiver Qualitäten ist „Drive“ ein typischer B-Movie Actioner, mit ziemlich bescheuerter Story und unzähligen Klischees. Man muss sich hin und wieder die Frage stellen, ob soviel Unsinn wirklich nötig gewesen wäre um einen passablen Streifen abzuliefern. Ein paar dezent gestreute Sticheleien zwischen Dacascos und Hardison hätten wohl auch gereicht. Klar der Film macht Spaß, es wird aber auch immer wieder sehr deutlich aus welcher Ecke er kommt. Bestes Beispiel sind die zwei Killer die auf Tobey und Malik angesetzt werden, beide sind allerdings viel zu blöd um die Beiden dingfest zu machen. Mal ehrlich, es nimmt den Dumpfbacken doch keiner ihre Rolle ernsthaft ab. Mit der Zeit gehen die Nasen nur noch auf Nerven und tragen kaum nennenswert zum Geschehen bei. Andere skurrile Einfälle des Autors sind so blöd dass sie eigentlich schon wieder lustig sind, wie z.B. die gefakte TV-Show über Einsteins Frosch. Da fragt man sich schon was für Drogen hier den Schreiberlingen verabreicht wurden.

Fazit:
„Drive“ holt aus seinem Mini-Budget einiges raus und stellt zumindest für jeden Actionfilm mit Vorliebe für handfeste Raufereien und etwas Wirework eine klare Empfehlung dar. Die schauspielerischen Defizite lassen sich aufgrund der furiosen Actionorgie leicht verschmerzen und machen den Film nicht zuletzt aufgrund eines blendend aufgelegten Mark Dacascos sehenswert.

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