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Warum nur Rollen spielen, für die man gute Chancen auf einen Oscar hat? Das dachte sich wohl auch Charlize Theron, die eben diesen 2004 für „Monster“ gewann und dieses Jahr eine zweite Statue gewinnen könnte, diesmal für „North Country“. Und nebenbei kommt dann fast parallel zu dem Oscaranwärter der Sci-Fi-Actioner „Aeon Flux“ mit ihr in der titelgebenden Hauptrolle in die Kinos. Doch mit dieser Rolle hat es, ohne Überraschungen, nicht für eine Nominierung gereicht. Denn „Aeon Flux“ ist komplett anspruchsloses, ab und an actionreiches Popcornkino und ließe sich am ehesten als „The Island“ light beschreiben. Dass Charlize trotzdem gut aussieht, ist auch fast schon der einzige Lichtblick bei diesem über weite Strecken langweiligen und völlig inspirationslosen Utopia…

2415: Vor ca. 400 Jahren wurde die Erde durch ein tödliches Virus verseucht, fast das komplette menschliche Leben ging dabei drauf und eine, in Relation zu der heutigen Weltbevölkerung, kleine Gruppe baute daraufhin die Stadt Bregna auf, die isoliert von der restlichen Außenwelt die einzige Chance darauf bietet, zu überleben. Diese wird fast diktatorisch regiert von Trevor Goodchild (Marton Csokas; „The Bourne Supremacy“) und seinen Schergen, während eine Untergrundbewegung, die „Monicans“, versucht, die Regierung zu stürzen. Aeon Flux (Charlize Theron; „Reindeer Games“, „The Italian Job“) erhält dazu den Auftrag, Trevor zu beseitigen. Gesagt, getan - bis sie mit vorgehaltener Waffe vor ihm steht und ihn nicht erschießen will. Sie scheint ihn zu kennen, weiß nur nicht woher; nur er weiß, dass und woher sie sich kennen. Dieses Geheimnis soll sie in den verbleibenden 75 Minuten lüften…

Dem Actionkino ging es letztes Jahr schon alles andere als gut. Totalflops wie „Stealth“ und „Nochnoi Dozor“ waren noch ein Stück schlimmer als Durchschnittsware à la „Transporter 2“ und im Übermaß vertreten und nur ganz wenige Ausnahmen wie „Mr. & Mrs. Smith“ stellten sich dagegen und sorgten für beste Unterhaltung. Auch hier haben wir einen eher mittelprächtigen Start ins Actionjahr 2006. Denn im Gegensatz zu dem oben schon angesprochenen „The Island“ fährt unsere schöne Actionheldin und ihr Team noch eine Stufe weiter zurück. Weniger Action, noch weniger, praktisch kein, Anspruch und weniger Auseinandersetzungen mit dem Thema Klonen.

Klonen also, mal wieder… Da greife ich schon einiges voraus, dennoch beschleicht einen von Anfang an das Gefühl, dass es in die Richtung driften wird, denn sonst bräuchte der Film nicht unbedingt 400 Jahre in die Zukunft zu springen. Zudem ist der Klon-Aspekt nur des Rätsels Lösung, wird nicht hinterfragt, an sich auch kaum beschrieben (nur in einer kleinen Szene) und nur in den letzten fünf Minuten wird sich gegen ihn ausgesprochen, ohne Begründung und es reduziert sich fast auf „Klonen ist schlecht“, nur etwas netter verpackt.

Aber Anspruch haben wir auch gar nicht erst erwartet. Die Filmversion der MTV-Animationsserie aus den 90ern steht auch nur für eins, und genau das dürfte auch der einzige Grund sein, warum man sich hier ins Kino verirrt: der optische Aspekt, gleich in mehrfacher Ausführung.
Da wäre zu allererst die Action.
Arbeiten wir von schlecht zu gut: das Problem an der Sache ist die zu gering ausgefallene Dichte der Actionsequenzen. Immer wieder werden diese durch zu lang geratene, teils banale Redereien unterbrochen. Wenn die Charaktere dadurch mehr Tiefe bekommen hätten, wäre das zu verschmerzen, aber die bleiben, mit kleiner Ausnahme von Aeon Flux, alle Abziehbilder.
Wenn es dann doch mal kracht, dann aber richtig und vor allem recht abwechslungsreich. Nicht Michael „Alles fliegt einem um die Ohren“ Bay-Stil, aber dennoch ist die Action klar das Highlight des Films. Während Aeon anfangs noch hinterrücks einige Soldaten, die allesamt gleich aussehen und nur Dekoration zum Töten darstellen, ermordet (in guter alter Genickbruchmanier), greift sie alsbald auch zur Waffe. Doch selbst dann bleibt noch Zeit für einen Zickenfight in der Bücherei, gewagte Sprung- und Turnaktionen und einiges an Sprengstoff. Ergänzt wird das Ganze durch einige kleine, visionäre Spielereien.
Das Handy im Ohr und generell das Kommunikationsmittel „im interaktiven Chatroom“ (so oder so ähnlich) sind da fast Beigabe, aber die kleinen Sprengstoffkugeln sind da schon etwas Feineres. Fragt man sich anfangs noch, was Aeon da die ganze Zeit durch die Gegend schmeißt, als sie sich langsam Trevor in dessen Zittadelle nähert, weiß man es spätestens, wenn Aeon in der Zelle gefangen sitzt und pfeift, woraufhin sich die Kugeln langsam in Bewegung setzen, sich an die Zellenwand heften und sie mal eben aufsprengen.
Daneben sind die Akrobatikeinlagen durch den schönen Garten des Hauses perfekt choreographiert und mit einigen Fallen versehen („Hände weg vom Gras“…). Bei solchen Aktionen zeigt sich Aeons Agilität, die sie auch braucht, um flink den Widersachern auszuweichen, die ihr gerade zum Ende hin in einer großen Überzahl gegenüber stehen. Da werden Rädern und Salti geschlagen, ein Flick-Flack hier und da oder es wird sich blitzschnell geduckt, um Schläge ins Leere laufen zu lassen. Auch hier ist alles bis ins kleinste Detail hervorragend choreographiert.
Auch die Tatsache, dass man später (laut der dargelegten Vision der Regisseurin Karyn Kusama („Girlfight“) und der Drehbuchautoren), sofern man es verlangt und nicht wie Aeon auf Schuhe steht, seine Füße durch Hände ersetzen lassen könnte, kommt einem gewissen Ideenreichtum zugute. Denn wozu so was alles gut sein kann, demonstriert die Trägerin Sithandra (Sophie Okonedo) des Öfteren auf eindrucksvolle Weise.
Was in actionbetonten Szenen dann aber leider negativ auffällt, ist der hektische Schnitt. Um die Gewalt etwas abzuschwächen, da man wohl um jeden Preis die PG13-Freigabe wollte, schnitt man die Szenen so schnell, dass kaum noch erkennbar ist, wo gerade welcher Wirbel ausgerenkt oder Knochen gebrochen wird. Auch verzichtete man anfangs fast komplett auf Blut, bis man zum Ende hin den roten Lebenssaft wenige Male zum Einsatz kommen lässt. Da bekommt man dann, allerdings auch nicht besonders zahlreich und ausufernd, blutige Einschüsse zu sehen. Dagegen stehen dann allerdings einige etwas härtere Szenen, wie der Ohrring oder die Glasscherbe, was die Frage aufkommen lässt, warum nicht die ganze Zeit etwas härter zur Sache gegangen wird.
Um die Optik abzuschließen nur noch kurz am Rande, was eigentlich nicht erwähnungswürdig ist, da das klar sein sollte: Charlize Theron wird in ihren engen, wenig Stoff benötigenden Kampfanzügen ähnlich gut hervorgehoben wie Kate Beckinsale in „Underworld“. Ab und an wird dann auch mal das Kostüm gewechselt (oder ganz weggelassen), sodass auch in dieser Hinsicht nie Langeweile aufkommt.

Da hätten wir gleich die Überleitung zu den Schauspielern - angefangen bei Charlize Theron, die sichtbar unterfordert ist, ihre Untergrundkämpferin darzustellen. So vielschichtig wie in ihrer Oscarrolle in „Monster“ wird der Charakter der Aeon Flux nie, doch bleibt ihr Charakter wenigstens noch der meistausgearbeitete, denn im Gegensatz zu ihr ist der Rest, wie schon die eintönigen Soldaten, früher oder später nur Kanonenfutter und Oren (Jonny Lee Miller; „Trainspotting“) der ganz böse Bösewicht (gähn), während Trevor sich mit ihr verbündet und sie gemeinsam rebellieren dürfen. Deren Vergangenheiten werden als einziges etwas beleuchtet, was aber auch nötig ist, um die Story nicht in sich zusammenbrechen zu lassen, für einen richtig ausgeprägten Charakter reicht es aber bei niemandem.

Damit hat man nichts Halbes und nichts Ganzes. Als Kritik an der Genforschung ist das ganze Thema deutlich zu unausgearbeitet und nur am Rande erwähnt; als reiner, belangloser Actionfilm fehlt noch etwas mehr Action, die aber immerhin sehr abwechslungsreich ausfällt; als einfache Zukunftsvision hat man das schon zu oft gesehen. Optisch in jeder Weise hervorragend (der Großteil der Effekte; Charlize Theron selbst; die Actioneinlagen und die „Zukunftsaccessoires“), ist der Rest einfach zu unspannend und langweilig, sodass der Film nicht mal die knapp 90 Minuten unterhalten kann, weshalb er nicht mal als reiner Unterhaltungsfilm herhalten kann. Hoffentlich kommt das Actionkino dieses Jahr noch in Fahrt. Denn nicht ganz zu Unrecht ging der Film am Box Office komplett baden und spielte nicht mal das Budget ein. Hier stehen einige sehr unterhaltsame Szenen recht langweiligen gegenüber und somit landet der Film leider nur im Durchschnitt. Aus der Videothek kann man ihn sich aber bei Gelegenheit trotzdem mal ausleihen…

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