Review

Es gibt Filme, an die man sich gern erinnert und manche, die einem als extrem schlecht in Erinnerung geblieben sind, problematisch wirds aber erst, wenn man einen Film sieht, an den man sich zwei Wochen später kaum noch erinnern kann, so daß z.B. an dieser Stelle eine Kritik notgedrungen ausfallen muß.
Also drei Jahre später lieber noch einmal sehen, ob man beim ersten Mal nicht etwas übersehen hat und - nein, wirklich nicht der Rede wert.

Dabei gibt es gerade aus deutscher Sicht so einiges zu erwähnen, wurde dieser Film doch mal nicht komplett am Computer errichtet, sondern profitiert zu einem gewissen Teil von der modernen Berliner Architektur als fremdartig moderner Kulisse, gepaart mit darum gruppierter Natur und Parks. Allerdings funktioniert diese Fußnote auch nur zu einem gewissen Teil, denn was stattfindet ist nun mal wichtiger als der Ort, wo etwas stattfindet.

"Aeon Flux" war ursprünglich eine Animationsserie, die hierzulande auf MTV eine gewisse Popularität erreichte, aber 2005 schon praktisch wieder vergessen war, weswegen eine Realverfilmung zumindest etwas an Fragwürdigkeit aufwies. Charlize Theron beging dann auch passenderweise den Fehler, nach ihrem Oscargewinn mal eine Actionheroine spielen zu wollen (man nennt das auch die Nicolas Cage-Zwickmühle) und übernahm die Hauptrolle.
Das allerdings hätte sie besser lassen sollen, wenn sie nicht darauf aus war, nur gut und durchtrainiert auszusehen und mit steinernem Gesicht ein fernes Utopia zum Einsturz zu bringen, denn viel mehr kann sie hier kaum tun.

Für Regisseuse Karyn Kusama war es nach dem allseits anerkannten "Girl Fight" der Sprung in die Big-Budget-Liga, doch es spricht einiges dafür, daß man sich auf seinen eigenen unverwechselbaren Stil verlassen sollte und nicht auf ein 10-Seiten-Skript (reduziert auf den Inhalt) mit großen Schauwerten.
Hier müssen uns wieder mal Titeltexttafel und Voiceover über die Gegebenheiten aufklären, die dazu geführt haben, daß sich das nach einer weltweiten Virusinfektion auf ein letztes Prozent reduzierte Überbleibsel von Menschheit in eine abgeschottete Stadt zurückgezogen hat, die seit drei Jahrhunderten von einer Familie namens Goodchild geführt wird, während draußen vor den Toren die Natur sich den Planeten zurückerobert hat.
Doch natürlich gibts gegen derlei ideale Zustände Widerständler, also heißt es mal wieder Rebellen gegen Staatsmacht, weil diverse Leutz von der Straße verschwinden und viele Leute seltsame Träume haben, die offenbar in unserer Zeit und Realität spielen. Auftritt Aeon Flux, die superschlanke und extrem flexible Heroine, die es sich zum Ziel gemacht hat, die bösen Goodchilds zu stürzen.

So einfach ist es dann zwar doch nicht, aber das bißchen an Twists, das die Handlung noch zu bieten hat, ist leider genauso erprobt wie verbraucht und daß es letztendlich hier um das Problemthema Klonen geht, ist auch auf lange Sicht mehr ein Mittel zum Zweck.
Z.B., um die frisch brunettierte Theron in abgefahrenen Kostümkreationen durch die Szenerie wandeln zu lassen (in ihrem Kampfanzug sieht sie animeintern wenigstens halbwegs authentisch aus) und große Kulleraugen zu machen, während sie das Publikum im Voiceover wirklich jeden zweiten Gedanken mitteilt, als würden die Bilder den Rest nicht tragen.
Tun sie eigentlich auch nicht, denn zwar kommt die Architektur erfrischend futuristisch rüber, aber weder bekommt man einen fokussierten Überblick, wo man sich jetzt und in was befindet, noch wirkt es sonderlich eindrucksvoll, wenn Flux versucht, in einen Regierungssitz einzudringen und dabei über Grassoden und Blumenrabatten turnen muß, die sonst tödliche Fallen wären.

Ein bißchen Einfallsreichtum ist schon dabei (gräserne Klingen etwa), aber letztendlich ist das alles kaum spektakulär und bleibt im Wesentlichen immer relativ unwichtig, da unsere Heldin meisten zwei bis neun Alternativpläne in der Tasche, im Auge, im Arm oder im Blutkreislauf hat und die Wachen stattdessen unerklärlicherweise immer mit metallenen Druckluftbolzen schießen. Ein bißchen Martial Arts, einige Shootouts, aber niemand sticht großartig aus der Produktion heraus, die ihren beliebten Systemsturzplot ohne einen wirklich aktuellen gesellschaftlichen Bezug auf die Beine stellt, der für ein erfolgreiches und ansprechendes Dystopia nun mal unverzichtbar sind.
Durchschnittsgesichter ohne großes Profil in einem Machtverschwörerplot, den man auch ohne SF reizvoller hätte bewerkstelligen können.

Dagegen gehen die positiven Aspekte fast ein wenig unter: eine kampferprobte Kollegin von Flux, die sich statt ihrer Füße ein zweites Paar Hände hat implantieren lassen; Aufträge und Kommunikation via Bewußtseinskontakt, akustisch gelenkte Kampf- und Sprengperlen, das alles hat seinen gewissen Reiz, bleibt aber unter der relativ kalten Oberfläche einigermaßen reizlos zurück, während die Fetishfreunde mittels der vorgeführten Kostüme wenigstens ein paar kreative Anregungen für den nächsten Ball bekommen.
Immerhin kann der Film mit Kuriositätenwerten wie eben den realen Locations und einer komplett verfremdeten Atmosphäre futuristischer Natur punkten, was ihn von den vielen post-atomaren Restgesellschaften abhebt, der zentrale Plot Point um das Klonen und die Zeugungsfähigkeit bleiben jedoch ein narratives Zubrot, das kaum an erster Stelle der Motivationsliste auftaucht.
Daß der Höhepunkt eine reizarme Ballerei ist, auf die man wohl aus Money-Shot-Gründen noch einen Flugschiffabsturz gesetzt hat, ist da schon mehr als signifikant.
Es genügt also nicht mehr, ständig von Emotionen zu reden, man muß sie auch transportieren können und dazu braucht man nun mal Darsteller, Gesichter, Schauspielerei und Gefühl. "Aeon Flux" hat dafür - Drehorte! (3/10)

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