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Wenn ein Deutscher sich seine Familienfotos ansieht, sieht er seinen Großvater, der war Bäcker. Der hat immer Rosinenbrötchen mitgebracht, wenn er zu Besuch kam. Oder seine Tante, die mal beim Rudern über Bord gegangen war.
Aber sieht sich ein Jude seine Familienbilder an, sieht er nur Bube, Dame, König, Ass - Teresienstadt, Ausschwitz, Karakas und Verschollen.
Deutsche und Juden haben die gleiche Geschichte aber erzählen sich nicht die gleichen Geschichten.

Ein ganz gewöhnlicher Jude - ein Meisterwerk moderner Filmkunst. Emanuel Goldfarb, seines Zeichens Schreiber und Soziologe, erhält eine Einladung, als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft an einer Schulstunde einer achten Klasse teilzunehmen. Beim Nachgrübeln gerät er in Konflikt mit sich selbst, seinem jüdischen Deutschsein oder seinem deutschen Judentum.

"Ausschwitz werden die Deutschen den Juden nie verzeihen", denn die Juden lösen Schuldgefühle aus. Emanuel Goldfarb hat es satt, als Beispiel der Vergangenheit herumzulaufen, bei welchem sich alle entschuldigen müssen.

Diese Einladung, so scheint es ihm, sei so, als würde man ein Forschungsobjekt haben wollen. Man könne genauso gut in den Zoo gehen und Nashörner begutachten, denn auf die wurde auch geschoßen und jetzt tut es allen Leid.

Ein interessantes Gesellschaftsdrama, in dem die Rolle und vor allem die Identität des Juden, genau wie seine Gefühle in der heutigen Zeit eine große Rolle spielen. Die deutschen wollen sich offiziell für den Holokaust entschuldigen und meinen, wenn sie ihm predigen, wie schlecht und schlimm alles damals war, sei alles wieder gut gemacht.

Doch das ist es nicht.
Er will einfach nichts mehr damit zu tun haben.

Ein großartiger Film, wenn auch ein Film der etwas anderen Sorte.

"Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einem Philosemitisten und einem Antisemitisten ist? Der Philosemitist umarmt - der Antisemitist würgt. Und bei beiden bleibt mir die Luft weg."

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