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Obwohl „Disney“-Produktionen bisweilen versuchen, sich von ihrem Image der familientauglichen Unterhaltung abzulösen (siehe „Das Vermächtnis der Tempelritter“), kommt doch ab und zu auch noch ein solch herziger Film wie „Antarctica – Gefangen im Eis“ heraus. Regisseur Frank Marshall durfte lange Zeit nach „Überleben!“ wieder in Schnee und Eis drehen, nur haben sich diesmal die Voraussetzungen geändert: Das Remake des Films „Nankyoku Monogatari“ (1983) wartet mit Huskies als Hauptdarsteller auf, was die Kommunikation in „Antartica“ deutlich begrenzt und die blassen menschlichen Darsteller erklärt.

Zur Story: Polarforscher Jerry tritt am Südpol kurz vor Ende der Saison mit dem Geologen Dr. McClaren, welcher ein seltenes Gestein finden will, noch eine Expedition an. Unterwegs kommt ein Sturm auf und McClaren wird verletzt. Einzig den acht Huskies, welche den Schlitten zogen, ist es zu verdanken, dass die beiden überhaupt zur Polarbasis zurückfinden. Als die Basis dann aufgrund des Sturmes evakuiert wird, müssen die Hunde jedoch zurückgelassen werden. Jerry versucht alles, sie aus der eisigen Hölle zu retten…

Die erste halbe Stunde um den Ausflug in der Antarktis ist leidlich spannend geraten, danach geht es jedoch bergab. Nachdem die Hunde zurückgelassen worden, darf dann Paul Walker immer wieder bangen und drängen, während – und das ist wirklich packend – die Huskies ums Überleben kämpfen. Das Schicksal der Huskies geht dem Zuschauer wirklich zu Herzen, da sie in ausgedehnten Episoden in ihren Blicken und Gefühlslagen beinahe schon menschliche Züge annehmen. Die Tiere bzw. die Tiertrainer lieferten also tolle Arbeit ab, was man vom menschlichen Ensemble nicht behaupten kann. Das ist schon bezeichnend genug: Während die Huskies rührendes Mitgefühl erzeugen, lassen die eindimensionalen Charaktere der menschlichen Schauspieler völlig kalt. Während der tierische Überlebenskampf durch ein paar herzige und einen gruseligen Einfall (der Auftritt des Seeleoparden ist zum Fürchten) mit überwältigenden Naturaufnahmen aufwartet, gerät die Parallel-Handlung um die moralisch verantwortliche Rückkehr und Rettung der Huskies allzu banal und tritt auf der Stelle. Der Kitschfaktor ist dabei ebenso zu vernachlässigen wie die einem Wechselbad ähnelnde, unentschlossene Stimmung des Films, welche besonders durch die etwas unglückliche Musikuntermalung von Mark Isham („L.A. Crash“) zwischen Komödie und Tragödie schwankt. Bruce Greenwood ("Capote") als strebsamer, aber verantwortungsbewusster Geologe bleibt blass und auch Paul Walker („The Fast and the Furios“) dürfen nach ebenso simpler, stereotyper Charakterzeichnung über beinahe die gesamte Laufzeit des Films nur am Ende ein paar Tränen über die Wange kullern. Einzig Jason Biggs („American Pie“) lockert das ganze Einerlei als durchgeknallter Kartograph mit ein paar witzigen Einlagen etwas auf. An dem mediokren Gesamteindruck von „Antarctica“ kann auch die zurückhaltende Inszenierung von Frank Marshall nichts mehr viel ändern.

Fazit: Tolle Tiere und überwältigende Naturaufnahmen entschädigen nicht für das unausgegorene, löchrige Drehbuch. „Antarctica – Gefangen im Eis“ ist leidlich spannend, doch während der in Episoden erzählte Überlebenskampf der acht Huskies fesselt, animiert die Parrallelstory um die Rettung der Tiere in ihrer Banalität nur zum Gähnen. Eine klare Empfehlung für Tierliebhaber, aber dem Normalzuschauer dürfte das herzige Eis-Spektakel mit einer Laufzeit von knapp 2 Stunden etwa eine halbe Stunde zu lang vorkommen.

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