England, 1694: Der arrogante Künstler Neville wird von der wohlhabenden Mrs. Herbert engagiert, um in der Abwesenheit ihres Ehemannes zwölf Zeichnungen ihres Familien-Landsitzes anzufertigen. Bevor er den Auftrag annimmt, lässt sich Neville neben der Höhe der Bezahlung sowie freier Kost und Logis zudem vertraglich zusichern, dass Mrs. Herbert ihm für die Dauer seines Aufenthalts ohne Aufzumucken sexuell gefügig sein muss. Als er die passenden Perspektiven auf das Haus ausgewählt hat und er mit seiner Arbeit beginnt, stellt Neville fest, dass sich von einem Tag auf den andren entgegen seiner strikten Anweisung kleinere Veränderungen innerhalb seiner Motive stattfinden, die er stur auf seinen Zeichnungen festhält... Details, die schließlich Hinweise darauf zu liefern scheinen, dass Mr. Herbert das Anwesen niemals verlassen hat und vielleicht sogar ermordet wurde. Doch von wem? Ein "Kunstfilm", im wahrsten Sinne des Wortes: Ebenso gestreng kadriert wie die Zeichnungen des Protagonisten sind auch die Bilder, mit denen Peter Greenaway seine mehr als nur doppelbödige barocke Farce erzählt, die schließlich gar in ein beinahe schon Agatha Christie-likes Whodunit?-Mystery ohne befriedigende Auflösung mündet, was in diesem Fall aber kein Manko ist. Statt um vordergründige Krimi-Spannung geht es hier um die so amüsante wie bissige Demontage einer nur vermeintlich feinen Gesellschaft, bei der hinter der blitzblanken Fassade aber doch nur Trieb und Dreck lauern und so manche Intrige gesponnen wird... und bei der in einem Rutsch gleich noch eine Themenvielfalt abgehandelt wird, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde. Als Komödie mit pointierten Dialogen überzeugt "Der Kontrakt des Zeichners" dabei ebenso wie als historischer Kostümfilm mit akkuratem Zeitkolorit und dezenter Mystery-Streifen, es ist schon beeindruckend, wie Greenaway die verschiedenen Sujets unter einen Hut kriegt ohne sich zu verhaspeln. Was unterhalb der simpel erscheinenden Handlung an komplexer Struktur und Konstruktion verborgen liegt und die schiere Menge an Information, die subtil zwischen den Zeilen gereicht wird, machen ein mehrmaliges nicht-nur-AnSCHAUEN, sondern ein tatsächlich konzentriertes AnSEHEN (in Anlehnung an die Catchphrase von Wolfgang M. Schmitt, Grüße gehen raus) eigentlich unabdingbar, um sich "Der Kontrakt des Zeichners" wirklich in seiner Gänze zu erschließen... sofern man denn Bock und Muße hat, sich an so einem verstiegenen Werk abzuarbeiten.
10/10