Review

Unter der Regie von Sergio Martino ("Der Killer von Wien", "Der Schwanz des Skorpions", "Torso",..) entstand im Jahr 1975 dieser wunderschöne Genremix aus Polizeifilm und Giallo der der auch mit durchaus humorigen Szenen (ab und zu sogar mit regelrechten Slapstick Einlagen) daherkommt.

Zur Story: Eine Prostituierte wird, nachdem sie mit unserem Hauptprotagonisten Paolo Germi das Tanzbein geschwungen (und sich ihm gegenüber dabei trotzdem sehr unfreundlich benommen) hat von einem unfreundlich dreinblickenden Zeitgenossen (der mich aufgrund seiner stylischen Brille und seiner blonden Haare verdammt an Klaus Kinski in "Die Toten Augen von London" errinert) verfolgt, gewürgt und schließlich per Kehlenschnitt aus dem Film gedrängt. Die Polizei ermittelt eher schlecht als recht, beschäftigt sich lieber mit Fussball-Toto und der Kommissar lässt sich sogar den Aktenkoffer stehlen (so ein Trottel!). Angesicht solcher staatlichen Inkompetenz entschließt sich unser Freund Germi das Recht selbst in die Hand zu nehmen und geht dem Tod des Mädchens auf die Spur.....warum eigentlich? Aber das würde schon zu viel verraten und ich möchte nicht spoilern, also lass ichs auch.

Martino hat hier einen äußerst unterhaltsamen Film geschaffen der durchgehend spannend, amüsant und gut inszeniert ist. Einige Szenen (z.B.: die Autofahrt von Germi und Carmela (Lia Tanzi)) erinnern frappant an Argentos "Profondo Rosso". So auch die Sterbeszene der Vermieterin (die Angesicht ihrer vorhergegangenen Badeszene allerdings nur gerecht ist....wer denn Film kennt, weiss was gemeint ist....einfach gruselig, das!). Und auch der Soundtrack von Luciano Michelini errinert an den Score des im gleichen Jahr erschienenen Meisterwerks. Aber im Endeffekt stört das kein bisschen, da die zwei Filme sonst eigentlich nichts miteinander zu tun haben.

Die Story überzeugt, da passiert eigentlich ständig was, ohne das man die Übersicht verliert. Schön fand ich, das man lange Zeit über Germis Intention zu ermitteln im Unklaren bleibt. Hätte mir nicht gedacht, dass der Mann so einem Beruf nachgeht......sehr schön, wirklich. Und des Klassenkämpfers herzt blüht schließlich auf, seine Augen leuchten, wenn es am Ende diesem widerlichen Bankier an den Krangen geht....man kann eben nicht alles kaufen. Hoch das Proletariat!

Martino inszeniert einmal mehr wirklich klasse. Ob das nun die Schießerei auf der Achterbahn, die anschließende Verfolgungsjagd zu Fuß (wirklich toll geschnitten) oder irgendeine andere Szene ist: Da passt (fast) alles. Und auch die Schauspieler können überzeugen.


Germi, toll von Claudio Casinelli ("Der Tod trägt schwarzes Leder") verkörpert, wirkt wie die intelektuelle Ausgabe von Maurizio Merli (ohne Schnauzbart, dafür mit Brille) und auch die restlichen Schauspieler wissen zu gefallen. Manche Schauspieler kennt man als Italo-Kino Fan auch anderswoher, so z.B: Franca Scagnetti und Barbara Magnolfi aus Dario Argentos Suspiria. Ivan Rassimov taucht nirgendwo auf....ich hab ihn vermisst! Edwige Fenech noch mehr....
Nur Adolfo Caruso als Germis Sidekick Giannino finde ich streckenweise etwas "zu" lustig, womit auch beim Hauptkritikpunkt des Films wäre:

Nicht das die die Witzchen und Slapstick-Einlagen schlecht wären (Germis ständig zu Bruch gehende Brillen samt anschließender Fluchorgien fand ich höchst unterhaltend und auch z.B: den Pirouetten drehenden Fußgänger fand ich, zumindest beim ersten mal anschauen, lustig) - nur passen sie meiner Meinung nach absolut nicht in den Film und nehmen ihm viel von seiner Stimmung. Vorallem die - zugegeben lustige - Verfolgungsjagd in der Mitte des Films wirkt wie ein Fremdkörper. Ich denke, "Morte Sospetta..." wäre, wenn Martino auf einen Teil der Comedy-Szenen verzichtet hätte, ein noch besserer Film geworden. Andere sehen das vielleicht wieder anders.

Nützt nix, ein hoch unterhaltsamer Film allemal, viele schöne Sachen drin, gute Schauspieler, schöne Musik, bisschen Gewalt, Humor, gute Story, niemals langweilig.
Kaufempfehlung, nicht nur für Freunde des italienischen Genrekinos, weil einfach gut. Das.
NEUNVONZEHNPUNKTEN. Punkt.

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