Review

Konfusion um halb 12


Dieser verkappte Sergio Martino ist ein seltsamer Querschläger. Vor allem die erste Hälfte wirkt verwirrend bis überfordernd. Doch wenn sich dann die Stricke zusammenziehen und Teile zusammenfügen, muss man auch diesem Poliziotto seine Klasse zugestehen. Selbst wenn/oder gerade weil komödiantische Slapstickeinschübe für noch mehr Stirnrunzeln sorgen können. Jetzt übrigens gerade auf Netflix zu erhaschen. Ungewöhnlich. Erzählt wird von einem rebellischen Kommissar mit seltsamen bis illegalen Methoden, der den Mord an einer jungen Prostituierten genauer unter die Lupe nimmt, dabei auf fiese Verstrickungen in die obersten italienischen Gesellschaftskreise stößt…

Dass dieser schrullige Krimi noch nichtmal einen deutschen Titel besitzt, gar nie hierzulande oder wirklich international die Bahnhofskinos unsicher machte, spricht schon Bände über seinen Aussenseiterstatus. Doch das nimmt natürlich nichts von seiner Qualität und erst recht dem Neugierfaktor. „Too Young To Die“ ist verschachtelt und unnötig kompliziert gestaltet, was vielen den Zugang erschweren wird. Und die Hauptfigur handelt arg grenzwertig und sieht dem Killer auch noch erstaunlich ähnlich. Plus die komödiantischen Einlagen sind mehr als ungewöhnlich in dieser Klarheit (auch wenn ich beim doppelten „Headspin“ des Passanten bei der Autoverfolgungsjagd laut lachen musste). Und all das addiert sich dann dennoch und trotz einer Art Buckelpiste zu einem interessanten Vexierspiel. Aus Macht und Missbrauch, aus Mord und Männersachen, aus Machos und Monopolen. In seinen Auswirkungen und Aussagen näher an Kurosawas „High & Low“ als am üblichen Italokrimi. Zudem erinnert der Score schön an Goblin und die Bildsprache ist stilvoll bis schlicht extraklasse. Und er hat obendrauf gehörig Wiederspielwert. Da kann man kaum meckern. Chance nutzen und entdecken!

Fazit: Martinos komischster Genrebastard. Kein Giallo, kein Krimi, etwas Komödie, etwas Action. Verzerrter Blickwinkel mit dem mindestens zwielichtigen Protagonisten. Eckig, fleckig, scheckig, dreckig. 

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