Der Film fängt an wie ein typischer Giallo und bleibt auch zuerst in diesem Genre. Nach der ersten etwas überraschenden Wendung, bei der die Identität eines Charakters bekanntgegeben wird, entwickelt er sich aber immer mehr zu einem Poliziotteschi. Ab dann stehen die Polizeiermittlungen im Vordergrund. Der Killer mit dem Messer ist schon am Anfang gut erkennbar, da es für die weitere Handlung gar nicht besonders wichtig ist, wer er ist. Deshalb ist es nicht der typische Giallo, den man nach dem Anfang vielleicht erwartet, denn dort kommt der Wechsel vom Giallo zum Poliziotteschi, der schwungvoll in einer witzigen Szene erfolgt.
Claudio Cassinelli, der den ermittelnden Kommissar spielt, gibt fast eine One-Man Show ab, wenn da nicht Adolfo Caruso wäre, der einen Kleinganoven spielt und ihm hilfreich zur Seite steht. Er sieht aus, wie der typische Loser aus einer Italo-Komödie. Komödie ist auch das richtige Stichwort, weil man manchmal denkt, es läuft eine Italo-Komödie, was jetzt nicht nur an Adolfo Caruso liegt. Man setzt nicht nur auf lustige und zynische Sprüche, sondern zeigt auch witzige Szenen, wie z.B. das Auto, dessen Tür kaputt ist, was man sich wohl von Profondo Rosso abgeschaut hat. Nur eine kurze Szene finde ich etwas unpassend, denn die geht schon in Richtung Slapstick, der hier nicht reinpasst. Ansonsten ist der Mix aus ernstem Poliziotteschi und Italo-Komödie genial gelungen. Der Running Gag mit der Brille des Kommissars hat mich immer wieder zum Lachen gebracht.
Bei der Filmmusik dreht man schon nach den ersten Sekunden lauter. Man hat sofort das Gefühl, hier wieder einen geilen Italo Soundtrack zu hören. Klingt viel nach Goblin und etwas Stelvio Cipriani, wurde aber komponiert von Luciano Michelini, der mir vorher nie aufgefallen ist, da er nicht viele Filmsoundtracks komponierte. Bei diversen anderen Sergio Martino Filmen war seine Musik ebenfalls zu hören.
Die Kameraarbeit muss man ebenfalls loben. Es gibt paar interessante Einstellungen zu sehen und die Mord- und Actionszenen sind immer übersichtlich gefilmt und nicht hektisch geschnitten.
Die Darsteller sind passend besetzt und überzeugen bis in die kleinsten Nebenrollen, wie z.B. Mel Ferrer, der in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist. Mit großem Abstand ist aber Claudio Cassinelli als Hauptdarsteller am besten. Ich würde behaupten, es ist seine beste Rolle. Er tritt clever und zielstrebig auf, und mit seinen Sprüchen sorgt er für einige Lacher. Ständig unter Dauerfeuer bei seinen Vorgesetzten, andauernd in Action bei einigen turbulenten Szenen, sorgt er jederzeit für gute Laune. Wenn es ernst wird, überzeugt er ebenfalls, ganz besonders am Ende. Das eher kurze und unspektakuläre Finale gefällt mir richtig gut, vielleicht auch deswegen, weil es so einfach, aber realistisch inszeniert ist. Es schließt den Film perfekt ab. Ich war schon irgendwie traurig, als plötzlich etwas überraschend der Abspann folgte. Bei so einem flotten Filmtempo und so einer schwungvollen Inszenierung, hätte mich eine Laufzeit von zwei Stunden nicht gestört.
Der Film zeigt am Ende, wie gut der ganze Mix aus ernsten Szenen und Witz, über die gesamte Laufzeit bestens funktioniert hat. Trotz manchmal lockerer Stimmung und lustigen Szenen, nahm man die Darsteller und die Handlung um tote Prostituierte immer ernst.
Fazit: Genialer Mix aus Giallo, Poliziotteschi und Italo-Komödie. Ein Highlight unter den Italo Filmen.