Greetings, my friend. We are all interested in the future, for that is where you and I are going to spend the rest of our lives. And remember, my friend, future events such as these will affect you in the future.
Philosophischer hätten es selbst Kant & Co nicht ausdrücken können: Das Zukünftige wird unsere Zukunft beeinflussen… Recht hatte der Wahrsager Criswell ja schon mit seinen einführenden Worten zu „Plan 9 from outer space“. Sowohl global - auf das Leben der Menschheit bezogen - als auch in Bezug auf den darauf folgenden Film. Er hat mich und vor allen Dingen meine zukünftige Betrachtung von Filmgut nicht gerade unwesentlich verändert…
My friend, can your heart stand the shocking facts of grave robbers from outer space?
Hmmm… ja, aber selbstverständlich! Auch wenn mein Herz bei diesen außerirdischen Grabräubern ein ums andere Mal den wohl nicht so gesunden Sprung zwischen freudiger Verzückung und tiefschürfender Empörung begeht. Ja, ich fühle mich stark genug, diesen 79minütigen Exkurs in die Abgründe filmischen Schaffens anzutreten!
Der posthum zum schlechtesten Vertreter der Regie-Zunft auserkorene Edward D. Wood Jr. erschuf mit „Plan 9 from outer space“ den angeblich schlechtesten Film aller Zeiten. Einen Film, in dem die Geschichte von Außerirdischen erzählt wird, die mit Hilfe des Plans Numero 9 die Weltherrschaft an sich reißen möchten: sie erwecken die menschlichen Toten wieder zum Leben, um die Erdenbevölkerung quasi gänzlich zu Tode zu erschrecken.
Keine Angst… das Grundgerüst dieses Streifens ist nicht das einzige, das auf den ersten Blick absurd erscheint. Es ist sogar bei finaler Betrachtung das einzige, das am gesamten Film einigermaßen durchdacht erscheint:
One thing's sure. Inspector Clay is dead, murdered, and somebody's responsible.
One-Liner wie dieser und denkwürdige Dialoge – sie alle stammen aus der grenzgenialen Feder von Ed Wood, der das Drehbuch zu „Plan 9 from outer space“ angeblich in einer einzigen Nacht schrieb. Und doch ist es tatsächlich nicht das Drehbuch an sich, das dem geneigten Zuschauer die ärgsten Bauchschmerzen bereiten kann, es ist die in vielen Aspekten mangelhafte filmische Umsetzung des Stoffes. Wie wir bereits durch Tim Burtons „Ed Wood“ wissen, war der leidenschaftliche Cineast Edward Wood ein Filmemacher, der bereits mit dem ersten Take einer Szene vollends zufrieden war. Vollkommen gleich, ob im Hintergrund Störfaktoren zu sehen sind, ein Dialog mal nicht so gepasst hat oder einfach mal ein Teil der Papp-Kulissen unmotiviert umkippt. Hauptsache, die Szene war im Kasten! Solche Szenen gibt es in den 79 Minuten „Plan 9“ zur Genüge. Szenen, die so stümperhaft wirken, dass sie schon wieder für unverhohlenes Amüsement beim heutigen Publikum sorgen können. Da erscheint dann auch das Raumschiff der ach so bösen (und doch eher stupide wirkenden) Außerirdischen wie das Vorzimmer einer urdeutschen Bürokratenstube, die Raumschiffe entpuppen sich schnell als an Klavier-Saiten befestigte Cadillac-Radkappen und das Cockpit eines Passagier-Flugzeuges besteht eigentlich nur aus einem Duschvorhang und einigen spärlichen Papp-Armaturen… Der Regisseur legte also offenkundig sehr großen Wert auf die Ausstattung.
Die Leistungen des illustren Casts erweisen sich dann noch als Sahnehäubchen auf dieser Kalorienbombe des Trash-Films: die Horror-Ikone Bela Lugosi verstarb bereits kurz nach Einsetzen der Dreharbeiten, sodass ein Ersatz für ihn gefunden werden musste. Sein Ersatz – ein Lugosi vollkommen unähnlich sehender Laien-Darsteller – stapft vollkommen unambitioniert durch die Kulissen, entweder der Kamera den Rücken zugewandt oder sein Gesicht durch seinen schwarzen Umhang verdeckt. Zumindest in dieser Hinsicht war Wood um kein stilistisches Mittel verlegen… der Zweck heiligt ja bekanntermaßen die Mittel. Schauspielerisch erwähnenswert wären da zudem noch die TV-Moderatorin Vampira, die ebenso wie das Lugosi-Double über die Leinwand stolziert und natürlich der ehemalige Wrestler Tor Johnson, der alles aus sich heraus holt… alles, was man halt so aus einem skandinavischen Fleischklops herausholen kann.
- I've never seen you in this mood before.
- I guess that's because I've never been in this mood before.
In solch einem Gemütszustand war ich nach einem Film tatsächlich noch nie: mir selbst nicht im Klaren, ob ich nun nur noch heulen oder doch in schallendes Gelächter ausbrechen soll. Letzten Endes habe ich mich jedoch für das schallende Gelächter entschieden, denn dieser Film nimmt sich so ernst wie es nur möglich ist und persifliert damit schon im Grunde sich selbst. Dass dann in der finalen Ansprache des Außerirdischen Eros ganz offensichtlich versucht wurde, die moralische Botschaft an jene von „The Day the Earth Stood Still“ anzulehnen, bringt noch einmal einen Extra-Punkt auf der Skurrilitäts-Wertung. „Plan 9 from outer space“ ist Pflichtprogramm für den wackeren Filmfreund, für den Trash-Freund ohnehin. Ed Wood ist ein Film gelungen, der unterhalten sollte und dies auch irgendwie tut… jedoch „leider“ nicht so, wie es sich der Regisseur wohl gewünscht hat.
Bauchgefühl (nach Abklingen der Lachkrämpfe und beeinflusst durch die Wirkung großer Mengen Alkohols): 10/10. Rational (nach Abklingen der alkoholischen Beeinflussung): 1/10. Ergibt wohl verdiente 5,5 von 10 Punkten! Und allen, die „Plan 9 from outer space“ nicht einen gewissen Unterhaltungswert attestieren wollen, schmettere ich mit dem leichten Anflug eines Augenzwinkerns die Worte unseres außerirdischen Freundes Eros entgegen:
You see? You see? You're stupid minds! Stupid! Stupid!