Review

Plan 9 from outer space. Wer sich für den Bereich B-Film bzw. Trash-Film interessiert, der kommt früher oder später an gewissen Filmen einfach nicht vorbei. Plan 9 gilt nicht nur als der Film, den man unbedingt gesehen haben muss, es dürfte auch so ziemlich der bekannteste sein (neben vielleicht noch Troll 2, Battlefield Earth, Turkish Star Wars), wohingegen der Rest relativ underground ist. Plan 9 eilt sowohl sein Ruf voraus, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein, allerdings auch einer der lustigsten (und tatsächlich, ich glaube ich habe noch nie ein Review zu Plan 9 gelesen, wo, auch wenn derjenige noch so über den Film herzieht, nicht mindestens einmal gesagt wird, der Film sei unfreiwillig lustig). Nun ja, normalerweise gebe ich auf das, was andere Leute von einem Film halten, nicht allzu viel (v. a. im Bereich B-Film kann man da schnell von so gut gemeinten Empfehlungen leicht auf die Schnauze fallen). Also mal der Reihe nach:
Die Entstehungsgeschichte ist schon eine Sache für sich. Unter widrigsten Umständen drehte Ed Wood den Film (niedriges Budget, Bela Lugosi tot, permanenter Druck von den Geldgebern, in diesem Fall einer Baptistengemeinde). Ich will gar nicht zu stark drauf eingehen, auf jeden Fall wollte Ed Wood den Film unbedingt abdrehen, koste es was es wolle, sprich, er hat das, was er wollte, auf die Leinwand gebracht, wenn er auch dafür Requisiten oder Sets verwenden musste, die von jedem Zuschauer sofort als Fake erkannt werden können, oder er ließ eine Szene selten wiederholen, auch wenn sie missglückt war. An dieser Stelle merkt man schon, Ed Wood war ein absoluter Enthusiast und ihn hat nichts mehr interessiert als sein jeweils nächster Film.
Drehbuch: Man kann sagen was man will, aber das Drehbuch ist tatsächlich eine absolute Katastrophe mit einem Haufen Logikfehlern. Grundsätzlich geht es ja darum, dass Außerirdische auf die Erde kommen, um den Erdbewohnern zu zeigen, dass sie existieren. Grund: Die Menschen werden bald die Solarbombe erfinden (diese kann die Teile des Sonnenlichts entzünden und damit das gesamte Universum vernichten), was unbedingt verhindert werden muss, entweder friedlich, oder wenn es sein muss, mit Gewalt. Problematisch daran ist nur, dass die Aliens zwei Tote zum Leben (bzw. zu Zombies) erwecken, die dann auch gleich zwei Totengräber umbringen, wobei aber die Frage gestellt werden muss, warum tun die das überhaupt, wenn das, wie später im Film erklärt wird, niemand mitkriegen soll. Außerdem erfährt man nicht genau, ob die Aliens den Menschen jetzt freundlich oder feindlich gesinnt sind, einerseits hören wir die Rede des Alien Eros (sehr guter Name für einen Alien), der sich über die mangelnde Anerkennung der Menschen beklagt (was für feindlich sprechen würde), andererseits landen sie mit ihrem Ufo nahe beim Friedhof und warten darauf, dass die Polizisten, die den Fall mit den toten Totengräbern lösen sollen, bei ihnen vorbeikommen. Auch wird es absolut nicht klar, warum und nach welchen Auswahlkriterien sie Leute umbringen (sollte das nicht eigentlich die Menschen davon abschrecken, mit den Aliens zu verhandeln, sofern sie das wollen?) und auch scheint es keinen Grund zu geben, wie die Menschen überhaupt darauf kommen sollen, dass die Zombies mit den Außerirdischen was zu tun haben, sicher, letztendlich drängt die Erklärung sich auf, zumal ja die Aliens dann bald über Hollywood und so drüberfliegen und jeder sie sehen kann, trotzdem erscheint das Ganze sehr konstruiert. Die Menschen checken es auch nicht, darum gibt der Ober-Alien die Anweisung, ein Zombie soll sich in den Garten von Pilot und Hauptperson (na ja, kann man nicht wirklich so sagen) Trent begeben, wo sie dort den Zombie allerdings via Elektronenstrahl ganz töten, damit es die Menschen merken, dass das wirklich ein Untoter war. Es ist wirklich genauso konfus wie es sich anhört und wirklich logisch kann man das alles nicht nennen, wie gesagt, Ed Wood hatte eben die Einstellung, das wird schon irgendwie gehen und siehe da, die reine Genreverbindung zwischen SciFi und Horror funktioniert meines Erachtens, irgendwie hat Eddi zumindest das bruchlandungsfrei hinbekommen. Vergleichen wir das Ganze mal mit Battlefield Earth, dort gelingt noch nicht mal der Genremix SciFi und Abenteuer, außerdem ist die Handlung dort noch um einiges unlogischer und die Erzählweise deutlich schlechter. Die Erzählweise bei Plan 9 ist gemessen an den logischen Schwächen erstaunlich gut (na ja, gut im Sinne von annehmbar/durchschnittlich), man fragt sich zwar permanent, worauf soll das Ganze überhaupt rauslaufen, aber Eddi schafft es, einen bei der Stange zu halten. Ich war sicherlich nie in der Versuchung, mental abzuschalten, weil mir das Ganze zu verwirrend ist bzw. ich zuerst einen ersten bis sechsten Teil hätte gesehen haben müssen. Trotz seiner Plot-Holes hat man immer das Gefühl, dem Gezeigten folgen zu können. Das ist auch eine Kunst. Weitere Logik-Hämmer oder Ungereimtheiten sind allerdings: Warum unterhält die Regierung ein Büro für außerirdische Aktivitäten, wenn offiziell UFOs nicht existieren und wie kann der General das weiterhin (zumindest vorerst) behaupten, wenn doch UFOs schon von jedem gesehen wurden?? Wenn die Menschen zuerst den (sehr trashigen) Language-Computer brauchen, wenn sie die Eros-Reden anhören, warum können sie im Raumschiff dann einfach so mit ihnen reden? Warum explodiert am Schluss das Raumschiff, wo die Raumschiffe doch auch Artilleriebeschuss aushalten und warum brennt es dann von außen, wenn innen das Feuer ausgebrochen ist? Wo sonst könnte der Chef-Alien seine anderen beiden UFOs brauchen als auf der Erde? Hält Trent es wirklich für eine gute Idee, in einem UFO rumzuballern? Warum haben die Aliens keinerlei Waffen oder so dabei? Warum erwecken sie nur drei Tote zum Leben? Warum können die Bullen (die, die Clay mit dem Prügel umhauen) das blinkende Licht des UFOs nicht schon vorher sehen? Aber wie gesagt, der Film schafft es irgendwie, einen nicht komplett zu verwirren und außerdem, die Grundhandlung (Aliens erwecken Tote und verbreiten Angst und Schrecken) ist zwar schlecht ausgeführt, aber gar nicht so schlecht, wenn sie vielleicht heute doch eher so aussieht, wie die Handlung einer Parodie, ich finde sie aber trotzdem noch okay.
Ausstattung und Sets: Wie gesagt, Ed Wood war es offensichtlich völlig egal (bzw. er meinte, daran stört sich niemand), wenn alles äußerst durchschaubar ist. So ist das Cockpit im Flugzeug nur eine Rückwand mit Duschvorhang, die Steuerknüppel sind offensichtlich aus Plastik oder ähnliches. Der Friedhof ist offensichtlich eine Studio-Kulisse, wobei die Grabsteine sehr klein geraten sind und die Pflanzen nur in den Boden gesteckte Zweige sind. Der ganze Friedhof ist ohne erkennbaren Grund mit Nebel überzogen (sieht man v. a. in den Szenen mit Inspektor Clay). Clays Grab ist ein Blumenbeet mit einem Domino-Stein (schaut es euch an, ich kann es nicht anders beschreiben), die Ufos sind offensichtlich Spielzeuge, das Raumschiff bzw. die Raumstation der Aliens bestehen aus Vorhängen, Schreibtischen, Kofferradios, Messgeräten und sogar einem Baustellenlicht (!), das sogar blinkt (!!), der Heimatplanet ist eine Zeichnung, die uns allerdings zeigt, dass die UFOs fast genauso groß sind, wie der Planet. Die Kostüme der Aliens sind sehr seltsam gestaltet, aber auch sehr lustig, kann man gar nicht so recht beschreiben. Lustig ist auch, wenn man genau merkt, wie klein das Set eigentlich war, z. B. in der Szene, wo Trent zuhause in sein Auto steigt, erkennt man DEUTLICH, dass sein Auto an einer Wand steht (sprich dort ist das Set zu Ende), mindestens einmal kann man sogar den Schatten sehen, den eine Person dort wirft.
Schauspieler: Die schauspielerischen Leistungen sind sicher nicht gut, aber und da möchte ich mich mal weit aus dem Fenster lehnen, auch nicht so schlecht. Der fähigste Mann ist wohl Gregory Walcott (der Pilot Trent), der aber hier auch nicht sehr gut aussieht, aber ihm war wohl klar, bei was er da mitmacht. Tor Johnson kann als Inspektor selbstverständlich nix (zieht sich dafür aber gar nicht so schlecht aus der Affäre), als Zombie ist er aber durchaus glaubhaft, wenn ich aber trotzdem meistens gelacht habe, wenn er im Bild war, irgendwie ist sein Charakter einfach zu dick aufgetragen (außerdem hat er im Blick diesen gewissen Wahnsinn). Genauso Vampira, die zwar auch nicht gut schauspielert, aber immerhin eine gute Screen-Präsenz hat und die Szene, wo sie Clay anfällt, durchaus in Ordnung ist. Extrem hölzern ist der alte Mann, sprich das Double von Bela Lugosi, wobei er als Chiropraktiker natürlich hier ein Laiendarsteller ist und nix kann. Wobei ich aber sagen muss, dass in der Szene, wo er bei Mrs. Trent im Schlafzimmer steht durchaus ein bisschen Spannung aufkommt. Natürlich nicht wirklich, denn dieser Charakter wird schon dadurch der Lächerlichkeit preisgegeben, dass er sich immer den Umhang vors Gesicht halten muss, d. h., selbst wenn er die Frau anfallen wollte, er kann es gar nicht, weil er dann den Arm vom Gesicht wegnehmen müsste. Eddi hat also voll und ganz auf die Erinnerung an Bela Lugosis Wirken als Dracula vertraut und meinte, das Publikum hält auch einen Dracula, der weder Arme noch Zähne verwenden kann für glaubhaft. Die Aliens sind darstellerisch nicht sehr gut, aber sie haben sehr viel Präsenz, immer wenn sie im Bild sind ist man extrem gespannt, was man von den Militärs nicht behaupten kann. Dudley Manlove (Eros) spielt absolut pathetisch ernst (was sehr lustig ist) und die Performance von John Breckinridge (der Chef-Alien) muss man einfach gesehen haben, ich sage es mal so, Erinnerungen an Glen or Glenda sind da sicher kein Zufall. Die Bullen sind schon deswegen lächerlich, weil sie solche Idioten spielen, schauspielerisch bringen sie nicht viel, vor allem der Bulle im hellen Trench-Coat ist zu keiner Sekunde ernstzunehmen, sein Darsteller overactet ja auch total.. Bleibt noch Criswell. Oh Mann, eine bessere Besetzung hätte Eddi nicht finden können, der Typ ist echt spitze (natürlich nicht vom Können her, man sieht zum Beispiel deutlich, dass er seinen Text von Karten abliest). Aber seine Art zu sprechen, seine Betonungen, wie kann man das nicht lieben? Criswell ist neben Bela Lugosi definitiv der sympathischste Mann, mit dem Eddi jemals zusammengearbeitet hat. Natürlich sind seine Texte auch absolut idiotisch, das bringt mich direkt zu den Dialogen...
Dialoge: Criswells Dialog ist absolut genial, "that there is a time to live and that der is a time to die", "future events will affect you in the future", "... and even television", v. a. bringt er es auch noch so ironiefrei rüber und doch schrammt das Ganze sehr nahe am Wahnsinn entlang, würde er plötzlich zu schreien oder zu singen anfangen, es würde mich absolut nicht wundern, das fesselt einen. Andere Dialoge "Inspector Clay is dead, murdered and somebody is responsible", "visits? that would indicate visitors", "modern women have been like this all through the ages" sind absolut legendär und einfach nur brilliant. Man kann sich nur schwer reinversetzen, was sich Eddi dabei wirklich gedacht hat, aber er wollte eben cool rüberkommen, seine Art war es wohl, Tautologien im Übermaß zu produzieren und irgendwie konnte er wohl es sich nicht verbeißen, Smalltalk mit SciFi irgendwie zu verbinden.
Technik: Die UFOs können nicht fliegen ohne zu eiern, Tag und Nacht wechselt ständig, die Montage aus neuen Szenen und Stock Footage ist eine Katastrophe und überhaupt sieht man oft genug (z. B. auf dem Friedhof) deutlich Lichtquellen, die dort nicht sein dürften usw. Aber der Schnitt ist flott, der Film bleibt kurzweilig und erlahmende Szenen sehen wir selten (höchstens wenn man zum schon wieder das Flugzeug sieht oder wenn die Autos zum Friedhof hinfahren). Außerdem ist das Windgeräusch immer gleich laut, egal, wie schnell die UFOs fliegen, sogar im Weltraum kann man sie hören.
Zum Unterhaltungswert: Wie gesagt, der Film ist von Anfang bis Ende total lustig, das wäre er aber sicher nicht, wenn er jetzt nicht von Eddi dem Enthusiasten gemacht wäre. Ich für meinen Teil habe eigentlich immer mit dem Film gelacht und nie dagegen. Mit Ausnahme von wenigen Szenen (z. B. auch Clay richtet sich im Grab auf) verfehlt der Film seine Wirkung als Gruselfilm völlig, aber wenigstens versuchte er noch, sein Publikum zu erschrecken. Und folgende Szenen machen den Film zu einem unsterblichen Knaller:
- Bela Lugosi (der echte) geht aus dem Bild, man sieht, wie das Bild angehalten wird, er schreit und man hört das Bremsen eines Autos. In dieser Szene soll Bela Lugosi überfahren werden (so viel Blindheit dürfte in der Filmgeschichte selten sein)
- Beim Artilleriefeuer sieht man deutlich die Knallfrösche, die explodieren. Außerdem ballern die zuerst in den leeren Himmel und erst dann kommen die UFOs ins Bild und lassen sich abschießen (es passiert ihnen nichts)
- alle Szenen, wie die UFOs über die Stadt fliegen
- die Bullen schlagen auf Clay ein
- die Zeichensprache der Aliens (yeah!!)
- "because all on earth are idiots"- Dudley Manlove betritt zweimal die Raumstation, soll aber offensichtlich zweimal einen anderen Alien darstellen- Clay kommt nicht aus seinem Grab heraus
- und meine Lieblingsszene, wo Trent Eros eine schmiert
Fazit: Und tatsächlich, Plan 9 ist genau der Überknaller, der mir versprochen wurde, der Film ist über die ganze Laufzeit absolut lustig aber AUF GAR KEINEN FALL IST DAS DER SCHLECHTESTE FILM ALLER ZEITEN und er bekäme auch so noch 3 oder 4 von 10, da er es durchaus schafft, von Erzählweise, Schauspielern und Grundkonzept einigermaßen zu funktionieren. Aber: Diesen Film sollte man wirklich nicht verarschen, den muss man genießen und ich war eh skeptisch, dass viele Leute den Film einfach nur fertig machen, ich jedenfalls habe immer mit dem Film gelacht, außerdem hat dieser Film eben den Sonderstatus, dass die Fehler so absolut auffällig sind, da kann man leicht ein vorschnelles Urteil haben. Außerdem würde ich, selbst wenn der Film deutlich schlechter wäre, immer noch anrechnen, dass Eddi ein Enthusiast war und solche sind wie ich meine sehr selten geworden. Danke Eddi!!
P. S.: Wer immer noch meint, das könnte vielleicht doch der schlechteste Film aller Zeiten sein, dem empfehle ich mal folgende Filme zur Ansicht: Die Todesklaue des Tigers, High Sky Mission, Daniel der Zauberer, Monster a go-go, Turkish Star Wars und natürlich „Manos“ The Hands of Fate.

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