Außerirdische sind im Begriff, von der Erde Besitz zu nehmen. Dazu greifen sie zu Plan 9, der beinhaltet, die toten Menschen wieder zum Leben zu erwecken.
Das ist die Story von "Plan 9 from outer Space", der sich stolz "schlechtester Film aller Zeiten" nennen darf. Wer ihn gesehen hat, weiß warum. In diesen 80 Minuten sind so viele Anekdoten, Goofs und dämliche Sätze enthalten, dass man sie unmöglich alle aufzählen kann, trotzdem mal ein paar interessante Fakten:
Ed Wood galt ja als einer, dem in seinen Filmen immer nur die Geschichte wichtig war, alles andere zählte nicht. Alle Szenen ließ er nur einmal drehen, obwohl die Schauspieler manchmal sogar ihren Text vergasen. Seine Werke hielt er allesamt für unverstandene Meisterwerke auch wenn sie noch so dilettantisch inszeniert waren. Sein bester Freund war Alt-"Dracula" Bela Lugosi, der vor Beginn der Dreharbeiten zu "Plan 9..." schwer drogensüchtig war und unglücklicherweise vor Fertigstellung des Films starb. Woods Ehrgeiz, seine Geschichte unbedingt zu erzählen und seinen besten Freund, Woods Auffassung nach auch der genialste Schauspieler überhaupt, noch im Film zu haben, wird am besten durch die Tatsache deutlich, dass er die komplette Story um ca. zwei Minuten Archivmaterial strickte, auf der Lugosi zu sehen war. Dass diese Aufnahmen mit der Handlung rein gar nichts zu tun haben, war ihm egal, was einige haarsträubende Logikfehler zur Folge hat. Zum Beispiel sind dadurch Szenenwechsel zwischen Lugosi, der auf einem Friedhof herumspaziert und zwei Arbeitern fehlerhaft.
Noch verrückter ist allerdings die Tatsache, dass Ed Wood als Ersatz für Lugosi den Chiropraktiker seiner Frau die Rolle spielen ließ. Sein Gesicht wurde mit einem Cape verdeckt, um über die fehlende Ähnlichkeit hinwegzutäuschen, was wiederum total sinnfreie Szenen zur Folge hat, weil ein Untoter ja eigentlich erschrecken und töten soll, was aber nun schwer geht mit verdecktem Gesicht bzw. mit Händen, die genug damit zu tun haben, das Cape zu halten.
Da sich Ed Wood als echtes Multitalent verstand, schrieb er gleich noch das Drehbuch selber, von dem ein Kritiker mal sagte, es habe die einzigartige Fähigkeit, sogar von einem Zweijährigen übertroffen zu werden. Kann man fast so stehen lassen, denn was in "Plan 9 from outer Space" für Dialoge fallen, ist in Worten schwer zu beschrieben. Wer sich aufgrund unfreiwilliger Komik (davon strotzt der gesamte Film nur so) mal wieder die Schenkel wund klopfen möchte, ist hier gut bedient, denn es gibt solche Kracher zu hören wie "Nur eines steht fest: Er wurde ermordet und jemand ist dafür verantwortlich". Bei solchen Sätzen hätte man die Schauspieler auch gar nichts sagen lassen können.
Einen echten Brüller stellt des weiteren die Ausstattung dar, wobei man hier Ed Wood keinen allzu großen Vorwurf machen darf. Das Budget war natürlich arg begrenzt, dennoch ist es höchst amüsant zu sehen, wie die Größenproportionen auf dem Friedhof total falsch sind, Radkappen an Angeln befestigt durchs Bild eiern, die Ufos darstellen sollen und laut einer Darstellerin zigarrenförmig sein sollen oder die Kulissen zu jeder Zeit nach Studio aussehen. Zwischendrin gibt es ein paar reale Szenen aus dem Koreakrieg zu sehen, die optisch gar nicht ins Bild passen. Recht lustig sind auch die Anzüge der Außerirdischen, die eher wie Faschingskostüme aussehen.
Wer jetzt denkt, Ed Wood hat das mit einem Schuss Selbstironie inszeniert, liegt völlig falsch. Das war sein bitterer Ernst und gerade diese Tatsache macht "Plan 9 from outer Space" zu einem Unikat. Der Kerl war doch tatsächlich bis zu seinem Tod von seiner Genialität überzeugt, obwohl sich kein Schwein jemals für seine Filme interessierte, bis dieser Streifen 1980 plötzlich als schlechtester aller Zeiten galt. Da begann sich langsam eine kleine Fangemeinde zu stabilisieren, die ihrem Meister bis heute die Treue hält.
Ich gehöre sicherlich nicht dazu, sondern habe dieses miese Machwerk aus reinem Interesse nach Tim Burtons "Ed Wood" von 1994 angesehen. Ich kann nicht behaupten, es hätte mir 80 Minuten Spaß gemacht, denn es sind wirklich verdammt langweilige Stellen enthalten, was es für Otto Normalzuschauer unmöglich machen dürfte, diesen Film zu konsumieren. Trashfans jedoch treffen hier eine echte Perle an, die weiterhin ihre Freunde finden wird. So etwas gibt es mit Sicherheit nie mehr, über diesen Film könnte man Bücher schreiben, weil man in jeder Minute mindestens zwei, drei glasklare Logikfehler entdeckt. Es gibt mit Sicherheit noch mehr, doch ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich die Lust aufbringe, das noch ein zweites Mal anzuschauen. Ungeachtet meiner Wertung, die in diesem Fall eh kaum eindeutig festzulegen ist, kann man diesen Film mal anschauen. Entweder man schläft ein, lacht sich zu Tode, wundert sich, je nachdem. Fest steht: Dilettantisch bis zum abwinken, aber Kult!