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Diesen Film in irgendeiner Weise auch nur annähernd objektiv zu bewerten, dürfte so gut wie unmöglich sein. Denn nicht umsonst ging Regisseur Edward D. Wood, Jr. in die Geschichte ein als offiziell schlechtester Regisseur aller Zeiten, und nicht umsonst wurde diesem Werk vom britischen Filmbewertungsausschuss das

Prädikat "schlechtester Film aller Zeiten" verliehen und bis zum heutigen Tage nicht zurückgenommen.

Und es gibt wirklich eine große Menge schier unfassbar lächerlich wirkender Details: Eine schwachsinnige, hysterische Story um Außerirdische, die menschliche Leichen zum Leben erwecken, um die Menschheit daran zu hindern, eine Neutronenbombe zu bauen, die das Universum zerstören würde; Spezialeffekte, die aus Plastik-Ufos bestehen, welche an gut sichtbaren Drähten vor einem aufgemalten Himmel herumschwirren; billige Plastik-Kulissen; Dialoge, die so unglaublich gestelzt und dümmlich sind, dass man oft einfach nur noch lachen kann; und nicht zuletzt Schauspieler, die talentfrei herumstehen und monoton ihre Textzeilen aufsagen. Der Gipfel der Irrsinnigkeit ist die Tatsache, dass der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten längst verstorbene Bela Lugosi in einer Gastrolle auftaucht: Anhand eingefügter Filmszenen früherer Werke und dargestellt von seinem Chiropraktiker, der sich stets einen Umhang vor das Gesicht hält, um den Schwindel geheim zu halten. Das alles sind wirklich schwerwiegende Faktoren, die "Plan 9 aus dem Weltall" zu einem Highlight der Trashfilm-Geschichte machen.

Und dennoch gibt es eine gute Chance, dass sogar oder vielleicht besonders Cineasten diesen Film mögen könnten. Denn in jeder Einstellung, in jeder einzelnen Minute spürt man einfach die Liebe zum Kino und allgemein dem Medium Film, mit der Ed Wood an sein stümperhaftes Werk gegangen ist. Jeder seine Filme (wie "Glen or Glenda?" und "Die Rache des Würgers") zeichnete sich durch grottige Inszenierung aus - doch das schmälert den ungewöhnlichen Ruhm dieses verkannten Genies nicht. Im Gegenteil. Beinahe kann man Ed Wood als Inbegriff der in so vielen amerikanischen Filmen propagierten Tatkraft und Zielgerichtetheit ansehen: Entgegen aller Schwierigkeiten tat er alles dafür, seinen Traum zu verwirklichen und ein großer Filmregisseur zu werden, ungeachtet aller bitterbösen Kritiken. Hier steckt die Magie nicht unbedingt im Werk selbst, sondern in der Art und Weise, wie es entstanden ist. Und nicht zuletzt blitzen hin und wieder ja doch solche lobenswerten Dinge wie Satire und Gesellschaftskritik auf. Die Idee, die hinter allem steht, verleiht selbst den schlechtesten Passagen eine gewisse Kraft.

Zugegebenermaßen ist dies ein sehr subjektives Empfinden, das nur schwer begreiflich gemacht werden kann. Man sollte vielleicht - so wie ich es bin - ein ausgesprochener Trash-Fan sein, um diesem Werk die Anerkennung zukommen lassen zu können, die es durchaus verdient. Doch auch darin steckt eine Leistung des Films: Die Grenzen zwischen Subjektivität und Objektivität, mit denen jeglicher auch professionelle Kritiker stets zu kämpfen hat, nicht nur aufzuzeigen, sondern zu verwischen und neu zu definieren.

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