Nach ihrer „Matrix“-Trilogie haben die Wachowski-Brüder scheinbar den Job gewechselt: In „V wie Vendetta“ betätigten sie sich als Drehbuchautoren sowie Produzenten und überließen Neuling James McTeigue den Regiestuhl. Der Zuschauer erfährt nun endlich, warum Natalie Portman („Garden State“) in den letzten Monaten auf diversen Festivals mit Ultra-Kurzhaarschnitt herumlief: Weil sie eine Hauptrolle in diesem äußerst kurzweiligen Science-Fiction-Thriller innehatte.
Zur Story: Der maskierte „V“ (Hugo Weaving, „Matrix“-Agent Smith) will sich für die Untaten, die ihn ein faschistisches Regime in England in naher Zukunft angetan hat, rächen, indem er das Parlamentsgebäude sprengt. Eines Nachts, als Evey (Natalie Portman), eine stille Gegnerin des Regimes, von Staatsdienern angegriffen wird, kommt ihr „V“ zur Hilfe. Evey erkennt in sich eine ähnliche subversive Gesinnung und unterstützt „V“, was sie zu einer Feindin des Regimes macht. Fortan müssen beide um ihr Leben bangen…
Leider kann man dem Film nicht attestieren, etwas wirklich Visionäres geschaffen zu haben. Allzu deutlich lassen sich in dieser „Graphic Novel“-Adaption Parallelen zu „1984“ sowohl in der Besetzung (John Hurt wurde hier genau entgegen seiner Rolle als Widerständler in George Orwells Romanverfilmung besetzt) als auch in der Handlung erkennen. Doch während die Großbildschirme und die militärisch-konforme Partei-Maschinerie die gleichen geblieben sind, lässt das Regime in „V wie Vendetta“ doch mehr Freiheiten zu. Das Leben scheint weniger staatlich durchorganisiert und ermöglicht bis zu einem tolerierbaren Maße Persönlichkeitsentwicklung, was wiederum ebenso wie „V“s Martyrium in Testlaboren assoziativ mit dem 3. Reich in Verbindung gebracht werden kann. Doch leider formuliert der Film diese Metaphorik nicht weiter aus: Im Vordergrund steht eine (wie sich zum Ende herausstellt) Liebesgeschichte, welche zu reich an Dialogen daherkommt. Dass selbige sprachlich sehr geschliffen sind, dient zwar der Charakterzeichnung von „V“, konterkariert aber die zuweilen sorgfältig aufgebaute, fesselnde Spannung des Films. Und obwohl „V wie Vendetta“ darüber hinaus so einige pathetische und melodramatische Momente aufweist, hat er doch eine ungeheuer hohe Intensität. Kraftvoll inszenierte, visuell beeindruckende Actionszenen wechseln sich mit nachdenklichen Passagen ab, weswegen der Film nahezu immer auf hohem Niveau unterhält und nie langweilt.
Fazit: Sehr gute Verfilmung des Graphic Novel von David Lloyd mit kleinen melodramatischen und pathetischen Schönheitsfehlern. „V wie Vendetta“ ist eine düstere und anspruchsvolle Zukunftsvision mit subversiven Untertönen, welche durch seine visuelle und inhaltliche Intensität noch verstärkt werden.